{"id":2447,"date":"2006-06-01T00:00:25","date_gmt":"2006-05-31T23:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=2447"},"modified":"2013-06-01T18:26:52","modified_gmt":"2013-06-01T17:26:52","slug":"der-siebenkopfige-mike","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=2447","title":{"rendered":"Der siebenk\u00f6pfige Mike"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wenn die Kreativit\u00e4t erstmal aus ihm heraussprudelt, dann ist er nicht mehr zu halten. Mike Patton stellt dieser Tage sein neuestes Projekt vor. Mit Peeping Tom begibt sich das Multitalent der schr\u00e4gen Musik ins Genre der Beat-T\u00fcftler und Rhythmus-Bastler.<!--more--><\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mike Patton&#8217;s musikalischer Output gleicht einer Hydra, diverse K\u00f6pfe repr\u00e4sentieren die unterschiedlichen Genres, in denen er wildert: von Jazz \u00fcber Tango bis zu Rock und Metal. Und kaum da ein Kopf abgeschlagen ist, w\u00e4chst auch schon ein neuer nach. Letztes Jahr versuchte er sich mit General Patton vs. The Executioners bereits an HipHop-Beats \u2013 wenig erfolgreich und von der Kritik geschm\u00e4ht blieb das Projekt eine einmalige Sache. Der Kopf war ab, doch mit Peeping Tom w\u00e4chst ein neuer nach, der das Experiment &#8222;Mike und die Beats&#8220; um eine neue Dimension erweitert. Da Mike nach eigener Aussage nicht gerade ein begnadeter Programmierer ist, hat er sich mit namhaften Kollegen zusammengetan und seine Songs kr\u00e4ftig aufpeppen lassen. So kann man auf dem Peeping Tom-Deb\u00fct unter anderem die Soundbasteleien von Dan the Automator, Kool Keith, Amon Tobin, Kid Koala und Massive Attack h\u00f6ren, und selbst die angesagte NuJazzerin Miss Norah Jones hat einen Track veredelt. Ein Meisterwerk der Kollaborationen, auf dem Patton eine Melange kreativer Musik mixt, die irgendwo zwischen HipHop, Pop und Electronica schwebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Meistens hatte ich einen fertigen Song parat, der allerdings noch ein paar Schwachpunkte hatte. Entweder war mein Gesang zu wenig f\u00fcr das St\u00fcck, oder ich wollte noch eine weitere Stimme haben, aber in den meisten F\u00e4llen war es der Rhythmus. Darin bin ich schlecht. Ich mach das alles noch per Hand&#8220;, erkl\u00e4rt Mike seine Arbeitsweise und meint damit eine Art musikalisches Ein-Finger-Suchsystem f\u00fcr Beats. Doch zum Gl\u00fcck gibt es ja Profis, denen er dann seine Tracks zuschickte, die sie erg\u00e4nzten und an ihn zur\u00fcckschickten. Diese neuen Werke bearbeitete er dann noch einmal, und heraus kamen elf St\u00fccke, die laut Mike &#8222;durch so viele H\u00e4nde gingen, durch so viele Transformationen, dass er hart ist, herauszufinden, wer was getan hatte. War ich das? Oder war er das?\u00ee Die unterschiedlichen Einfl\u00fcsse lassen zwar keine Kategorisierung im Sinne der Charts zu, doch Peeping Tom ist mehr Pop, als alles, was Mike sonst in den letzten Jahren gemacht hat. Auf jeden Fall steckt in den St\u00fccken eine Menge Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und Kreativit\u00e4t f\u00fcr Mike das Wichtigste, denn er wei\u00df um die fehlende Konformit\u00e4t seiner Werke. Mit dem von ihm gegr\u00fcndeten Label Ipecac Records versucht er, seinen Projekten eine Heimat zu schaffen, und schwimmt dabei gegen den Strom der Musikbranche an. &#8222;Es ist nicht so, dass ich den Kram der anderen nicht mag. Ich habe aber das Gef\u00fchl, dass mein Zeug da nicht reinpasst und es auch niemand haben will. Also habe ich mir meinen eigenen Kontext geschaffen.&#8220; Klare Sache, experimentelle Jazz-Metal-Fusion im Stile von Fant\u00f4mas passt eben nicht ins &#8222;American Idol&#8220;-Konzept. Und was h\u00e4lt ein Musiker wie Patton von diesen Casting-Shows? &#8222;Br\u00fcllend komisch. Zum Gl\u00fcck lebe ich nicht in deren Welt. Die sind wie ein McDonalds der Musik. Eine Art Fabrik, f\u00fcr Schei\u00dfe. Die Leute lieben nun mal Schei\u00dfe. Was soll man tun?&#8220; sagt Mike und lacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort auf diese Frage hat er selber gegeben. Er macht Musik, egal wieviele Leute diese h\u00f6ren wollen. Seine Projekte Tomahawk, Fant\u00f4mas und Mr.Bungle wird er weiter mit Material versorgen und auch f\u00fcr Nachschub bei Peeping Tom ist schon gesorgt: &#8222;Ich habe mindestens Material f\u00fcr drei Alben. Ok, vielleicht auch nur zweieinhalb, oder zweidreiviertel.&#8220; Und dann sind da ja auch noch die Gastauftritte bei Sepultura, Bj\u00f6rk, John Zorn und so weiter. Mike ist vielbesch\u00e4ftigt, seine Kreativit\u00e4t reicht eben nicht f\u00fcr einen Kopf aus. Da m\u00fcssen es schon mindestens sieben sein, wie bei der Hydra.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Der Artikel ist erschienen im Piranha Magazin Ausgabe 06\/06.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Kreativit\u00e4t erstmal aus ihm heraussprudelt, dann ist er nicht mehr zu halten. 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