{"id":806,"date":"2006-01-01T00:00:34","date_gmt":"2005-12-31T23:00:34","guid":{"rendered":"http:\/\/wortraub.com\/?p=806"},"modified":"2013-06-01T17:53:12","modified_gmt":"2013-06-01T16:53:12","slug":"gewalt-in-videospielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wortraub.com\/?p=806","title":{"rendered":"Gewalt in Videospielen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Gewalt in Computerspielen ist ein Dauerbrenner in der Diskussion um Altersfreigaben und den Einfluss auf die leicht zu beeindruckende Psyche der jungen Spieler. Doch ein genauer Blick auf die Umsetzung von Gewalt in Computerspielen offenbart subtile Unterschiede.<!--more--><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gewalt ist in unserer Gesellschaft ein weit verbreitetes Ph\u00e4nomen, ob im realen Leben oder in der Darstellung in den Medien. Schon der Blick in die Kinderzimmer von heute verr\u00e4t, dass die Faszination von Gewalt von den \u00e4lteren Generationen an die j\u00fcngeren weitergegeben wird. Das Konzept ist nicht neu, schon unsere Eltern haben mit Platzpatronen und Colts gespielt. Doch in der Gesellschaft hat sich Gewaltbereitschaft zu einem ernsten Problem entwickelt, ohne dass es eindeutige Erkl\u00e4rungen geben w\u00fcrde. Dabei wird in den intellektuellen Zirkeln der Nation gerne der schwarze Peter der Schuld an die jeweils neuesten Medien verteilt und kr\u00e4ftig mit dem belehrenden Finger gewedelt. Seit einigen Jahren hei\u00dft das Ziel dieser Finger Videospiele.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich soll hier keineswegs etwas sch\u00f6ngeredet werden, wenn doch ein Blick in die aktuellen Spielecharts schon das Verh\u00e4ltnis von gewaltfreien zu gewalt\u00e4tigen Spielen verdeutlicht. In den Top Ten der PC-Spiele findet sich lediglich ein Spiel (<em>Die Sims 2<\/em> in zwei Versionen), das keine Gewalt beinhaltet. In den Konsolen-Charts werden die Ego-Shooter und Action-Adventure nur durch das vereinzelte Sportspiel erg\u00e4nzt, so dass die aktuellen Xbox-Charts aus 9 Titeln mit Gewalt und nur einem ohne (<em>MotoGP 3<\/em>) bestehen. Die Warnungen der Sittenw\u00e4chter sind also nicht unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allerdings gilt f\u00fcr Spiele dasselbe, was auch f\u00fcr Filme gilt. Gewalt ist nicht gleich Gewalt. Oder sind die Raufereien von <em>Dick &amp; Doof<\/em> mit den Pr\u00fcgeleien in <em>Fight Club<\/em> gleich zu setzen? Sind <em>Itchy &amp; Scratchy<\/em> Gewaltakte ebenso sch\u00e4dlich, wie die aus <em>American Psycho<\/em>? Wohl kaum. Gewalt wird in den Medien in einer bunten Palette angeboten und von den Zuschauern unterschiedlich rezipiert. Bei Spielen l\u00e4sst sich dabei eine \u00e4hnlich Bandbreite von Darstellungsformen beobachten, wie dies auch bei anderen audio-visuellen Medien der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So kann Gewalt im Spiel in unterschiedlichen Graden als realistisch dargestellt werden. Es ist dabei nicht ausschlie\u00dflich die Hintergundstory f\u00fcr eine Wahrnehmung der Gewalt als realistisch entscheidend, sondern eine Vielzahl von Faktoren. Ein Spiel wie<em> Bet on Soldier<\/em> findet in einer ebenso fiktiven Welt statt wie <em>Total Overdose<\/em>, doch die Methodik der Gewalt hat eine andere affektive Wirkung auf den Spieler. Empfindliche Spieler beklagen an Ego-Shootern die starken k\u00f6rperlichen Reaktionen durch die Wahl der Perspektive. Sinn der Ego-Perspektive ist es, eine deutlich immersive Haltung im Spieler hervorzurufen und den Bruch mit der virtuellen Welt m\u00f6glichst gering zu halten. Dabei ist in Bezug auf meine k\u00f6rperliche Reaktion irrelevant, ob ich auf Aliens schie\u00dfe oder auf Soldaten. In der sogenannten Third-Person-Perspektive ist der Bruch mit der fiktiven Welt deutlicher herausgestellt. Eine Identifikation mit der Spielfigur f\u00e4llt schwerer und die Gewalt wird passiv wahrgenommen. So kann denn ein Spieler seine Spielfigur mit einer Schaufel Leuten den Kopf einschlagen lassen und dennoch das Geschehen distanziert betrachten. Bei einem Ego-Shooter w\u00e4re den meisten Spielern unwohler dabei zu mute, weswegen Ego-Shooter oftmals auf Fernwaffen zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch die realistische Wahrnehmung von Gewalt kann auch durch die grafische Umsetzung des Spiels ver\u00e4ndert werden. So versuchen Ego-Shooter eine fotorealistische Welt zu erzeugen, mit eingescannten Gesichtern und detaillgetreuen Auswirkungen auf den K\u00f6rper. Auch hier ist die Fiktionalit\u00e4t der Spielwelt kein Garant f\u00fcr mangelnden Realismus. <em>Bet on Soldier<\/em> spielt in einer Sci-Fi Welt, pr\u00e4sentiert sich aber dennoch grafisch einwandfrei als realistisch-m\u00f6glich. Graduell gesehen ist ein Spiel wie <em>Call of Duty 2<\/em> dank historischem Hintergrund und existierender Vorlagen sicherlich realer als <em>Bet on Soldier<\/em>, doch dessen Welt ist ebenso m\u00f6glich. Ganz anders sieht es mit der Welt von <em>Total Overdose<\/em> aus. Das Spiel ist durch Klischees, Witz und (Selbst-)Ironie stark als satirisch gekennzeichnet. Wer hier die Gewalt als real wahrnimmt, der wird auch <em>Die Simpsons<\/em> f\u00fcr real halten k\u00f6nnen. Hinzu kommt die Metafiktionalit\u00e4t: das Spiel nimmt immer wieder Bezug auf sich selbst und andere Medien. Zitate und Anspielungen, ebenso wie das konsequente \u00dcberzeichnen der Gewalt lassen nicht zu, dass der Spieler die Welt als realistisch-m\u00f6glich konstruiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztlich ist diese Form der Disassotiation bei Comic-artigen Spielen noch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt. Denn auch bei (Kinder-)Titeln wie <em>Lego Star Wars<\/em> oder <em>Worms<\/em> wird Gewalt ausge\u00fcbt, jedoch von Lego-Figuren oder kleinen Comic-W\u00fcrmern. Niemand sieht hier von der Gewalt eine Gefahr ausgehen, so wie auch Roadrunner und Coyote sich st\u00e4ndig brutale Dinge antun konnten, ohne einen Aufschrei des Protestes auszul\u00f6sen. Es bleibt also festzustellen, dass es viele Formen der Darstellung von Gewalt im Computerspiel gibt, diese sich aber keineswegs zur Verallgemeinerung anbieten. Nicht jede Form von Gewalt wird beim Spieler auch als realistisch empfunden und hat Einfluss auf dessen affektives Verhalten. Zu w\u00fcnschen w\u00e4re sicherlich, dass die Wirkung von Gewalt detaillierter untersucht wird, aber auch, dass eine dogmatische Verteufelung des Computerspieles aufh\u00f6rt und durch einen fundierten Dialog ersetzt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Artikel ist anderweitig unver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewalt in Computerspielen ist ein Dauerbrenner in der Diskussion um Altersfreigaben und den Einfluss auf die leicht zu beeindruckende Psyche<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":807,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_vp_format_video_url":"","_vp_image_focal_point":[],"footnotes":""},"categories":[114],"tags":[1015,257,258,109],"class_list":["post-806","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumnen","tag-gametipps","tag-kolumne","tag-meinung","tag-videospiele"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=806"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2760,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/806\/revisions\/2760"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/807"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=806"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=806"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wortraub.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=806"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}