{"id":5376,"date":"2018-08-02T00:00:17","date_gmt":"2018-08-01T23:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=5376"},"modified":"2018-08-04T17:47:30","modified_gmt":"2018-08-04T16:47:30","slug":"welcome-to-hell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=5376","title":{"rendered":"Welcome to Hell!"},"content":{"rendered":"<p>Gerade einmal anderthalb Jahre nach \u201eTogether Till The End\u201c melden sich die Hamburger von Mono Inc. mit einem neuen Album zur\u00fcck \u2013 und mit einer ungew\u00f6hnlichen Inspirationsquelle. Es geht um die Pest, die im 18. Jahrhundert Hamburg heimsuchte&#8230;<\/p>\n<h3>Die Pest an Bord&#8230;<\/h3>\n<p>Konzeptalben sind in der Gothic-Szene nicht ungew\u00f6hnlich, auch historische Szenarien kennt man hier gut. Doch dass ausgerechnet ein Pestausbruch, der 1712 jeden siebten Hamburger dahinraffte das Motiv stellt, das die elf Songs des neuen Albums \u201eWelcome to Hell\u201c thematisch verbindet, das ist schon ungew\u00f6hnlich. Die meisten Menschen denken bei der Pest an eine Plage des Mittelalters, die im aufgekl\u00e4rten 18. Jahrhundert so nicht mehr vorkommen sollte \u2013 doch die Pest w\u00fctete zwischen 1708 und 1714 in ganz Nordeuropa und t\u00f6tete Tausende. Laut Martin Engler, S\u00e4nger und Kopf der Band, stie\u00df er bei der Recherche zum Vorg\u00e4nger auf das Thema \u2013 und war fasziniert: \u201eAlso ging ich auf Suche in Museen, las B\u00fccher und recherchierte im Netz. \u00c4hnlich, wie es ein Roman-Autor macht, habe ich erst einmal viele Teile gesammelt und an die Pinnwand geheftet, um sie dann sp\u00e4ter in eine Form zu gie\u00dfen. Die Geschichte spielt 1712, aber ich habe Interpretationsspielraum gelassen, dass es auch das Jahr 2018 sein k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<h3>Werteverfall &#8211; Heute wie damals<\/h3>\n<p>Das Album erz\u00e4hlt kurze Vignetten aus der Pestzeit, Geschichten von einzelnen Schicksalen, die stellvertretend den Umgang der Menschen mit dieser Extremsituation aufzeigen \u2013 sie spiegeln die Angst vor der Pest, die Hilflosigkeit der Infizierten, den Hass der B\u00fcrger und die Sorge um geliebte Menschen. Der von Engler angesprochene Freiraum auch moderne Interpretationen zu finden bezieht sich hier vor allem auf die Reaktionen der Menschen: \u201eUns besch\u00e4ftigt aktuell vor allem der Werteverfall. Das Miteinander wird weniger, egal wohin man schaut. Dabei w\u00e4re es, so zeigt es sich doch historisch, einzig durch ein Miteinander m\u00f6glich Ver\u00e4nderungen und Verbesserungen zu erreichen. Wenn wir als Gesellschaft eine geschlossene Wand w\u00e4ren, dann k\u00e4me kein Putin, Trump oder Erdogan mit ihren Aktionen durch.\u201c Auf dem Album finden sich kurze Momentaufnahmen solchen Werteverfalls, wie die Geschichte des Vagabunden, der als Au\u00dfenseiter und Fremder von den \u00e4ngstlichen B\u00fcrgern als S\u00fcndenbock erschlagen wird oder dem feuerlegenden Mob, der durch das G\u00e4ngeviertel zieht und dort aus Angst alles niederbrennt.<\/p>\n<h3>Historie als Anstrich der Welt<\/h3>\n<p>Die historische Gewandung und der rote Faden der Pest-Geschichten helfen dabei, kleinere Botschaften \u00fcber das Hier und Jetzt unterzubringen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger herumzulaufen. Engler sieht die Aufgabe von Mono Inc. n\u00e4mlich nicht in der Politisierung: \u201eWir machen das hier nicht, um eine politische Meinung unters Volk zu bringen. Wir wollen unseren Fans eine gute Zeit bescheren, aber wir wollen dabei auch immer ehrlich mit uns sein. Man kann Messages in der Kunst ja im H\u00e4rtegrad justieren. Ich w\u00e4hle in meinen Lyrics gerne den subtilen Weg. Aber weil uns die Dinge besch\u00e4ftigen, finden sie sich dann in unseren Texten wieder. Und aktuell haben wir eben das Gef\u00fchl, dass die Welt einen neuen Anstrich braucht.\u201c<\/p>\n<h3>Kammermusik zur Neuorientierung<\/h3>\n<p>Einen neuen Anstrich bietet das Album dann auch musikalisch, nicht nur dank einer historischen Offenheit. So konnte die Band das 18. Jahrhundert in die Musik einflie\u00dfen lassen: \u201eWir haben ein paar traditionelle Instrumente einsetzen k\u00f6nnen, um die Geschichte zu unterf\u00fcttern. Diese f\u00fcr uns eher un\u00fcblichen Sounds heben das Album von unseren anderen Werken ab.\u201c Hinzu kommt die Entscheidung aus \u201eWelcome\u201c ein Doppelalbum zu machen und auf der zweiten CD, \u201eWelcome to Heaven\u201c, die Songs in einem anderen Arragement ein weiteres Mal aufzunehmen: \u201eDamit erf\u00fclle ich mir einen lange gehegten Traum. Die Aufnahmen sind bei Rotwein und Kerzenschein entstanden; die St\u00fccke sind komplett f\u00fcr eine Kammerbesetzung (Cello, Violine, Viola und Piano) neu arrangiert worden. Das verleiht den Songs eine weitere Dimension \u2013 die Gewichtung von Musik und Lyrik ist naturgem\u00e4\u00df eine v\u00f6llig andere und zeigt eine sehr intime Seite der Lieder.\u201c Ohne die rockenden Gitarren wirken die Songs fragiler und leiser, daf\u00fcr aber auch emotional intensiver. F\u00fcr Engler sind die Wandelbarkeit und die Emotionalit\u00e4t wichtige Bestandteile der Idee von Mono Inc., die er mit \u201eWelcome to Hell\u201c in ein spannendes und k\u00fcnstlerisch gelungenes Konzept gegossen hat.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong> \u201eWelcome to Hell\u201c entf\u00fchrt den Zuh\u00f6rer in eine dunkle Episode der Geschichte, in eine Zeit, die viel n\u00e4her an uns dran ist, als uns lieb sein kann. Musikalisch im d\u00fcsteren Rockgewand gekleidet, ist es ein spannendes Konzept, das den Sound der Band interessant erweitert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich erschienen im START Magazin 08\/18<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade einmal anderthalb Jahre nach \u201eTogether Till The End\u201c melden sich die Hamburger von Mono Inc. mit einem neuen Album<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5377,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[933,4],"tags":[1126,133,229,1143,31,52,1142,80],"class_list":["post-5376","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-musikalisch","category-unkategorisiert","tag-feature","tag-gothic","tag-mittelalter","tag-mono-inc","tag-musik","tag-rock","tag-start","tag-wave"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5376"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5376\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5378,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5376\/revisions\/5378"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5377"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}