Eine Independent-Lovestory

Am 04.02. findet im Centraltheater ein Buback-Label-Abend statt, bei dem neben den Goldenen Zitronen auch der Hamburger Schule-Held Kristof Schreuf, die Avantgarde-Band F.S.K. und die jungen Musiker von 1000 Robota zu hören sein werden. Ein solcher Abend ist für den Kreuzer Anlass genug, sich mal hinter die Kulissen des Hamburger Labels zu wagen und ein ernstes Gespräch mit Geschäftsführer Thorsten Seif zu führen. 

Geboren aus dem Punk der 80er Jahre wurde das Label 1987 von Goldene Zitronen-Mucker Ale Dumbsky am Hamburger Hafen gegründet, doch schon recht bald war klar, dass Buback Tonträger kein Genre-Label sein sollte und so erweiterte man das Punk-Repertoire erst um Jazz, dann um Indierock und später um HipHop und elektronische Avantgarde. Dies sei aber kein Manko, sondern gerade der Reiz des Labels, so Seif: „Wir sehen die Musik als ein Sprachrohr und die Bands auf dem Label vertreten das. Gerade wenn es um Inhalte geht, die in Texten transportiert werden, dann ist die Form der Musik egal. Es geht darum, spannende Musik aufzutun, die auch über Plattitüden hinaus etwas zu sagen hat, dieser Musik eine Plattform zu geben. Und als wir anfingen, da war das Punk, aber in den 90er Jahren waren die Leute, die Musik als Sprachrohr nutzten eben nicht mehr Punk, sondern Rap. Das Label rutscht da durch alle musikalischen Entwicklungen.“

Doch Buback rutscht nicht etwa den Trends hinterher sondern hat diese für lange Zeit mitbestimmt, wenn nicht gar angestoßen. Die Hamburger Schule ist ein solches Phänomen und eben der deutsche Rap, der Abseits von Spaß und Spiel durchaus auf sozio-politische Botschaften Wert legt. Seif sieht hier den roten Faden im Label-Konzept: „Es geht den meisten unserer Künstler nicht nur darum professionell Musik zu machen, sondern im Popbereich eben auch den Text als Beitrag zu einem politischen Geschehen zu nutzen. Unsere Künstler wollen Meinungsmacher sein, und sich am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen. Und eben nicht nur in Form von Plattitüden, sondern vielleicht mit mehr Augenmerk auf Lyrik, auf die unterschiedlichen Ebenen der Aussage.“ Hierin liegt auch der Unterschied zum Major-Label begründet, bei denen der kommerzielle Nutzen vor die Aussage geschoben wird, während Buback – als Indielabel – sich eben auch die Freiheit nimmt, ohne Gewinn zu produzieren, wenn es die Ideologie unterstützt. So beispielsweise beim nostalgischen Hang zum Vinyl, wie Seif lachend zugibt: „Im Vergleich zur CD hat sich das Vinyl auf einem Verkaufsniveau eingepegelt und verliert nicht ständig an Boden. Es trägt sich, zwar ohne Gewinn aber eben auch ohne Verlust. Und da die Künstler explizit den Wunsch nach Vinyl äußern, da sie wie wir auch Fans sind, wenn man so will, veröffentlichen wir halt die Scheiben. Es ist ein würdevolles Instrument für unsere Veröffentlichungen, das sich gut anfühlt und das wir lieben und es uns eben keinen Verlust einbringt.“

Liebe und Leidenschaft für das, was man tut. Diese Philosophie prägt die Arbeit im kleinen Büro des Labels auf dem Hamburger Kiez, tief verankert in einem Milieu, das Buback ebenso prägt, wie es seine musikalischen Wurzeln tun. „Hamburg war damals Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre eine diskursive Stadt, hier wurde ganz romantisch am Stresen gestanden und über Politik, das Leben und die Musik geredet. Das hat uns beeindruckt, da findet sich unsere Tradition. Hier wurde sich selbst in Frage gestellt, und die Antworten darauf in der Musik ausgelebt. Dazu kam, dass die Stadt Räume hatte, in denen das ging. Leider ist das heute nicht mehr so, da bietet Berlin kreativ gesehen viel mehr. Was aber immer noch gilt, ist dass die Stadt und ihre Kreativen diskutieren und mitgestalten. Nur ist das eben in den letzten Jahren sehr viel realpolitischer geworden, weil die Künstler jetzt sehr viel direkter hier in der Stadt von der Entwicklung betroffen sind. Das ist immer noch ganz besonders an Hamburg.“ Welche musikalische Repräsentation dieser Diskurs, diese Realpolitik heutzutage findet, das kann auf den Buback-Label-Abenden jeder selber herausfinden – und hinterher auf der Aftershow-Party mit den Machern ausdiskutieren. Wir bitten darum!

Ursprünglich veröffentlicht in Kreuzer 02/2011