{"id":580,"date":"2011-04-01T00:00:26","date_gmt":"2011-03-31T23:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=580"},"modified":"2013-06-02T10:01:08","modified_gmt":"2013-06-02T09:01:08","slug":"von-comics-und-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=580","title":{"rendered":"Von Comics und Freiheit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich ist die Rubrik &#8222;CD des Monats&#8220; f\u00fcr <em>The Unforgiving<\/em> nicht angebracht, denn Within Temptation ver\u00f6ffentlichen weit mehr als nur ein einfaches Musikalbum. Es um das k\u00fcnstlerische Gesamtwerk, um die Vision hinter der Musik.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Normalerweise haben wir auf jedem Album ein oder zwei Songs, die von anderen Werken, wie etwa B\u00fcchern oder Filmen inspiriert sind&#8220;, erkl\u00e4rt Gitarrist Robert Westerholt den bei Within Temptation \u00fcblichen Inspirationsprozess, &#8222;aber f\u00fcr das neue Album war uns das nicht genug. Wir waren auf der Suche nach etwas Neuem, etwas, das die Band weiterbringen w\u00fcrde, aber auch eine Herausforderung darstellte.&#8220; &#8222;Und weil Robert, der kleine Nerd in der Familie ist, haben wir uns in Richtung Comics orientiert. Er liebt diese Dinger,&#8220; sagt S\u00e4ngerin und Lebenspartnerin Sharon den Adel und neckt Westerholt. Die Suche jedenfalls war erfolgreich und so kam die Kooperation zu <em>The Unforgiving<\/em> mit Stephen O&#8217;Connell (<em>Blood Rayn<\/em>) und Romano Molenaar (<em>X-Men<\/em>) zustande, wie Westerholt erkl\u00e4rt: &#8222;Erst hatte Stephen uns ein paar Projekte gezeigt, die noch auf seinem Schreibtisch lagen, aber nichts passte so richtig. Wir wollten kein Album \u00fcber eine Zombie-Invasion machen. Und dann kam er mit der Idee der verlorenen Seelen, die nach dem Tod um Vergebung k\u00e4mpfen. Das passte super.&#8220; Die Band war auf Anhieb begeistert und die Idee der &#8222;Unforgiving&#8220; war geboren. Im Schaffensprozess zwischen Zeichnungen, Musik, Texten und Videomaterial entwickelte sich eine epische Geschichte, so Westerholt: &#8222;Bei Songs entwickelt sich nur ein Moment, keine lange Geschichte, und dank des Konzeptalbums und der Verbindung zu den Comics hatten wir zum ersten Mal Gelegenheit eine richtig lange Story zu entwickeln. Daran beteiligt zu sein war unglaublich spannend. Und es hat unser Songwriting auf die Probe gestellt.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Inhaltlich geht es um gequ\u00e4lte Seelen, denen im Leben nichts geschenkt und die ins Unrecht getrieben wurden. Im Tod werden sie von Mother Maiden, einem Rachegeist, angeworben, um sich von ihrer Schuld zu befreien, in dem sie Unrecht r\u00e4chen. So wie Drogenjunkie Sin\u00e9ad, die ihren Vater get\u00f6tet hat, oder die Triplets, die missbraucht wurden und sich des T\u00e4ters mit Hilfe einer Handgranate entledigt haben. Die Geschichten sind d\u00fcster und gewaltt\u00e4tig, aber auf der inhaltlichen Ebene philosophisch und melancholisch. Die Musik, die Within Temptation dazu entworfen haben ist getragen und noch bombastischer als man es von den Vorg\u00e4ngeralben gewohnt ist. Dank der Erz\u00e4hlung, des verbindenden Konzeptes und der verschiedenen Situationen, zu denen die Songs wie ein Soundtrack passen, ist das Album aber auch variabler, poppiger und experimenteller zu gleich: &#8222;Wir hatten unterschiedliche Momente innerhalb der Geschichte&#8220;, erkl\u00e4rt den Adel, &#8222;an denen die Musik ansetzte. Das gab uns viel Freiraum f\u00fcr die Produktion. Wir konnten Dinge ausprobieren, wie etwa einen Dancebeat im Clubstyle.&#8220; Auch Westerholt lobt eben dieses Moment der Freiheit: &#8222;Statt in unseren Schemata gefangen zu sein, hat es der Bogen der Geschichte m\u00f6glich gemacht, zu entscheiden, wie und wo unsere Songs in die Story eingef\u00fcgt wurden.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die Musik war nicht das einzige Experiment, denn neben der Comics, die das Album rahmen, hat sich Westerholt dazu entschieden, das Videobudget nicht etwa in teure Hochglanzaufnahmen zu stecken, sondern stattdessen k\u00fcnstlerisch eindrucksvolle Schwarz-Wei\u00df-Kurzfilme zu drehen, die zusammen mit dem Album erscheinen und die einfachen Band-Videos erg\u00e4nzen sollen. &#8222;Das MTV die ausspielen wird glauben wir zwar nicht&#8220;, sagt er, &#8222;aber sie zu drehen war uns wichtig. Sie erg\u00e4nzen Comics und Album um eine weitere wichtige Ebene.&#8220; Und sie erkl\u00e4ren in traurigen, dunklen Bildern die Herkunft der &#8222;Unforgiving&#8220;, stellen im multimedialen Narrativ also eine weitere Bedeutung her. Und so ergibt es sich, dass <em>The Unforgiving<\/em>, wie am Anfang postuliert, nicht etwa eine tolle &#8222;CD des Monats&#8220; ist, sonder weit mehr &#8211; ein Gesamtwerk des Monats, wenn man so will.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h3>F\u00fcr eine Handvoll Linien<\/h3>\n<h4>Ein Blick auf das Comic zum Album<\/h4>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Prequel, das schon vor dem Release des Albums erschien, bot einen Ausblick auf die Geschichte um Mother Maidens Rachegeister, die sich nun in sechs Ausgaben des <em>Unforgiving<\/em>-Comics ausbreiten wird. Entwickelt und geschrieben wurde die Story um Vergebung suchende Tote von Steven O&#8217;Connell, einem New Yorker Comicschreiber, der mit der <em>BloodRayne<\/em>-Reihe Mitte der 2000er seine gr\u00f6\u00dften Erfolge feierte. Nach deren Abschluss ver\u00f6ffentlichte O&#8217;Connell dann ein apokalyptisches Horrorszenario namens <em>Dark 48<\/em>, in dem der m\u00e4nnliche Teil der Menschheit von einem Virus befallen wurde und sich in rasende Zombies verwandelt hat. Ein rein weiblicher milit\u00e4rischer Spezialtrupp auf der Suche nach einem Gegenmittel ist demzufolge der Fokus dieser dystopischen Vision. Seine Vorliebe f\u00fcr d\u00fcstere Szenarien und starke Frauen d\u00fcrfte sich auch in <em>The Unforgiving<\/em> zeigen, bei dem er vom Holl\u00e4nder Romano Molenaar unterst\u00fctzt wird, der sich als Zeichner bei Chaos Comics seine Sporen verdient hat, wo er an <em>Lady Death<\/em> mitgearbeitet hat. Seine bekanntesten Arbeiten d\u00fcrften aber Ausgaben der ber\u00fchmten <em>Witchblade<\/em>-Reihe und <em>X-Men Unlimited<\/em> sein, bei denen er als Zeichner gearbeitet hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Within Temptation &#8211; <em>The Unforgiving<\/em> &#8211; Track by Track<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Why not me<\/span> &#8211; Das Intro von Mother Maiden, die kurz in die Geschichte der Unforgiving einf\u00fchrt und ihre Aufgabe erkl\u00e4rt, mit d\u00fcsteren Kl\u00e4ngen unterlegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Shot in the Dark<\/span> &#8211; Der Song zum Triplets-Film, definitiv eine Single-Auskopplung und ein absoluter Hit. Dramatische treibende Streicher, kraftvolle Gitarren &#8211; so kennen wir Within Temptation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">In the Middle of the Night<\/span> &#8211; Es wird noch mal einen Gang hochgeschaltet, das Tempo angezogen und die Hymne angestimmt. Dieser Song d\u00fcrfte dank der im Hintergrund wirbelnden Riffs und des druckvollen Refrains live am gewaltigsten wirken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Faster<\/span> &#8211; Die erste Single und der Song zum Mother Maiden-Film. &#8222;It is burning deep inside, like gasoline or fire running wild&#8220; singt Sharon bevor sich der Song wie ein Gro\u00dfbrand auf der Tanzfl\u00e4che ausbreitet und einen zur Bewegung zwingt. Clubhit!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Fire and Ice<\/span> &#8211; Melancholische Streicher schwellen auf, ein zartes Piano stimmt zur Melodie an bevor Sharon in leisen T\u00f6nen die erste Ballade des Albums pr\u00e4sentiert. Es dauert fast zwei Minuten, dann folgen Drums, Gitarren und der Rest des Orchesters.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Iron<\/span> &#8211; Wie eine Wagnersche Oper donnert der Track los, als wollten Wotan, Odin und Loki ihre Kr\u00e4fte messen: &#8222;You can&#8217;t live without the fire, it is the heat that makes you strong!&#8220; Nur die Bridge von Mother Maiden wirkt etwas zu sehr theatralisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Where is the Edge<\/span> &#8211; Der Song groovt im Mid-Tempobereich und baut \u00fcber vier Minuten die Spannung auf, insbesondere getragen von Sharons erst z\u00f6gerlichem, dann immer kr\u00e4ftiger werdendem Gesang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Sin\u00e9ad<\/span> &#8211; Eine weitere Single und der Song zum gleichnamigen Kurzfilm. Orgelkl\u00e4nge, Sharon mit traurigem Timbre und dann ein Clubbeat bevor die Streicher einsetzen und der Song melodisch mit irischem Touch voranschreitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Lost<\/span> &#8211; Eine s\u00fc\u00dflich Melodie, langsames Tempo und eine orchestrale Begleitung, die die Band diesmal fast in den Schatten stellt. Erst im Refrain dr\u00fccken Gitarren und Drums sich in den Vordergrund, sonst bestimmen Streicher und Ch\u00f6re den Song.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Murder<\/span> &#8211; Hitchcock h\u00e4tte an dem Intro seine wahre Freude gehabt. Dann setzt Sharon mit psychotisch-verzerrter Stimme ein, die Gitarren schleifen \u00fcber tiefe Riffs und ein hysterischer Chor irritiert noch weiter. Ungew\u00f6hnlicher Stil f\u00fcr Within Temptation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">A Demon&#8217;s Fate<\/span> &#8211; 80er Jahre Synthies, dancelastige Rhythmik und schwelende Gitarrenw\u00e4nde im Hintergrund, dann der Bruch und schwere Riffs ziehen den Song nach vorne und erh\u00f6hen das Tempo.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #6a0000;\">Stairway to the Skies<\/span> &#8211; Das Piano bildet den Anfang vom Ende des Albums, dann eine an Neofolk erinnernde Gitarre, der Midtempo-Rhythmus setzt ein und wir schlie\u00dfen mit einem eher typischeren WT-Sound.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Urspr\u00fcnglich erschienen als CD des Monats im Piranha 04\/2011 und bei <span style=\"color: #6a0000;\"><a href=\"http:\/\/piranha.tv\/within-temptation-the-unforgiving-2\/2011\/05\/02\/\" target=\"_blank\"><span style=\"color: #6a0000;\">Piranha.tv<\/span><\/a><\/span>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich ist die Rubrik &#8222;CD des Monats&#8220; f\u00fcr The Unforgiving nicht angebracht, denn Within Temptation ver\u00f6ffentlichen weit mehr als nur<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":36,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[323,638,17,31,24,637],"class_list":["post-580","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-unkategorisiert","tag-gothic-rock","tag-holland","tag-metal","tag-musik","tag-stories","tag-within-temptation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/580","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=580"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/580\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3035,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/580\/revisions\/3035"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/36"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=580"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=580"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=580"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}