{"id":1324,"date":"2012-05-01T00:00:59","date_gmt":"2012-04-30T23:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=1324"},"modified":"2013-06-02T09:18:26","modified_gmt":"2013-06-02T08:18:26","slug":"den-punk-im-blut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=1324","title":{"rendered":"Den Punk im Blut"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach fast 20 Jahren ver\u00f6ffentlichen die Donots bereits ihr neuntes Studioalbum und geh\u00f6ren damit zu den bekanntesten Punkrock-Bands Deutschlands. Als sie anfingen Musik zu machen, h\u00e4tten sich Ingo Knollmann und Alex Siedenbiedel das wohl nicht tr\u00e4umen lassen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0&#8222;You&#8217;re So Yesterday&#8220; hei\u00dft einer der Songs auf dem neuen Album &#8222;Wake The Dogs&#8220; der Donots und man k\u00f6nnte meinen, dass in diesem Titel ein ironischer Kommentar auf ihre eigene Karriere liegt. Schlie\u00dflich ist der Durchbruch der Band aus Ibbenb\u00fcren der Frage &#8222;Whatever Happened To The 80s&#8220; zu verdanken. Und auch das 80er-Jahre Cover von Twisted Sisters &#8222;We&#8217;re Not Gonna Take It&#8220; d\u00fcrfte dazu beigetragen haben, dass die f\u00fcnf Punkrocker einen solchen Erfolg zu verbuchen haben. Mit &#8222;Wake The Dogs&#8220; gehen die Donots den Weg nun weiter, und im Gegensatz zur Aussage besagten St\u00fccks ist das Gestern-Sein f\u00fcr die Band keineswegs etwas Schlechtes. Im Gegenteil, denn schon der Opener des neuen Albums erinnert an die gro\u00dfe Zeit des Punk Ende der 1970er Jahre, als The Clash, The Damned und die Sex Pistols die Stra\u00dfen Englands in Aufruhr hielten. &#8222;Alter, das ist das gr\u00f6\u00dfte Kompliment, das du uns machen kannst&#8220;, freut sich Gitarrist Alex Siedenbiedel ein Loch in den Bauch als wir \u00fcber die musikalischen Einfl\u00fcsse des Albums reden, &#8222;von The Clash h\u00e4ngen noch heute drei Poster an meiner Wand. Mit diesen Bands haben wir damals angefangen \u2013 in der Scheune auf der B\u00fchne gestanden und Coversongs gespielt.&#8220; Und auch S\u00e4nger Ingo Knollmann ist schnell in Reminiszenz verfallen als es um den UK-Punksound geht: &#8222;Das bringt mich zur\u00fcck ins Jahr 1993. Wir waren komplett unf\u00e4hig unsere Instrumente zu spielen. Wir haben Punkrock geschrammelt und egal wie schlecht wir auch gespielt haben, Hauptsache es ging ab.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Sound von &#8222;Wake The Dogs&#8220; jedenfalls ist sp\u00fcrbar von diesen musikalischen Wurzeln beeinflusst und man findet aus eigentlich jeder Punkrock-Stilrichtung Elemente, die die Donots zu einer wundervollen Weltreise durch die Leichtigkeit des Drei-Akkorde-Sounds verbinden. Egal ob es nun die Stippvisite in London bei den besagten Clash, der energiegeladenen Clubbesuch bei den New Yorker Ramones oder der Surftrip in Kalifornien ist, die Donots f\u00fchlen sich \u00fcberall zu Hause, vergessen dabei aber keineswegs ihre Heimat in Westfalen. Und vom Dilettantismus der fr\u00fchen Jahre ist nat\u00fcrlich auch nichts mehr zu sp\u00fcren, daf\u00fcr haben Sie in fast 20 Jahren einfach viel zu viel gelernt. &#8222;Klar, wir mussten besser werden und k\u00f6nnen, glaube ich, auch ganz gut zusammenspielen&#8220;, sagt Ingo und meint, dass man das aber auch nicht \u00fcbertreiben sollte: &#8222;Das darf auf der Platte nicht total geleckt klingen. Wir wollen auf keinen Fall wie die Amibands der letzten Jahre zu glatt, zu perfekt und radioformatiert klingen. Da l\u00e4uft es mir immer kalt den R\u00fccken runter, wenn ich das h\u00f6re.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei hat die Platte aber nicht nur den rauen, reduzierten Charme der Punkrock-Ikonen, sondern ergeht sich andererseits auch in einem breiteren Stadionsound. In einigen Momenten wird da ein voller, orchestral begleiteter Sound deutlich, der schon eher an neuere Rockproduktionen erinnert als an den Ursprung des Punk. Alex erkl\u00e4rt das mit der Dualit\u00e4t der Band, die beim Songschreiben zu einer Aufteilung der Songs gef\u00fchrt hat: &#8222;Wir haben Songs geschrieben, wie sie uns gefallen. Egal in welchem Stil des ist. Dabei ist uns aufgefallen, dass die in unterschiedliche Kategorien geh\u00f6ren. Die einen sind im Stil eher minimal, 70er Jahre Punk und erdig. Die anderen hingegen waren wie f\u00fcrs Breitbandkino gemacht, voller Sound, mit Streichorchestern und geradezu als Mitsinghymnen geeignet.&#8220; &#8222;Ja, das reflektiert einfach die diversen Spielarten, die wir ausprobieren wollten&#8220;, greift Ingo ein, &#8222;das ist auch textlich da drin. Ich habe diesmal einfach \u00fcber alles geschrieben, was mich l\u00e4nger als 5 Minuten besch\u00e4ftigt hat. Das ist schon etwas anderes als damals, als alles einfach nur Spa\u00df machen sollte. Oh Gott, hei\u00dft das etwa, dass wir erwachsen geworden sind?&#8220; Und schon brechen die Beiden in schallendes Gel\u00e4chter aus. &#8222;Nein, mal im Ernst. Wir haben uns fr\u00fcher schon politisch engagiert, aber es musste halt immer auch Spa\u00df machen. Und wir springen unserem Publikum eben nicht so gerne mit dem blanken Arsch ins Gesicht, um irgendeine politische Botschaft r\u00fcberzubringen&#8220;, sagt Ingo und meint, das sei nicht ihr Stil. &#8222;Wenn du so willst, dann ist die Botschaft immer schon &#8217;sei selbstverantwortlich&#8216;, &#8217;sei dir treu&#8216; und &#8218;mach dir deinen eigenen Kopf&#8216; gewesen&#8220;, sagt Alex und bezieht das auch auf die Band selbst. &#8222;Das haben wir immer schon gemacht&#8220;, kommentiert Ingo das Credo, &#8222;und machen wir auch heute noch. Dabei ist Do-It-Yourself f\u00fcr Bands heute ja schon so was wie salonschick geworden. F\u00fcr uns geh\u00f6rt das dazu, wir f\u00fchlen uns wohl mit dem eigenen Label und damit, selber bestimmen zu k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch dem eigenen Stil treu zu bleiben, war nicht immer leicht f\u00fcr die Donots. Gerade in den fr\u00fchen Jahr, meint Ingo, da h\u00e4tten sie schon ein paar Fehler gemacht: &#8222;Wir haben uns damals bei der BMG einfach nicht wohl gef\u00fchlt und wollten da raus. Mit dem eigenen Label, das wir dann gegr\u00fcndet haben, mussten wir eben bei Null wieder angefangen&#8220;. Auch Alex sieht bei der Band einschneidende Entwicklungen in den letzten Jahren: &#8222;F\u00fcr uns gibt es da ganz wesentliche Momente der Ver\u00e4nderung: die BMG-Zeit ist ein Teil unserer Geschichte, den wir auch nicht ignorieren wollen. Aber das hatte sich irgendwann totgelaufen und wir waren durch. Damals hatten wir noch keine Ahnung, wie so etwas geht: Musikbranche, Label, Vertrieb. Aber jetzt hat sich das ver\u00e4ndert und es ist ok wieder bei Universal angedockt zu haben. Der richtig einschneidende Moment kam aber 2008 dank Kurt von Blackmail. Wir hatten eine absolute Initialz\u00fcndung im 16. Bandjahr. Kurt kam nach einem Gig zu uns und meinte: &#8218;Leute, ihr seid eine gro\u00dfartige Liveband, aber warum klingen eure Alben eigentlich so schei\u00dfe?&#8216; Das hat uns zu denken gegeben und wir haben mit ihm die Donots 2.0 aus der Taufe gehoben und &#8218;Coma Chameleon&#8216; aufgenommen&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dieser Zeitrechnung sind die Donots gerade beim verflixten dritten Album angekommen, das traditionell das Album ist, mit dem man den Weg f\u00fcr alles kommende vorgibt. &#8222;Oh verdammt&#8220;, meint Ingo, &#8222;das dritte Album. Dann h\u00e4tten wir uns vielleicht besser was \u00fcberlegt, oder?&#8220; Daraufhin lacht Alex nur laut: &#8222;Ich finde, das ist unsere beste Platte geworden. Sagt zwar jede Band und das ging mir bei fr\u00fcheren Platten auch nicht anders, aber diesmal f\u00fchlt sich echt gut an. Normalerweise ist man nach einiger Zeit schon kritisch mit seinen Alben, aber die hier, die h\u00f6re ich auch in einigen Jahren noch. Da bin ich mir sicher.&#8220; Und vielleicht ist es ja doch die Vergangenheit, die daran Schuld hat. Denn schlie\u00dflich h\u00f6ren wir &#8222;London Calling&#8220; ja auch immer noch und finden es gut. Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn man ein wenig Gestern im Heute finden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich erschienen als Titel-Story im Piranha 05\/2012 und auf\u00a0<a href=\"http:\/\/piranha.tv\/donots-wake-the-dogs\/2012\/06\/04\/\" target=\"_blank\">Piranha.tv<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach fast 20 Jahren ver\u00f6ffentlichen die Donots bereits ihr neuntes Studioalbum und geh\u00f6ren damit zu den bekanntesten Punkrock-Bands Deutschlands. 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