{"id":763,"date":"2007-08-01T00:00:21","date_gmt":"2007-07-31T23:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=763"},"modified":"2013-06-02T13:08:38","modified_gmt":"2013-06-02T12:08:38","slug":"ein-gesprach-mit-nils-tinnemeyer-von-maintain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=763","title":{"rendered":"Ein Gespr\u00e4ch mit Nils Tinnemeyer von Maintain"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gr\u00fcnden der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. Es wurde als Grundlage einiger Artikel genutzt, ist in dieser Form aber sonst unver\u00f6ffenlicht.<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Fangen wir mit den Basics an: Wie kam es zur Bandgr\u00fcndung?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> Nils:<\/strong> Die Band gibt es schon l\u00e4nger. Am Anfang waren viele Umstrukturierungen und wer da alles in der Originalbesetzung war, wei\ufb02 ich schon gar nicht mehr. Aber seit es jetzt richtig ernst wurde, gibt es uns seit 2001. Es begann mit ein paar Freunden und der Rest von uns ist dann dazukommen ist. Ich bin \u00fcber den Hardcore an die Jungs gekommen, weil ich Lust hatte mehr zu machen, als in der Band zu spielen, in der ich vorher war. Als die sich dann aufl\u00f6ste, war ich halt Vollzeit bei Maintain.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Wie kam es dann zu dem Sound, den ihr jetzt macht?<br \/>\nNils:<\/strong> Wir waren zuerst nur in der Hardcore-Szene aktiv, waren aber schon immer Metal-lastiger. Es gab in unserem Umfeld viele die Hauf-Drauf Punk-Mucke gespielt haben, aber wir haben immer schon mehr im Metal gewildert. Nicht so klassisch Old-School. Wir haben uns auch technisch immer weiter entwickelt, was im Hardcore ja nur sehr begrenzt m\u00f6glich ist. Wir wollten nicht nur tolle Lyrics schreiben, sondern auch musikalisch vorankommen. Da kommt man dann schon mal dazu die Double-Bass einzusetzen oder ein paar Metal-Riffs zu probieren. Eigentlich ging das schon los, bevor wir uns der Vorbilder des Genres bewusst waren. Wir sind dann aus allen Wolken gefallen, als wir dann das erste Mal Caliban oder Killswitch Engage geh\u00f6rt haben. Aber die sind dann schon zu unseren Vorbildern geworden, auch wenn wir versuchen eigenst\u00e4ndig zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Was hat es mit dem Namen auf sich?<br \/>\nNils:<\/strong> Das war eigentlich schon vor mir, aber ich glaube, der Name ist aus einem Song von Raised Fist. Das war die urspr\u00fcngliche Inspiration. Aber es geht haupts\u00e4chlich um den positiven Aspekt des Namens, das Erhalten. Es war uns wichtig, dass wir konstruktiv sind, keine destruktiven Lyrics haben. Eben aus dem Hardcore stammend, positiv beeinflussend. Da stammt auch unsere Ausrichtung her. Timo und ich sind auch Straight Edge, aber das ist halt eine pers\u00f6nliche Sache. Wir sind bunt gemischt und jeder macht, wovon er \u00fcberzeugt ist. Aber generell ist da noch viel von dem Hardcore drin.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Wie entstand das erste Album?<br \/>\nNils:<\/strong> Wir haben das Album mit dem Lost and Found Records Produzenten gemacht. Der hat bislang haupts\u00e4chlich Hardcore, ganz klassisch aufgenommen und hatte sein Studio in Hannover. Dann sind wir dahin und haben es in Eigenproduktion aufgenommen, also auch selber finanziert &#8211; eben Hardcore DIY-Mentalit\u00e4t. Und da der Produzent noch nie Metal aufgenommen hatte, haben wir ihm eigentlich so mehr oder weniger gesagt, was er machen soll. Das war eine Horizonterweiterung f\u00fcr ihn. Aber daf\u00fcr ist es echt cool geworden, ist schlie\ufb02lich ein Deb\u00fct und wir kannten uns damit ja nun auch nicht aus. Wir waren auf jeden Fall zufrieden. Dann kam halt unser Label &#8222;Swell Creek Records&#8220; auf uns zu und hat uns von dem Minilabel aufgekauft, auf dem wir urspr\u00fcnglich waren. F\u00fcr das neue Album waren dann zwar noch mal auf der Suche nach einem Label, aber &#8222;Swell Creek&#8220; hat wiederum das beste Angebot vorgelegt und wir haben auch das zweite Album dort gemacht. Der Vertrieb l\u00e4uft wieder \u00fcber Soulfood, wir haben aber auch noch einen Verlagsdeal mit Sony abgeschlossen und ein neue Bookingagentur, weil wir uns bei M.A.D. nicht wohlgef\u00fchlt haben, das war uns zu Hardcore-lastig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Und wie war da jetzt so die Umstellung?<br \/>\nNils:<\/strong> Die war schon sehr hart. Also eigentlich kann man ja locker 10 Stunden am Tag f\u00fcr die Band arbeiten und wenn es nur im Internet ist. Werbung, Myspace, Newsletter &#8230; da kann man eine ganze Belegschaft an Leuten engagieren, die nichts anderes zu tun haben, als den eigenen Namen in die Welt zu tragen. Also, das mit dem ersten Album kam genau als ich Abi gemacht habe und da war dann die Tour, dann lernst du zwischendrin, das war schon hart. Und jetzt haben wir mit Niels einen festen Manager, der uns eine Menge Arbeit abnimmt und dadurch ist das alles schon viel entspannter geworden. Aber wir sind dennoch jeden Tag auf Myspace und haben eine tolle Verbindung zu unseren Fans. Wir haben nach Caliban die aktivste deutsche Metal-Seite bei Myspace. Mehr Friends gibt es da nirgends. Die beste Plattform, die wir haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Ihr seid unheimlich viel auf Tour gewesen. Was war da die beste Erfahrung?<br \/>\nNils:<\/strong> Also die Caliban Europatour war schon sehr gro\ufb02 und ein echter Erfolg. Au\ufb02er hier in HH, da war der Techniker noch nicht da, das war total schlechter Sound und wir sind erst zwanzig Minuten vor Konzertbeginn hier angekommen, weil wir im Stau gesteckt haben. Dann mussten wir zum Soundcheck, und sofort danach auf die B\u00fchne. Die schlechteste Show der ganzen Tour. Das Highlight war aber auf jeden Fall Belgien, die haben total das Potential. Insgesamt war die Tour eine tolle Erfahrung. Oder aber die Days of Chaos, die Persistence Tour &#8230; super Reaktionen auf den Festivals, die Leute sind wiedergekommen und das obwohl wir ja auf den Festivals nur am Tage auf der Newcomerb\u00fchne waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Wie war es dann das zweite Album aufzunehmen?<br \/>\nNils:<\/strong> Das war ziemlich hart, weil wir noch einen Monat vor Beginn der Aufnahmen den Drummer gewechselt haben und jetzt einen echten Metal-Monster-Drummer haben, der Mann ist ein echtes Geschoss. Selbst der Produzent hat von ihm geschw\u00e4rmt. Innerhalb von einem Monat hat er das Set f\u00fcrs Pressure Festival gelernt, das komplette Album gelernt und noch seinen Abschluss gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: War dann mehr Druck da, beim zweiten Album?<br \/>\nNils:<\/strong> Ja, eindeutig, deswegen hei\ufb02t das Album auch &#8222;With A Vengeance&#8220;, so in der Art jetzt erst recht, mit aller Macht. Mit diesem Album steht und f\u00e4llt die Band, wenn das nichts wird &#8230; wir haben uns da sehr viel Druck gemacht. Wir haben uns enorm weiterentwickelt, weil wir halt aus der Hardcore Szene kamen und dort mit Technik eigentlich nicht so viel passiert. Da haben wir sehr viel verbessert, was man auf dem Album dann auch h\u00f6rt. Wir haben gesagt, wenn dieses Album nicht einschl\u00e4gt, dann k\u00f6nnen wir unseren Job an den Nagel h\u00e4ngen. Das mag zwar melodramatisch klingen, aber wir stehen nat\u00fcrlich voll hinter dem Album. Das Deb\u00fct ist halt immer ein Lernprozess und bei diesem Album hatten wir einen ber\u00fchmten Produzenten, der uns bei einigen Sachen dann noch mal gesagt hat: &#8222;Jungs, das ist schei\ufb02e, macht das noch mal.&#8220; Das ist ein Realit\u00e4tscheck. Je mehr man dort lernt, desto mehr wei\ufb02 man, dass man nichts wei\ufb02. Danach schaut man sich auf einmal so alte G\u00f6tter wie Eddie Van Halen an, was man fr\u00fcher sich nie angeschaut h\u00e4tte. Und dann realisiert man auf einmal, was solche Menschen k\u00f6nnen. Oder man rafft, was es bedeutet auf der B\u00fchne zu stehen, die Gitarre umher zu schwingen und trotzdem ordentlich zu spielen. Das merkt man nicht, wenn man nicht auf diesem Niveau spielen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Wo siehst du die Unterschiede zum Vorg\u00e4nger?<br \/>\nNils:<\/strong> Eigentlich ist alles anders. Schon alleine, dass wir jetzt einen richtig guten Schlagzeuger haben, gibt dem ganzen Album viel mehr Druck. Wir haben mal gesagt, mit diesem Album ist alles viel facettenreicher: es ist schneller und langsamer, h\u00e4rter und weicher. Es geht in alle Richtungen mehr als der Vorg\u00e4nger. Diesmal haben wir unsere Ziele weiter gesteckt und sie auch erreicht. Auf unserem Deb\u00fct sind Songs aus einer Schaffensphase von anderthalb Jahren, w\u00e4hrend die Songs von &#8222;With A Vengeance&#8220; alle innerhalb unter Druck innerhalb einiger Monate entstanden sind. Die sind mehr aus einem Guss. Von den Lyrics her sind wir noch klarer im Hardcore anzusiedeln, w\u00e4hrend sich die Musik noch deutlicher in Richtung Metal orientiert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Und wieso dieses Spannungsfeld? Wieso sind die Lyrics so klar im Hardcore?<br \/>\nNils:<\/strong> Wir k\u00f6nnten nie unsere Songs &#8222;Drink the blood of unborn children&#8220; nennen, das geht nicht. Musik ist ein Sprachrohr und man kann damit so viel vermitteln und aussagen, da kann ich nicht irgendeinen Schei\ufb02 labern. Viele unserer Fans sind auch zu uns gekommen, weil ihnen die Lyrics etwas geben. Die singen auf Konzerten mit und das wollen wir nat\u00fcrlich beibehalten. Und da wir zum Beispiel Vegetarier sind, haben wir zum Beispiel Tierrechtssongs, Texte \u00fcber die Umwelt, die Szene an sich, Kindesmisshandlung. Es gibt so viele Themen zu denen man etwas sagen sollte, und so viele Leute, die einem zuh\u00f6ren, diese Chance sollte man nicht verschwenden. Es gibt aber keinen roten Faden, es ist kein Konzeptalbum. Alleine schon weil wir zu zweit die Texte schreiben. Das Album spiegelt die Bandbreite unserer Priorit\u00e4ten wieder.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Warum macht ihr Musik?<br \/>\nNils:<\/strong> Einerseits der Aspekt der Aussage, andererseits aber auch musikalisch etwas gutes zu fabrizieren. Es gibt zwar auch interessante Texte im Punk, aber das ist musikalisch lange nicht so interessant. Das w\u00e4re mir dann zu wenig. Beides ist halt wichtig. Musikalisch und lyrisch ein Ausleben zu erreichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Wo liegen eure Urspr\u00fcnge?<br \/>\nNils:<\/strong> Wir sind keine typische Metalcore-Band, weil unser Hintergrund eben kein Metal ist, sondern Hardcore. Wir haben statt mit Biohazard angefangen und sind immer mehr in den Hardcore abgerutscht. Das ging uns allen in der Band so. Earth Crisis, Snapcase und so. Ich habe zum Beispiel nie Slayer geh\u00f6rt &#8230; Metal ist erst durch die Technik dazu gekommen, der Ursprung liegt im Hardcore. Ich war Skater, bin st\u00e4ndig mit Leuten zusammen gewesen die Hardcore geh\u00f6rt haben, im JuZ waren dann Konzerte in dieser Richtung und als ich dann die St\u00e4nde der Tierrechtsorganisationen gesehen habe, habe ich begriffe, dass da auch was hintersteckt. Das hat mich beeinflusst und damit bin ich gro\ufb02 geworden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wortraub: Nun, dann danke ich f\u00fcr das Interview.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gr\u00fcnden der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. 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