Eine Liebe für Popmusik

Daniel O’Sullivan ist ein Tausendsassa, dessen Projekte in allen avant-gardistischen Soundbereichen vertreten sind und der für seine Experimente und musikalischen Innovationen bekannt ist. Ausgerechnet das neue Album „Dark Age“ seines Solo-Projekts Mothlite klingt aber nach dem guten alten Pop&Wave der 80er Jahre: „Diese Musik ist für mich ein echter Nostalgie-Trip in meine Kindheit. Das Album steht für meine Liebe zur musikalischen Form des Pop. Der Sound von damals war durchtränkt von Melancholie und emotionaler Schwere, aber erinnert mich eben auch an diese utopischen Momente und das Physische des Jungseins.“

Dabei ist thematisch auf dem Album eine weit weniger frohe Zeit im Leben des Daniel O’Sullivan reflektiert, wie er schwermütig zugibt: „Das Album handelt von den Widersprüchen meiner damals zu vielen Leben. Ich hatte mich zerteilt und war hin- und hergerissen. Musik und Privatleben standen im Konflikt und ich nahm die Arbeit an diesem Album als Tagebuch meiner damaligen Situation.“ In dieser Dualität aus leichtfüßigen Pop-Sounds und schwer beladenen Texten nimmt „Dark Age“ musikalisch die Einflüsse seiner Vorbilder wie New Order, Tears For Fears oder Talk Talk in sich auf. O’Sullivans experimentelle Note schimmert jedoch auch durch, weil er in der Musik nach einer Transzendenz sucht, die über Pop hinausgeht: „Ich wollte die Distanz überbrücken lernen, die ich mir selber gegenüber gespürt habe. Und das ging am besten, in dem ich mich meiner Vergangheit genähert habe.“

Ursprünglich erschienen im Piranha 06/2012 und auf Piranha.tv