{"id":1422,"date":"2012-05-01T00:00:05","date_gmt":"2012-04-30T23:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=1422"},"modified":"2013-06-02T09:20:07","modified_gmt":"2013-06-02T08:20:07","slug":"ludere-et-studere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=1422","title":{"rendered":"Ludere et Studere"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Das Wachstum der Computerspiel-Branche bringt in der Gesellschaft gr\u00f6\u00dfere Entwicklungen mit sich, auch und gerade an deutschen Hochschulen, die den Trend zum Spiel erkannt haben. So wurden in den letzten Jahren neue Studieng\u00e4nge aus dem Boden gestampft, mit denen der dringenden Bedarf an Game Designer, Developern, Producern und Programmierern gedeckt werden soll. H\u00f6chste Zeit also f\u00fcr eine Bestandsaufnahme.<!--more--><strong>\u00a0<\/strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Steve Russell und Alan Kotok in den 1960er Jahren die brillante Idee hatten, ihre am ber\u00fchmten Massachussetts Institute of Technology (MIT) erworbenen F\u00e4higkeiten einzusetzen, um mit <em>Spacewar! <\/em>eines der ersten Computerspiele der Welt zu programmieren, da hie\u00df ihr Studiengang noch &#8222;Ingenieurswissenschaften f\u00fcr Elektronik&#8220; und niemand vor Ort wusste um das Potential der studentischen Spielereien. Seit dem hat sich viel getan, sowohl in Bezug auf Computerspiele, als auch in Bezug auf m\u00f6gliche Studieng\u00e4nge, die jungen Menschen heutzutage den Weg in die Branche ebnen sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei stehen Interessierten aktuell eigentlich in jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt Studieng\u00e4nge unterschiedlichster Ausrichtungen zur Wahl, die sich darauf spezialisieren Nachwuchs f\u00fcr den deutschen Developer-Markt auszubilden. Das Angebot reicht dabei von privaten Akademien, \u00fcber technische Hochschulen bis hin zu klassichen Universit\u00e4ten, wobei die Studieng\u00e4nge von &#8222;Game Design&#8220;, &#8222;Game Development&#8220;, &#8222;Game Art&#8220; \u00fcber &#8222;Mediendesign&#8220; oder &#8222;Digital Design&#8220; bis hin zur klassischen &#8222;Kommunikationswissenschaft&#8220; reichen und mindestens ebenso viele Spezialisierungen zulassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So beschreibt beispielsweise Annika Knipp, Marketingleiterin und Bildungsberaterin des privaten Anbieters Games Academy, der zwei Standorte in Berlin und Rhein-Main betreibt, das Ausbildungprofil so: &#8222;Die Games Academy bildet zwei grundlegende Profile aus: zum einen den System-Designer im Bereich Spielmechaniken, Spielsysteme, Game Analyse, oder auch Interaction Design, und zum anderen den Content Designer, der sich sich im Level Design, Quest Design oder Scripting findet.&#8220; Ein Vorteil der Akademie sind die kurzen Ausbildungswege mit nur zwei Semestern zum reinen Game Designer, obwohl auch hier in Zusammenarbeit mit Partnern l\u00e4nger dauernde Bachelor-Abschl\u00fcsse im Bereich Game Development angeboten werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen \u00e4hnlichen Fokus bietet die Ausbildung der Mediadesign Hochschule, die mit Berlin, D\u00fcsseldorf und M\u00fcnchen drei Standorte zu bieten hat und ebenfalls den kreativen Aspekt der Herstellung von Spielen in den Vordergrund stellt. Die sp\u00e4teren Designer und Developer werden aber, so Studiendekan Prof. Dr. Axel Hoppe, nicht nur auf den Gamesmarkt ausgerichtet: &#8222;Unsere Studierenden gehen mit ihrem Wissen nicht nur in die Games-Branche, sondern auch in andere Bereiche wie New Media, Multimedia-Agenturen, Visualisierungen, Motion Design oder ins Publishing.&#8220; Eine profunde, praxisorientierte Ausbildung ist hier zentral, wie Hoppe meint: &#8222;Der Schwerpunkt des Studiums ist es zu lernen, wie man eine Vision f\u00fcr ein Spiel entwickelt, strukturiert und so dokumentiert, dass sie umgesetzt werden kann. Dabei steht die theoretische und interdisziplin\u00e4r orientierte Auseinandersetzung mit Games als Grundintention hinter dem Studiengang.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kooperation mit der Branche<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch in Hamburg an der Hochschule f\u00fcr Angewandte Wissenschaften (HAW) setzt man auf ein praxisbegleitendes Studium, bei dem &#8222;die Studierenden in Teams \u00fcber ein drei Semester dauerndes Projekt zu Praxisbedingungen einen Prototypen f\u00fcr ein Spiel entwickeln&#8220;, wie Studiengangsleiter Prof. Dr. Gunter Rehfeld sagt. Der Einbezug der Branche wird hier, wie in den meisten Studieng\u00e4ngen zum Thema, vor allem in der Lehre umgesetzt. So finden neben Gastdozenten aus der Industrie, die an der HAW vor allem die anwendungsbezogenen F\u00e4cher unterrichten, auch immer wieder andere Formen der Kooperation statt. Rehfeld dazu: &#8222;Es werden viele Workshops mit Gamedesignern, Balancern, Producern etc. aus den in Hamburg ans\u00e4ssigen Firmen wie Goodgame Studios, Innogames oder Bigpoint angeboten. Dar\u00fcber hinaus besteht die M\u00f6glichkeit f\u00fcr die Studierenden, Praktika in der Industrie zu absolvieren oder als Werkstudenten dort zu arbeiten, soweit es die Zeit zul\u00e4sst.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die N\u00e4he zur Branche und der sich daraus ergebenden Einbezug praktischer Erfahrungen werden von Studierenden wie Sebastian Borufka auch an ihrem Studium an der Berliner Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft (HTW) gesch\u00e4tzt. Borufka befindet sich zur Zeit im 6. Semester, dem &#8222;Pflichtpraktikum&#8220;, bei dem er Erfahrungen in der Branche direkt sammeln muss: &#8222;Das Studium hier bedeutet, seine eigenen kreativen F\u00e4higkeiten einzusch\u00e4tzen, zu erweitern und zu spezialisieren. Es bedeutet Einblick in die Technologie und Kontakt zur Branche. Die unterschiedlichen Schwerpunkte im Studiengang bedienen dabei sowohl den konzeptionellen Teil als auch die eigentliche Umsetzung und Produktion im Entwicklungsprozess eines Spiels. Game Design kann eben vieles sein und genau das wird vermittelt.&#8220; Auch seine Kommilitonin Jennifer Kamm, die im 2. Semester studiert, sch\u00e4tzt die Vielfalt des Studiums und den direkten Austausch mit den Profis: &#8222;Die Kurse sind anstrengend bieten aber viel Platz f\u00fcr individuelle Entfaltung und private Tipps von den Dozenten. Sie nehmen sich f\u00fcr jeden Einzelen Zeit und helfen individuell.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Abschluss und dann?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie es aber f\u00fcr Kamm und Borufka nach dem Abschluss weitergeht, dass kann an der HTW in Berlin zur Zeit noch niemand sagen, da der erste Jahrgang noch studiert. An der Hamburger HAW hingegen ist man stolz, dass bisher alle Absolventen einen guten Branchenjob gefunden haben. Rehfeld sagt sogar, dass man einen Fachkr\u00e4ftemangel bemerke: &#8222;Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften ist in Hamburg im Moment so hoch, dass wir ihn mit den Absolventen des MA Studiengangs nicht decken k\u00f6nnen.&#8220; Und auch Hoppe von der Mediadesign Hochschule wirkt entspannt, wenn es um die Chancen seiner Studierenden geht: &#8222;Die Berufsaussichten mit dem Profil eines Gamedesigners sind exzellent.\u00a0 Neben zahlreichen Ausgr\u00fcndungen finden sehr viele Absolventen sofort Anschluss in der Branche.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Branche selbst ist die Stimmung gegen\u00fcber den neuen Studieng\u00e4ngen ebenfalls positiv und freundlich, wenn man hier auch etwas verhaltener ist, wie Vera Schott PR Managerin beim Hamburger Publisher Crimson Cow bemerkt: &#8222;In Bezug auf Spiele-Entwicklungen sch\u00e4tzen wir die jungen Teams als kreative K\u00f6pfe mit vielen innovativen Ideen. Sie \u00fcberzeugen gleichzeitig mit einer konzentrierten und organisierten Herangehensweise an die Projekte und bieten eine erfreuliche Frische. Direkt aus dem Studium kommend, fehlt es vielen Absolventen aber oftmals an ausgepr\u00e4gter Praxiserfahrung, die f\u00fcr solche Stellungen wichtig ist.&#8220; Das Problem dabei seien nicht so sehr die fehlenden Praktika oder M\u00e4ngel in der technischen Umsetzung als vielmehr spezifische Erfahrungen mit dem Game als marktwirtschaftlichem Objekt: &#8222;Zum einen bieten viele Studieng\u00e4nge zu wenige Einheiten \u00fcber die Vorg\u00e4nge im Markt, so dass Studenten teils nicht einmal auf die Pr\u00e4sentation ihrer Ideen bei Publishern vorbereitet werden. Auf der anderen Seite sind viele Player der Gamesbranche aber auch nicht mutig genug, sich neuen Spielkonzepten anzunehmen.&#8220; Der Konflikt von kreativer Innovation im Studium und marktwirtschaftlichem Verkaufsdenken im Job l\u00e4sst auch Branchenriesen wie Sony und Microsoft die Studieng\u00e4nge k\u00fchler bewerten. Hier sieht man keine direkte Qualifikation f\u00fcr betriebliche T\u00e4tigkeitsfelder, sondern verweist hier auf die rein wirtschaftliche Ausrichtung der zu vergebenden Positionen. BWL, Marketing und kaufm\u00e4nnischen Ausbildung z\u00e4hlen im Vertrieb eben mehr als innovative Spielideen \u2013 dieser Einschr\u00e4nkung sollte man sich bewusst sein, wenn man ein Studium anstrebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die von den deutschen Hochschulen angebotenen Studieng\u00e4nge, vornehmlich im Studienfach &#8222;Game Design&#8220; und \u00e4hnlich praxisorientierten kreativen Bereichen, bilden eine neue Generation junger, innovativer K\u00f6pfe aus, die in Zukunft den Branchenstandort Deutschland vornehmlich in der Produktentwicklung voranbringen werden. Die Aussichten f\u00fcr kleine Studios, f\u00fcr Entwickler und innovative Publisher ist dank der Vielzahl der Studieng\u00e4nge und deren pragmatischer und vielseitiger Ausbildung hervorragend. Auf eine erfolgreiche Zukunft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich erschienen im <a href=\"http:\/\/wortraub.com\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/igm_06-12_s.30-31.pdf\">IGM 06\/2012<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wachstum der Computerspiel-Branche bringt in der Gesellschaft gr\u00f6\u00dfere Entwicklungen mit sich, auch und gerade an deutschen Hochschulen, die den<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1423,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[402,580,566,165,164],"class_list":["post-1422","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gamefeatures","tag-games-features","tag-games-academy","tag-haw","tag-studium","tag-uni"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1422"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1422\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2981,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1422\/revisions\/2981"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1423"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}