{"id":250,"date":"2011-02-01T00:00:52","date_gmt":"2011-01-31T23:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/wordpress\/?p=250"},"modified":"2013-06-02T10:11:03","modified_gmt":"2013-06-02T09:11:03","slug":"eine-independent-lovestory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=250","title":{"rendered":"Eine Independent-Lovestory"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Am 04.02. findet im Centraltheater ein Buback-Label-Abend statt, bei dem neben den Goldenen Zitronen auch der Hamburger Schule-Held Kristof Schreuf, die Avantgarde-Band F.S.K. und die jungen Musiker von 1000 Robota zu h\u00f6ren sein werden. Ein solcher Abend ist f\u00fcr den Kreuzer Anlass genug, sich mal hinter die Kulissen des Hamburger Labels zu wagen und ein ernstes Gespr\u00e4ch mit Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thorsten Seif zu f\u00fchren.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geboren aus dem Punk der 80er Jahre wurde das Label 1987 von Goldene Zitronen-Mucker Ale Dumbsky am Hamburger Hafen gegr\u00fcndet, doch schon recht bald war klar, dass Buback Tontr\u00e4ger kein Genre-Label sein sollte und so erweiterte man das Punk-Repertoire erst um Jazz, dann um Indierock und sp\u00e4ter um HipHop und elektronische Avantgarde. Dies sei aber kein Manko, sondern gerade der Reiz des Labels, so Seif: &#8222;Wir sehen die Musik als ein Sprachrohr und die Bands auf dem Label vertreten das. Gerade wenn es um Inhalte geht, die in Texten transportiert werden, dann ist die Form der Musik egal. Es geht darum, spannende Musik aufzutun, die auch \u00fcber Plattit\u00fcden hinaus etwas zu sagen hat, dieser Musik eine Plattform zu geben. Und als wir anfingen, da war das Punk, aber in den 90er Jahren waren die Leute, die Musik als Sprachrohr nutzten eben nicht mehr Punk, sondern Rap. Das Label rutscht da durch alle musikalischen Entwicklungen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Buback rutscht nicht etwa den Trends hinterher sondern hat diese f\u00fcr lange Zeit mitbestimmt, wenn nicht gar angesto\u00dfen. Die Hamburger Schule ist ein solches Ph\u00e4nomen und eben der deutsche Rap, der Abseits von Spa\u00df und Spiel durchaus auf sozio-politische Botschaften Wert legt. Seif sieht hier den roten Faden im Label-Konzept: &#8222;Es geht den meisten unserer K\u00fcnstler nicht nur darum professionell Musik zu machen, sondern im Popbereich eben auch den Text als Beitrag zu einem politischen Geschehen zu nutzen. Unsere K\u00fcnstler wollen Meinungsmacher sein, und sich am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Und eben nicht nur in Form von Plattit\u00fcden, sondern vielleicht mit mehr Augenmerk auf Lyrik, auf die unterschiedlichen Ebenen der Aussage.&#8220; Hierin liegt auch der Unterschied zum Major-Label begr\u00fcndet, bei denen der kommerzielle Nutzen vor die Aussage geschoben wird, w\u00e4hrend Buback &#8211; als Indielabel &#8211; sich eben auch die Freiheit nimmt, ohne Gewinn zu produzieren, wenn es die Ideologie unterst\u00fctzt. So beispielsweise beim nostalgischen Hang zum Vinyl, wie Seif lachend zugibt: &#8222;Im Vergleich zur CD hat sich das Vinyl auf einem Verkaufsniveau eingepegelt und verliert nicht st\u00e4ndig an Boden. Es tr\u00e4gt sich, zwar ohne Gewinn aber eben auch ohne Verlust. Und da die K\u00fcnstler explizit den Wunsch nach Vinyl \u00e4u\u00dfern, da sie wie wir auch Fans sind, wenn man so will, ver\u00f6ffentlichen wir halt die Scheiben. Es ist ein w\u00fcrdevolles Instrument f\u00fcr unsere Ver\u00f6ffentlichungen, das sich gut anf\u00fchlt und das wir lieben und es uns eben keinen Verlust einbringt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liebe und Leidenschaft f\u00fcr das, was man tut. Diese Philosophie pr\u00e4gt die Arbeit im kleinen B\u00fcro des Labels auf dem Hamburger Kiez, tief verankert in einem Milieu, das Buback ebenso pr\u00e4gt, wie es seine musikalischen Wurzeln tun. &#8222;Hamburg war damals Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre eine diskursive Stadt, hier wurde ganz romantisch am Stresen gestanden und \u00fcber Politik, das Leben und die Musik geredet. Das hat uns beeindruckt, da findet sich unsere Tradition. Hier wurde sich selbst in Frage gestellt, und die Antworten darauf in der Musik ausgelebt. Dazu kam, dass die Stadt R\u00e4ume hatte, in denen das ging. Leider ist das heute nicht mehr so, da bietet Berlin kreativ gesehen viel mehr. Was aber immer noch gilt, ist dass die Stadt und ihre Kreativen diskutieren und mitgestalten. Nur ist das eben in den letzten Jahren sehr viel realpolitischer geworden, weil die K\u00fcnstler jetzt sehr viel direkter hier in der Stadt von der Entwicklung betroffen sind. Das ist immer noch ganz besonders an Hamburg.&#8220; Welche musikalische Repr\u00e4sentation dieser Diskurs, diese Realpolitik heutzutage findet, das kann auf den Buback-Label-Abenden jeder selber herausfinden &#8211; und hinterher auf der Aftershow-Party mit den Machern ausdiskutieren. Wir bitten darum!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht in Kreuzer 02\/2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 04.02. findet im Centraltheater ein Buback-Label-Abend statt, bei dem neben den Goldenen Zitronen auch der Hamburger Schule-Held Kristof Schreuf,<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":251,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[649,647,648,51,189,31,33],"class_list":["post-250","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-1000-robota","tag-buback","tag-goldene-zitronen","tag-hamburger-schule","tag-indie","tag-musik","tag-singersongwriter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=250"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/250\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":253,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/250\/revisions\/253"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/251"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}