{"id":4784,"date":"2014-06-23T00:04:56","date_gmt":"2014-06-22T23:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=4784"},"modified":"2014-09-23T00:10:05","modified_gmt":"2014-09-22T23:10:05","slug":"manga-boom-auch-im-games-bereich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=4784","title":{"rendered":"\u201eManga-Boom auch im Games-Bereich?\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In der Buchbranche gilt der Bereich japanischer Comics, also Manga, auch im Jahr 2014 noch als Boom-Segment. Eigene Hallen auf den Messen, gr\u00f6\u00dftes Wachstum innerhalb der Branche und seit Jahren stetig steigende Zahlen an Ver\u00f6ffentlichungen. <\/strong><!--more--><strong>Selbst der konservative Buchhandel scheint die japanische Kultur als Trendthema zu begreifen. Und im Bereich Film und TV haben Anime, wie das bewegte Pendant zum Manga hei\u00dft, l\u00e4ngst ein Riesenpublikum erreicht: <em>Dragonball Z<\/em> und <em>Pok\u00e9mon<\/em> sei dank. Ob dieser Trend wohl auch in der Games-Branche Einzug h\u00e4lt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die einfache Antwort: Ja! Mit Franchises wie <em>Dragonball Z<\/em> und <em>Pok\u00e9mon<\/em> konnte auch die Games-Branche in den letzten Jahren Erfolge verzeichnen und einen Wachstumsmarkt erkennen. Warum braucht es dann einen Artikel wie diesen? Weil die einfache Antwort einen zentralen Aspekt der Manga-Kultur ignoriert: Manga ist nicht nur f\u00fcr Kinder da. Anstatt sich, wie die gro\u00dfen Franchises an die unter 14-j\u00e4hrigen zu richten, sprechen etwa die Rollenspiele von Nippon Ichi Software (NIS) durchweg ein eher erwachsenes Publikum an. Und diese finden in Deutschland aktuell noch in einem kleinen Nischenmarkt statt, wie Michael Hermanns, Marketingleiter von Flashpoint bemerkt, die in Deutschland die NIS Spiele vertreiben: &#8222;Wir haben f\u00fcr die Produkte von NIS, je nach St\u00e4rke der Serie, eine Verkaufszahl die irgendwo zwischen vier und sechs Tausend St\u00fcck liegt, mehr als 80% davon sogar im Vollpreis. Wir sehen in diesem Markt eine sehr best\u00e4ndige K\u00e4uferzahl und vor allem einen Trend nach oben, denn die Zahlen insgesamt steigen an.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wichtig ist dabei zu sehen, dass diese K\u00e4uferzahlen nicht ma\u00dfgeblich von der USK-Bewertung abh\u00e4ngen und bei vergleichbaren Reihen eine USK-6 Wertung die selbe Menge abverkauft, wie etwa ein USK-16 Titel. Das treue Nischenpublikum ist dementsprechend nicht minderj\u00e4hrig. &#8222;Wir gehen davon aus, dass die meisten unserer Kunden zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt sind und ein relativ stetiges Einkommen zur Verf\u00fcgung haben&#8220;, so Hermanns. Die meisten NIS-Titel sind klassische japanische Rollenspiele, diese sind aber keineswegs allesamt kindgerecht. So hat zwar die erfolgreichste Serie <em>Disgaea<\/em> wegen der Manga-Zeichnungen und der milden Gewaltdarstellung eine niedrige USK-Bewertung zwischen 6 und 12, doch die komplexe Handlung, der dunkle, zynische Humor und das auf lange Dialoge setzende Spielsystem sind f\u00fcr Kinder meist \u00fcberfordernd. Ganz zu Schweigen von der d\u00fcsteren Handlung um eine H\u00f6llendimension und machthungrige D\u00e4monen. Und auch das in Deutschland meistverkaufte NIS-Produkt <em>Bleach: Soul Resurrecci\u00f3n<\/em> ist trotz der USK-12 Bewertung inhaltlich und spieltechnisch n\u00e4her an <em>Devil May Cry<\/em> als an <em>Dragonball Z<\/em>. Da aber die Gewalt durch den Zeichentrick-Stil abgemildert ist, liegt die USK-Bewertung bei kindlichen 12. Doch die deutsche Wahrnehmung tr\u00fcgt, wie auch Yoko Nishikawa meint. Die Lokalisationsmanagerin der US-Niederlassung NIS America sieht ihre Produkte nicht als kindgerecht: &#8222;In Japan sind Manga und Anime ein Markt f\u00fcr alle Altersklassen, aber die meisten NIS Spiele sind schon eher auf ein erwachsenes und reifes Publikum ausgerichtet. Inhaltlich ist das nicht unbedingt f\u00fcr Kinder gedacht.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiterer Faktor f\u00fcr die Einsortierung in die Nische und somit den nur leichten Anstieg des Marktsegments, trotz generellem kulturellen Interesses an Manga und Japan, d\u00fcrfte in der fehlenden Lokalisierung der Titel liegen. Wer NIS Produkte spielt, der muss bislang zur japanischen Sprachausgabe eine Flut an englischen Texten lesen. Ein Gro\u00dfteil der m\u00f6glichen deutschen K\u00e4ufer ist sprachlich aber nicht sicher genug, um ein mehrere hunderttausend Worte langes Rollenspiel in einer Fremdsprache zu verstehen. Hier liegt entsprechend ein gro\u00dfes, nicht ausgesch\u00f6pftes Potential, denn eine deutsche Untertitelung k\u00f6nnte die Spiele deutlich attraktiver machen. Da aber die Verkaufszahlen aus wirtschaftlicher Sicht keine \u00dcbersetzung rechtfertigen, bleiben J-RPGs wie <em>Disgaea<\/em> wohl auch in Zukunft ein Genre f\u00fcr Liebhaber. &#8222;Die Kosten einer \u00dcbersetzung sind f\u00fcr uns so hoch, dass die Verkaufszahlen eher so bei zwanzigtausend St\u00fcck liegen m\u00fcssten, um die Arbeit zu rechtfertigen. Wir glauben zwar auch, dass eine Steigerung der Verk\u00e4ufe durch die \u00dcbersetzung m\u00f6glich w\u00e4re, aber es m\u00fcsste ein sehr starker Titel sein, um diesen Sprung zu erreichen. Da man die Verkaufszahlen vorher nicht wei\u00df, ist das ein recht hohes Risiko&#8220;, muss Hermanns selbst entt\u00e4uscht zugeben. Das Interesse, die Produkte zu \u00fcbersetzen ist auf beiden Seiten deutlich sp\u00fcrbar, aber auch NIS America sieht hier keinen wirtschaftlichen Nutzen, wie Managing Director Takuro Yamashita im Gespr\u00e4ch mitteilt (siehe Interview auf folgenden Seiten).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dabei ist die Tendenz, wie oben erw\u00e4hnt, positiv f\u00fcr den deutschen Markt. Wo noch vor einigen Jahren der Vertrieb mit den gro\u00dfen Ketten um eine Handelspr\u00e4senz k\u00e4mpfen musste, da sehen MediaMarkt und Co. heute eine Nachfrage ihrer Kunden und sind gerne bereit die NIS Titel gut zu positionieren. &#8222;Als wir vor ein paar Jahren anfingen, NIS Titel zu vertreiben, da haben wir die Spiele haupts\u00e4chlich \u00fcber Online-H\u00e4ndler verkaufen k\u00f6nnen. Die gro\u00dfen Elektronikketten haben wir da nur f\u00fcr ganz gro\u00dfe Lizenzen mit ins Boot bekommen. Nat\u00fcrlich ist Amazon auch heute noch der gr\u00f6\u00dfte Abnehmer, aber auch Media\/Saturn und Gamestop fordern mittlerweile aktiv von uns die Titel an. Wir sind mit der Ware breit und marktkonform aufgestellt und das ist in den Absatzzahlen deutlich zu merken.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Positiv f\u00fcr die Verkaufszahlen ist auch die Konzentration der NIS-Entwickler auf bestimmte Konsolen. Bedingt durch die schwache Position von Microsoft in Japan werden die Spiele fast ausschlie\u00dflich f\u00fcr Sony-Konsolen hergestellt \u2013 diese aber daf\u00fcr relativ fl\u00e4chendeckend bedient. Und so erscheinen gerade auch f\u00fcr die sonst eher gering mit Software best\u00fcckte PlayStation Vita viele der Titel. &#8222;Das ist ein Segen f\u00fcr uns&#8220;, meint Hermanns, &#8222;da die Titel somit bessere Chancen f\u00fcr einen Charteinstieg haben und das Produkt bekannter werden kann. Es gibt f\u00fcr die PS Vita eine deutlich geringere Anzahl an Ver\u00f6ffentlichungen und unsere Verkaufszahlen sind dann in Relation eben gr\u00f6\u00dfer. Eine Chartpr\u00e4senz hilft dann nat\u00fcrlich auch dabei, das Spiel insgesamt \u2013 also auch die PS3 Version \u2013 bekannt zu machen. Hinzu kommt, dass die Spiele auf der Vita gut funktionieren. Es scheint, als bes\u00e4\u00dfen durchaus ein paar NIS-Fans eine PSV.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gerade erschien in Japan mit <em>Natural Doctrine<\/em> nun auch der erste NIS-Titel f\u00fcr die PS4. Das Spiel ist zwar noch f\u00fcr alle Plattformen (also auch PS3 und PSV) erh\u00e4ltlich, doch soll es auch in den USA und in Europa ausloten, wie stark sich die neue Konsolengeneration und J-RPG-Fans verbreitet hat. Christopher King, PR und Marketing Manager von NIS America sieht die Entwicklung als positiv: &#8222;Es braucht keinen wirklichen Testballon. Wir glauben daran, dass NIS Kunden die PS4 angenommen haben. Die Verkaufszahlen zeigen das ja. Und nat\u00fcrlich bedarf es starker Software-Titel, um die Hardware attraktiv zu machen. Mit <em>Natural Doctrine<\/em> liefern wir ab September einen sehr guten Grund f\u00fcr unsere Kunden, sich eine PS4 anzuschaffen. Und in Zukunft werden es sicherlich mehr werden.&#8220; In Japan scheint das Produkt positiv angenommen zu werden. Ob das f\u00fcr deutschen Markt so gilt, bleibt zwar noch abzuwarten. In das diesj\u00e4hrige Gamescom-Line Up von NIS und Flashpoint hat es das Spiel jedenfalls schon mal geschafft. Und dort wird man dann auch sehen k\u00f6nnen, wie gro\u00df das Wachstum f\u00fcr die vermeintliche Nische japanischer Manga-Spiele ist und ob es bald auch im Games-Bereich boomt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich erschienen im IGM 6\/2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Buchbranche gilt der Bereich japanischer Comics, also Manga, auch im Jahr 2014 noch als Boom-Segment. 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