CD-Tipp: illScarlett – All Day With It

Wenn man an das kanadische Ontario denkt, dann sind die ersten Assiozationen bestimmt nicht Reggae, Strände und Sommersonne. Viel mehr denkt man an die kalten Winter, den Schnee und die Berglandschaft der Algonquin-Mountains im Norden. Kanada ist halt nicht Jamaika. „Ja, das stimmt man, im Winter haben wir hier viel Schnee,“ kommentiert Alex Norman die allgemeinen Klischees, „aber gerade das war für uns ja ein Grund solche Musik zu machen.“ Alex ist Sänger der Band illScarlett, deren Mitglieder mit ihrem sommerlich-freundlichem Stilmix aus Reggaerhythmen, Rockgitarren, Dub-beats, schwingendem Ska und Funpunk-Attitüde gerade zu kanadischen Superstars werden. Der Mix ist zwar nicht vollkommen neu, aber gerade in Kanada nicht unbedingt fest verankert. Bislang hatte man den Soundmix in unterschiedlicher Ausprägung eher aus kalifornischen Breiten zu hören bekommen. Ein Einfluss, den auch Alex nicht verleugnen kann: „Ja, Bands wie Sublime oder No Doubt sind schon Sachen, die wir gerne hören.“

illScarlett ist dabei aber zumindest die Herkunft aus dem kalten Nordland zuzusprechen, die sie in den USA und in dieser Richtung zu etwas Besonderem macht. „Ska und Reggae sind hier nicht besonders verbreitet, stimmt.“ Woher stammt aber nun im Land des Schnees dieses Feeling für die Sonne und Karibik? Alex lacht und meint, die verschneiten Winter seien halt nicht so richtig sein Ding. Wie sollten sie auch, so hatten illScarlett doch schon diverse Male enge Kontaktaufnahme mit dem kalten Element: „Ja, wir mussten einmal sogar eine kleine Tour absagen, weil der Truck mit unseren Instrumenten in einer Schneeverwehung von der Straße abgekommen ist und dann eingeschneit wurde. Manchmal ist dieses Land halt anstrengend.“ Kein Wunder also, dass illScarlett mit ihrem Stilmix lieber in südlichere Gefilde gelangen. Auf Jamaika gibt es keinen Schnee. Aber in Kanada gab es ja auch keinen guten Reggae, das heißt bis jetzt.

Ursprünglich erschienen in Consoul 02/2008