{"id":1184,"date":"2008-06-01T00:00:51","date_gmt":"2008-05-31T23:00:51","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=1184"},"modified":"2013-06-02T10:58:48","modified_gmt":"2013-06-02T09:58:48","slug":"die-zwei-seiten-der-unglaubigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=1184","title":{"rendered":"Die zwei Seiten der Ungl\u00e4ubigen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt einfach Dinge, die verschweigt man lieber. Welcher Musiker sagt schon von sich, er k\u00f6nne sowieso nicht singen oder gar eine Melodie halten? <!--more-->Und wer w\u00fcrde sich damit r\u00fchmen, bei der Namensgebung seiner Band von Osama Bin Laden inspiriert worden zu sein? Naja, jemand wie Bnann, S\u00e4nger und Kopf der britischen Infadels. Er liebt die Provo-kation, steht morgens absichtlich mit dem falschen Fuss auf und verbringt den Tag damit, m\u00f6glichst viele Erwartungen zu brechen. Und zum Deb\u00fct der Band erz\u00e4hlte er gerne, wie er nach 9\/11 eine Videobotschaft von Osama sah und dort von den Ungl\u00e4ubigen (\u201einfidels\u201c) die Rede gewesen sei. Ein Bandname war geboren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch nach dem Erfolg, nach den Gigs in UKs angesagtesten Clubs und der Hysterie in Folge des ersten Albums, ist die Provokation nicht mehr so leicht zu erreichen. Da ist der Spagat zwischen Kunst und Kommerz zum Alltag geworden und Bnann bem\u00fcht sich in Verweigerung: \u201eIch kann Politik, Gesellschaft und Religion nicht leiden. Politik insbesondere, da wird mir \u00fcbel. Ich glaube nicht an den ganzen Mist.\u201c Mit dieser Anti-Haltung geht er einerseits gegen den Trend, der in den letzten Jahren wieder zu einer Politisierung der Musikszene gef\u00fchrt hat \u2013 nicht zuletzt wegen Osama und George W. Andererseits beweist er damit eine starke R\u00fcckbesinnung auf die Punk-Era, die ja in UK wieder voll im Trend liegt. \u201eJa, stimmt. Spirituell verbindet mich vieles mit den Punks. Insbesondere die Do-It-Yourself-Mentalit\u00e4t und das Fuck You! gegen die Gesellschaft,\u201c erkl\u00e4rt Bnann und kann den Stolz nicht verbergen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eAber das ist nicht alles. Wir machen keine Retro-Musik. Wir stehen auf alle m\u00f6glichen Arten von Musik und nehmen unsere Inspirationen \u00fcberall her. Nicht nur aus dem Punk oder dem Wave der 80er Jahre. Obwohl beides auch auf dem Album zu finden ist.\u201c Bnann ist \u00fcberzeugt davon, dass das neue Album \u201eUniverse in Reverse\u201c anders klingt als noch das Deb\u00fct. \u201eEs sind mehr Melodien darauf. Wir hatten mit dem letzten Album ein derartig cluborientiertes Album gemacht, dass wir diesmal etwas total anderes ausprobieren wollten.\u201c Er hat Recht, denn \u201eUniverse in Reverse\u201c ist ein Album, das in seinen Melodieb\u00f6gen eher an alte Blondie-Nummern erinnert. Und somit tritt die Punkattit\u00fcde in vollen Kontrast zu den gro\u00dfen hymnenartigen Pop-Hooks des Songwritings. Ein Kompliment, dass Bnann gleich wieder mit Aufm\u00fcpfigkeit quittieren muss: \u201eOk, nenn es ruhig Pop, aber mit den Chartsachen hat das nichts zu tun. Wir haben das ganze Album in nur 14 Tagen eingespielt. Wir sind ins Studio gekommen und haben die Songs eingespielt, als w\u00e4ren wir live auf der B\u00fchne. Da sind soviele Fehler in den Songs: Noten, die wir nicht treffen, Timings, die daneben liegen. Egal. Mann, ich liebe Fehler! Die machen die Musik erst interessant.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bnann ist ein zwiesp\u00e4ltiger Mensch. Einerseits will er weiterhin seine Liebe zur Musik ausleben, ihm gef\u00e4llt die Aufmerksamkeit und ohne den Erfolg w\u00fcrde er wohl kaum weitermachen. Andererseits will er sich auf keinen Fall funktionalisieren lassen, braucht seine\u00a0 Widerspenstigkeit und genie\u00dft die Provokation. Die Musik der Infadels jedenfalls beweist, dass aus diesem Widerspruch einiges an kreativer Energie zu flie\u00dfen vermag. Nur einen Zahn m\u00fcssen wir ihm doch ziehen: eine Melodie kann er sehr wohl halten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0Urspr\u00fcnglich erschienen im <em>Loop<\/em> 06\/2008.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einfach Dinge, die verschweigt man lieber. 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