{"id":3440,"date":"2013-10-02T00:00:26","date_gmt":"2013-10-01T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=3440"},"modified":"2013-08-26T09:39:29","modified_gmt":"2013-08-26T08:39:29","slug":"die-illusion-der-unpolitischen-band","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=3440","title":{"rendered":"Die Illusion der unpolitischen Band"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">In der Vorabsingle zum neuen Album br\u00fcllt Nicholas M\u00fcller gegen die Gleichg\u00fcltigkeit der Menschen an, gegen die Haltung nur dann Position zu beziehen, wenn es gerade opportun ist. Und doch behauptet er fest, seine Band sei nicht politisch&#8230;<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir versuchen mit Jupiter Jones keine dezidiert politischen Statements zu machen, sondern einzig eine nachvollziehbare Position zu finden: gegen Rechtsradikalismus und f\u00fcr den Menschen. Ich denke, dass es wichtig ist, Stellung zu beziehen und mache das auch gerne. Aber als politisches Vehikel sehe ich die Band nicht, das k\u00f6nnen andere besser.&#8220; Nicholas M\u00fcller, S\u00e4nger der Band, ist davon \u00fcberzeugt, dass unsere heutige Zeit mit ihren vermeintlich anonymen Technologien die opportunistische Meinung bef\u00f6rdert: &#8222;Die Leute posten etwas im Internet ohne dar\u00fcber nachzudenken, was sie da sagen. Da platzt mir die Hutschnur und ich muss antworten.&#8220; &#8222;Was er auch ausf\u00fchrlich macht&#8220;, erg\u00e4nzt Bandkollege Andreas Becker und verdreht leicht die Augen, &#8222;manchmal sogar in Romanform \u00fcber Seiten.&#8220;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Wechselnde Meinungen<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Den unpolitischen Menschen als Konzept halte ich f\u00fcr Schwachsinn. Das f\u00e4ngt doch am Stammtisch an und dann kommen schnell Aussagen zustande, die man so nicht stehen lassen kann&#8220;, meint M\u00fcller. So kritisieren Jupiter Jones rechtsradikale oder v\u00f6lkische Aussagen und machen sich f\u00fcr Menschenrechte stark. F\u00fcr sie ist es gerade die exponierte Position als Musiker, die eine gro\u00dfe Verantwortung mit sich bringt. &#8222;Ich wei\u00df, dass bestimmte Aussagen die Menschen polarisieren und wenn ich als Musiker so etwas in die Songs packe, dann verkauft sich das besonders gut. Aber dann sp\u00e4ter zu behaupten, man k\u00f6nne nichts daf\u00fcr, wenn die Leute daraus ein Politikum machen, das ist M\u00fcll.&#8220; Mit der Single &#8222;Denn sie wissen, was sie tun&#8220; nehmen Jupiter Jones genau diese Haltung aufs Korn, auf eine explizite, wenn auch zynische Weise. &#8222;Ich hoffe, das versteht jeder. Ich finde Botschaften, gerade politische, m\u00fcssen in Songs direkt verpackt sein. Aber weil ich das nicht besonders gut kann, konzentriere ich mich meist lieber auf das Zwischenmenschliche.&#8220;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Pers\u00f6nliche Texte<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und so steckt &#8222;Das Gegenteil von allem&#8220; wieder voller pers\u00f6nlicher Botschaften, \u00fcber die Liebe, das Leben und all die Probleme, die man darin so haben kann. Musikalisch bewegen sich Jupiter Jones dabei irgendwo zwischen Rock und Pop, mit der vereinzelten Anleihe aus fr\u00fcheren Punkrocktagen. &#8222;Es gibt zwei Optionen als Band, wie man sein neues Album selber beschreiben kann und beide sind ziemlich abgeramscht. Entweder man behauptet, man gehe zur\u00fcck zu den Wurzeln oder aber man h\u00e4tte die logische Weiterf\u00fchrung des letzten Albums erreichen wollen. Wir entscheiden uns f\u00fcr Nummer Zwei der abgedroschenen Phrasen.&#8220; M\u00fcller ist herrlich selbstironisch, wenn er vom musikalischen Prozess spricht. &#8222;Kein Musiker gibt zu ein mediokres Album gemacht zu haben. Nat\u00fcrlich entwickeln wir uns weiter, aber das hei\u00dft ja nicht, dass wir nicht auch fr\u00fcher mal was falsch gemacht haben. Mit dem neuen Album haben wir das Gute erhalten und die Fehler von fr\u00fcher rausgeschmissen.&#8220;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Stiller Erfolg<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicher nicht rausgeschmissen haben Jupiter Jones ihr Rezept f\u00fcr &#8222;Still&#8220;, mit dem sie \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfolg feiern konnten. &#8222;Wir haben nichts dagegen noch einen solchen Song zu schreiben, aber darauf angelegt haben wir es auch nicht&#8220;, meint Becker und auch M\u00fcller sieht in dem Song den Erfolg: &#8222;Als Kind w\u00e4re &#8218;Still&#8216; sicher das erfolgreichste, mit dem besten Abi und auf dem Weg zum Medizinstudium. Aber das hei\u00dft nat\u00fcrlich nicht, dass es auch das Lieblingskind ist. Das ist vielleicht der kleine schmuddelige Punk mit dem Iro und der frechen Klappe. Aber als Musiker hat man nat\u00fcrlich alle Kinder gleich lieb.&#8220; &#8222;Ha&#8220;, lacht Becker, &#8222;das ist doch glatt gelogen. Aber &#8218;Still&#8216; ist alleine schon deswegen f\u00fcr uns ein Segen gewesen, weil wir jetzt alle Vollzeit als Musiker arbeiten k\u00f6nnen.&#8220; Und nat\u00fcrlich, weil Jupiter Jones deswegen \u00fcberhaupt erst die Position haben, als erfolgreiche Band eine Botschaft verbreiten zu k\u00f6nnen, ob diese nun politisch ist oder nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jupiter Jones \u2013 &#8222;Das Gegenteil von allem&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<h2 style=\"text-align: justify;\">Track by Track<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">4-9-6 Millionen \u2013 Schwungvoller Opener mit positiver Energie und Botschaft, die gute Laune verbreitet. &#8222;Ich bin bereit&#8220; hei\u00dft es nicht umsonst in dem Song.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rennen Stolpern \u2013 Die erste Radiosingle des Albums. Sch\u00f6ne Popnummer mit hymnischen Refrain und nachdenklicheren, leiseren Strophen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Denn sie wissen, was sie tun \u2013 Punkiger Teaser des Albums mit Ferris MC und Jennifer Rostock. Im Song br\u00fcllt Nicholas gegen Konformit\u00e4t und Gleichg\u00fcltigkeit an.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Treppenwitz \u2013 Eing\u00e4ngige Midtempo-Nummer, in der Nicholas mit Leichtigkeit \u00fcber sich selber und seine Botschaft lachen kann. Ideal f\u00fcr sch\u00f6ne Sommerabende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Anderthalb Sommer \u2013 Treibender Rocksong mit intensivem Refrain. Mit der sch\u00f6nsten Textzeile \u00fcberhaupt: &#8222;Die Windm\u00fchlen kotzen Blei&#8220; \u2013 was auch immer damit gemeint ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hunderttausend Typen wach \u2013 Einf\u00fchlsame und wundersch\u00f6ne Ballade, die das Potential hat ein zweites &#8222;Still&#8220; zu werden, ganz sanft und mit akustischen Gitarren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zuckerwasser \u2013 Mit Do-Wop-Chor und weiblicher Unterst\u00fctzung im Refrain liegt auch diese Midtempo-Nummer \u00fcber Jugenderinnerungen nah am Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gl\u00fccklich (Wir m\u00fcssen \u00fcben) \u2013 Die Herkunft der Band aus dem Punk kommt manchmal noch durch, so wie hier. Nach vorne rockende Nummer \u00fcber selbstverschuldete Unzufriedenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Landung \u2013 Einfach davon fliegen und sich um nichts k\u00fcmmern. Eine sch\u00f6ne Rocknummer mit Mitsing-Refrain.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Momentaufnahme 3 (Schr\u00f6dingers Dilemma) \u2013 Der Song dreht noch mal richtig auf, mit schrammelnden Gitarren und einer druckvollen Rhythmussektion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alles, was ich wei\u00df \u2013 Atmosph\u00e4rischer Rocksong mit intensiven Lyrics, der in einem langen, atemlosen Outro endet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich erschienen als CD des Monats im Piranha 10\/2013<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Vorabsingle zum neuen Album br\u00fcllt Nicholas M\u00fcller gegen die Gleichg\u00fcltigkeit der Menschen an, gegen die Haltung nur dann<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3441,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[336,830,829,828,31,60,276,444,52],"class_list":["post-3440","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-deutschrock","tag-ferris-mc","tag-jennifer-rostock","tag-jupiter-jones","tag-musik","tag-pop","tag-punkrock","tag-revolverheld","tag-rock"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3440","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3440"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3440\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3442,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3440\/revisions\/3442"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3440"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3440"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3440"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}