Ein Gespräch mit Nils Tinnemeyer von Maintain

Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gründen der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. Es wurde als Grundlage einiger Artikel genutzt, ist in dieser Form aber sonst unveröffenlicht.

Wortraub: Fangen wir mit den Basics an: Wie kam es zur Bandgründung?

Nils: Die Band gibt es schon länger. Am Anfang waren viele Umstrukturierungen und wer da alles in der Originalbesetzung war, weifl ich schon gar nicht mehr. Aber seit es jetzt richtig ernst wurde, gibt es uns seit 2001. Es begann mit ein paar Freunden und der Rest von uns ist dann dazukommen ist. Ich bin über den Hardcore an die Jungs gekommen, weil ich Lust hatte mehr zu machen, als in der Band zu spielen, in der ich vorher war. Als die sich dann auflöste, war ich halt Vollzeit bei Maintain.

Wortraub: Wie kam es dann zu dem Sound, den ihr jetzt macht?
Nils:
Wir waren zuerst nur in der Hardcore-Szene aktiv, waren aber schon immer Metal-lastiger. Es gab in unserem Umfeld viele die Hauf-Drauf Punk-Mucke gespielt haben, aber wir haben immer schon mehr im Metal gewildert. Nicht so klassisch Old-School. Wir haben uns auch technisch immer weiter entwickelt, was im Hardcore ja nur sehr begrenzt möglich ist. Wir wollten nicht nur tolle Lyrics schreiben, sondern auch musikalisch vorankommen. Da kommt man dann schon mal dazu die Double-Bass einzusetzen oder ein paar Metal-Riffs zu probieren. Eigentlich ging das schon los, bevor wir uns der Vorbilder des Genres bewusst waren. Wir sind dann aus allen Wolken gefallen, als wir dann das erste Mal Caliban oder Killswitch Engage gehört haben. Aber die sind dann schon zu unseren Vorbildern geworden, auch wenn wir versuchen eigenständig zu sein.

Wortraub: Was hat es mit dem Namen auf sich?
Nils:
Das war eigentlich schon vor mir, aber ich glaube, der Name ist aus einem Song von Raised Fist. Das war die ursprüngliche Inspiration. Aber es geht hauptsächlich um den positiven Aspekt des Namens, das Erhalten. Es war uns wichtig, dass wir konstruktiv sind, keine destruktiven Lyrics haben. Eben aus dem Hardcore stammend, positiv beeinflussend. Da stammt auch unsere Ausrichtung her. Timo und ich sind auch Straight Edge, aber das ist halt eine persönliche Sache. Wir sind bunt gemischt und jeder macht, wovon er überzeugt ist. Aber generell ist da noch viel von dem Hardcore drin.

Wortraub: Wie entstand das erste Album?
Nils:
Wir haben das Album mit dem Lost and Found Records Produzenten gemacht. Der hat bislang hauptsächlich Hardcore, ganz klassisch aufgenommen und hatte sein Studio in Hannover. Dann sind wir dahin und haben es in Eigenproduktion aufgenommen, also auch selber finanziert – eben Hardcore DIY-Mentalität. Und da der Produzent noch nie Metal aufgenommen hatte, haben wir ihm eigentlich so mehr oder weniger gesagt, was er machen soll. Das war eine Horizonterweiterung für ihn. Aber dafür ist es echt cool geworden, ist schliefllich ein Debüt und wir kannten uns damit ja nun auch nicht aus. Wir waren auf jeden Fall zufrieden. Dann kam halt unser Label „Swell Creek Records“ auf uns zu und hat uns von dem Minilabel aufgekauft, auf dem wir ursprünglich waren. Für das neue Album waren dann zwar noch mal auf der Suche nach einem Label, aber „Swell Creek“ hat wiederum das beste Angebot vorgelegt und wir haben auch das zweite Album dort gemacht. Der Vertrieb läuft wieder über Soulfood, wir haben aber auch noch einen Verlagsdeal mit Sony abgeschlossen und ein neue Bookingagentur, weil wir uns bei M.A.D. nicht wohlgefühlt haben, das war uns zu Hardcore-lastig.

Wortraub: Und wie war da jetzt so die Umstellung?
Nils:
Die war schon sehr hart. Also eigentlich kann man ja locker 10 Stunden am Tag für die Band arbeiten und wenn es nur im Internet ist. Werbung, Myspace, Newsletter … da kann man eine ganze Belegschaft an Leuten engagieren, die nichts anderes zu tun haben, als den eigenen Namen in die Welt zu tragen. Also, das mit dem ersten Album kam genau als ich Abi gemacht habe und da war dann die Tour, dann lernst du zwischendrin, das war schon hart. Und jetzt haben wir mit Niels einen festen Manager, der uns eine Menge Arbeit abnimmt und dadurch ist das alles schon viel entspannter geworden. Aber wir sind dennoch jeden Tag auf Myspace und haben eine tolle Verbindung zu unseren Fans. Wir haben nach Caliban die aktivste deutsche Metal-Seite bei Myspace. Mehr Friends gibt es da nirgends. Die beste Plattform, die wir haben können.

Wortraub: Ihr seid unheimlich viel auf Tour gewesen. Was war da die beste Erfahrung?
Nils:
Also die Caliban Europatour war schon sehr grofl und ein echter Erfolg. Aufler hier in HH, da war der Techniker noch nicht da, das war total schlechter Sound und wir sind erst zwanzig Minuten vor Konzertbeginn hier angekommen, weil wir im Stau gesteckt haben. Dann mussten wir zum Soundcheck, und sofort danach auf die Bühne. Die schlechteste Show der ganzen Tour. Das Highlight war aber auf jeden Fall Belgien, die haben total das Potential. Insgesamt war die Tour eine tolle Erfahrung. Oder aber die Days of Chaos, die Persistence Tour … super Reaktionen auf den Festivals, die Leute sind wiedergekommen und das obwohl wir ja auf den Festivals nur am Tage auf der Newcomerbühne waren.

Wortraub: Wie war es dann das zweite Album aufzunehmen?
Nils:
Das war ziemlich hart, weil wir noch einen Monat vor Beginn der Aufnahmen den Drummer gewechselt haben und jetzt einen echten Metal-Monster-Drummer haben, der Mann ist ein echtes Geschoss. Selbst der Produzent hat von ihm geschwärmt. Innerhalb von einem Monat hat er das Set fürs Pressure Festival gelernt, das komplette Album gelernt und noch seinen Abschluss gemacht.

Wortraub: War dann mehr Druck da, beim zweiten Album?
Nils:
Ja, eindeutig, deswegen heiflt das Album auch „With A Vengeance“, so in der Art jetzt erst recht, mit aller Macht. Mit diesem Album steht und fällt die Band, wenn das nichts wird … wir haben uns da sehr viel Druck gemacht. Wir haben uns enorm weiterentwickelt, weil wir halt aus der Hardcore Szene kamen und dort mit Technik eigentlich nicht so viel passiert. Da haben wir sehr viel verbessert, was man auf dem Album dann auch hört. Wir haben gesagt, wenn dieses Album nicht einschlägt, dann können wir unseren Job an den Nagel hängen. Das mag zwar melodramatisch klingen, aber wir stehen natürlich voll hinter dem Album. Das Debüt ist halt immer ein Lernprozess und bei diesem Album hatten wir einen berühmten Produzenten, der uns bei einigen Sachen dann noch mal gesagt hat: „Jungs, das ist scheifle, macht das noch mal.“ Das ist ein Realitätscheck. Je mehr man dort lernt, desto mehr weifl man, dass man nichts weifl. Danach schaut man sich auf einmal so alte Götter wie Eddie Van Halen an, was man früher sich nie angeschaut hätte. Und dann realisiert man auf einmal, was solche Menschen können. Oder man rafft, was es bedeutet auf der Bühne zu stehen, die Gitarre umher zu schwingen und trotzdem ordentlich zu spielen. Das merkt man nicht, wenn man nicht auf diesem Niveau spielen kann.

Wortraub: Wo siehst du die Unterschiede zum Vorgänger?
Nils:
Eigentlich ist alles anders. Schon alleine, dass wir jetzt einen richtig guten Schlagzeuger haben, gibt dem ganzen Album viel mehr Druck. Wir haben mal gesagt, mit diesem Album ist alles viel facettenreicher: es ist schneller und langsamer, härter und weicher. Es geht in alle Richtungen mehr als der Vorgänger. Diesmal haben wir unsere Ziele weiter gesteckt und sie auch erreicht. Auf unserem Debüt sind Songs aus einer Schaffensphase von anderthalb Jahren, während die Songs von „With A Vengeance“ alle innerhalb unter Druck innerhalb einiger Monate entstanden sind. Die sind mehr aus einem Guss. Von den Lyrics her sind wir noch klarer im Hardcore anzusiedeln, während sich die Musik noch deutlicher in Richtung Metal orientiert hat.

Wortraub: Und wieso dieses Spannungsfeld? Wieso sind die Lyrics so klar im Hardcore?
Nils:
Wir könnten nie unsere Songs „Drink the blood of unborn children“ nennen, das geht nicht. Musik ist ein Sprachrohr und man kann damit so viel vermitteln und aussagen, da kann ich nicht irgendeinen Scheifl labern. Viele unserer Fans sind auch zu uns gekommen, weil ihnen die Lyrics etwas geben. Die singen auf Konzerten mit und das wollen wir natürlich beibehalten. Und da wir zum Beispiel Vegetarier sind, haben wir zum Beispiel Tierrechtssongs, Texte über die Umwelt, die Szene an sich, Kindesmisshandlung. Es gibt so viele Themen zu denen man etwas sagen sollte, und so viele Leute, die einem zuhören, diese Chance sollte man nicht verschwenden. Es gibt aber keinen roten Faden, es ist kein Konzeptalbum. Alleine schon weil wir zu zweit die Texte schreiben. Das Album spiegelt die Bandbreite unserer Prioritäten wieder.

Wortraub: Warum macht ihr Musik?
Nils:
Einerseits der Aspekt der Aussage, andererseits aber auch musikalisch etwas gutes zu fabrizieren. Es gibt zwar auch interessante Texte im Punk, aber das ist musikalisch lange nicht so interessant. Das wäre mir dann zu wenig. Beides ist halt wichtig. Musikalisch und lyrisch ein Ausleben zu erreichen.

Wortraub: Wo liegen eure Ursprünge?
Nils:
Wir sind keine typische Metalcore-Band, weil unser Hintergrund eben kein Metal ist, sondern Hardcore. Wir haben statt mit Biohazard angefangen und sind immer mehr in den Hardcore abgerutscht. Das ging uns allen in der Band so. Earth Crisis, Snapcase und so. Ich habe zum Beispiel nie Slayer gehört … Metal ist erst durch die Technik dazu gekommen, der Ursprung liegt im Hardcore. Ich war Skater, bin ständig mit Leuten zusammen gewesen die Hardcore gehört haben, im JuZ waren dann Konzerte in dieser Richtung und als ich dann die Stände der Tierrechtsorganisationen gesehen habe, habe ich begriffe, dass da auch was hintersteckt. Das hat mich beeinflusst und damit bin ich grofl geworden.

Wortraub: Nun, dann danke ich für das Interview.