{"id":753,"date":"2007-08-01T00:00:33","date_gmt":"2007-07-31T23:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=753"},"modified":"2013-06-02T13:07:30","modified_gmt":"2013-06-02T12:07:30","slug":"eine-konversation-mit-sascha-konietzko-von-kmfdm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=753","title":{"rendered":"Ein Gespr\u00e4ch mit Sascha Konietzko von KMFDM"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gr\u00fcnden der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. Es wurde als Grundlage einiger Artikel genutzt, ist in dieser Form aber sonst unver\u00f6ffenlicht.\u00a0<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><span class=\"Apple-style-span\" style=\"font-style: normal;\"><strong>Wortraub: Wir haben uns mal vor 15 Jahren in Detroit getroffen, daran wirst du dich nicht mehr erinnern, ist ja doch schon etwas her. Aber Ihr macht das ganze ja noch etwas l\u00e4nger? Und auch schon l\u00e4nger in den USA oder?<\/strong><\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> Sascha:<\/strong> Ja, 23 Jahre. Irgendetwas funktioniert anscheinend. 1990 hatten wir eine Einladung als Support von Ministry und sind nach USA und seit dem hier h\u00e4ngengeblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Hast du es je bereut?<br \/>\nSascha:<\/strong> Nein, bereut habe ich es nie, aber mittlerweile wird es mir zu komisch hier. Ich habe den Blick wieder nach Europa gerichtet und werde dahin wohl auch demn\u00e4chst wieder zur\u00fcckziehen. Ein Umzug nach Deutschland ist wohl demn\u00e4chst f\u00e4llig. Es wird mir einfach zu bl\u00f6d hier. Eine Zeit lang war es irre gut und lustig, aber das allgemeinene Klima ist leider total verkommen, die Leute haben nur noch Angst um ihre Sicherheit und sind total unentspannt. Der neue Faschischmus. Die Leute m\u00f6gen sich vielleicht fragen, ob Faschischmus in den USA \u00fcberhaupt passieren kann, dabei leben sie es tagt\u00e4glich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Ein Thema, das du ja auch auf der &#8222;WWIII&#8220; behandelt hast &#8230;<br \/>\nSascha:<\/strong> Ja, das ist einer unserer Leitf\u00e4den. Der Aufstieg des Faschischmus in Amerika. Das ist ja kein neues Thema, sondern hat sich schon lange angebahnt &#8211; seit der Reagan Administration. Immer wenn es irgendwo politisch so richtig zur Sache geht, dann haben wir f\u00fcr KMFDM neue Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr gute und wichtige Lyrics.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Apropos &#8222;WWIII&#8220;. Das neue Album scheint mir wieder ein ganzes St\u00fcck ruhiger und groovender als noch die letzten beiden Scheiben. Bist du wieder entspannter geworden?<br \/>\nSascha:<\/strong> Wahrscheinlich ja. Ich habe mir keine konkreten Gedanken dazu gemacht, wie das Album werden soll. Nach unserer letzten Tour sind wir direkt ins Studio und haben erstmal jeder f\u00fcr sich angefangen Material zusammenzutragen. Wie und warum das jetzt entspannter klingt, wei\u00df ich auch nicht genau. Aber es ist mir auch aufgefallen. Vielleicht sind wir als Band einfach lockerer, wir haben uns ja auch miteinander gefestigt. Wir f\u00fchlen uns jetzt sicherer miteinander, nach der Umbesetzung im Jahre 2002. Das erste Album mit der neuen Besetzung war dann &#8222;WWIII&#8220;, dann die &#8222;Hau Ruck&#8220; und jetzt beim dritten Album ist es halt entspannter und nat\u00fcrlicher geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Inhaltlich bist du auf den letzten Alben st\u00e4rker politisch gewesen, w\u00e4hrend &#8222;Tohuvabohu&#8220; st\u00e4rker im Bereich der Religion wildert?<br \/>\nSascha:<\/strong> Nicht unbedingt. Zum ersten hat Lucia mindestens die H\u00e4lfte der Texte geschrieben. Und sie hat halt ne ganz andere Herangehensweise als ich. Ich schreibe mehr so Uffta-Hauruck-AufdieFresse. Lucia ist da subtiler. Ich bin direkt, Lucia schreibt durch die Blume. Inhaltlich liegt es in einer neugefundenen zentrierten Ruhe. Du kannst es den Leuten nicht mehr wirklich recht machen, jeder macht sowieso was er will, daher braucht man diesen ganzen prophetischen Quatsch nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Gefundene Ruhe? Tohuvabohu hei\u00dft doch das genaue Gegenteil?<br \/>\nSascha:<\/strong> Tohuvabohu hei\u00dft wild und ohne Form. Komischerweise ist es aber eben genau so geworden. Das Album ist nicht geplant gewesen. Wir haben alle etwas zusammengetragen. Die Platte hie\u00df eigentlich anders, aber w\u00e4hrend der Produktion bin ich wieder auf das Wort gesto\u00dfen. Das war das Lieblingswort meiner Mutter, den Zustand meines Kinderzimmers zu beschreiben, als ich noch ein J\u00fcngling war. Das schien irgendwie auf die Stimmung vor der Platte zuzutreffen. Super Chaos hier, lass mal schauen, dass wir das aufr\u00e4umen. Oder vielleicht das Chaos einfach sein zu lassen. Die Diversit\u00e4t der Platte ist sehr stark, da ist nicht aufger\u00e4umt worden. Vielschichtigkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Ja, stimmt. Etwas, dass du auch mit Sprachen betreibst. Spanisch, Englisch, Deutsch, Lateinisch &#8230;warum?<br \/>\nSascha:<\/strong> Einfach weil es mich interessiert, weil es mich besch\u00e4ftigt. Es hat mich halt gereizt. Ich lese viel, besch\u00e4ftige mich mit Dingen und das war ein Anreiz. Die Sprache ist schlie\u00dflich ungesprochen und von daher interessant. Wie soll man das genau machen? Wie belebt man eine tote Sprache?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: In den USA ja schon fast eine Ironie, da man dort ja f\u00fcr Amerikanisch als Weltsprache ist &#8230;<br \/>\nSascha:<\/strong> Da habe ich mir keine Gedanken zu gemacht. Ich wollte eine Coverversion von Los Ninos machen, aber hatte mich lange nicht rangetraut &#8230; der Rest war zuf\u00e4llig. Selbst Lingala, die afrikanische Sprache auf dem Album. Da war keine Absicht hinter, kein Konzept. Das Multisprachliche machen wir ja schon total lange. Indonesich, Franz\u00f6sisch &#8230; wir haben schon alles gemacht. Deutsch hat hier ja auch eine gro\u00dfe Faszination. Wir sind schlie\u00dflich die Krauts, die in Hollywood mit Dauerklischees belegt worden. Und fast jeder Ami hat einen Verwandten oder Bekannten in Deutschland. Und fast jeder w\u00fcrde die Sprache gerne lernen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Dann musst du mir noch mal kurz erkl\u00e4ren, wie es zu &#8222;Superpower`&#8220; kam?<br \/>\nSascha:<\/strong> Die Einbeziehung der Fans ist schon immer ein ganz wichtiger Teil von KMFDM. Wir haben das dann erweitert durch die Fan-Cam-Aktion. Da haben Fans vor dem Konzert eine Videokamera bekommen und uns Footage geliefert f\u00fcr sp\u00e4tere DVD-Mitschnitte. Der n\u00e4chste Schritt war dann die Fans auch auf Platte zu bekommen. Dazu habe ich eine 1-800 Nummer eingerichtet. Darauf eine Nachricht hinterlassen und die Leute gebeten, sich zu \u00fcberlegen, was KMFDM f\u00fcr sie tut. Dabei kamen dann innerhalb von 3-4 Tagen \u00fcber 400 Messages zusammen, die mir dann als MP3 zugeschickt wurden. Die Sachen haben wir durchforstet und in dem St\u00fcck verewigt. Die Fans sind total begeistert und k\u00f6nnen es kaum erwarten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Ja, sch\u00f6ne Idee. Und vielen dank f\u00fcr das Interview. <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gr\u00fcnden der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. 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