Das hier ist das Originaltranskript des Interviews, das nur aus Gründen der Lesbarkeit minimal bearbeitet wurde. Es wurde als Grundlage einiger Artikel genutzt, ist in dieser Form aber sonst unveröffenlicht. — Interview mit Otto 12.06.2012 – Park Hyatt Hotel, Hamburg

Wortraub: Hallo, ich weiß, heute geht es den meisten hauptsächlich um Ice Age 4, den Film. Ich bin aber hier, weil ich mich für Ice Age – Das Spiel zum Film interessiere. Ich würde gerne wissen, in wie weit sich die Synchronarbeit bei Film und Spiel unterscheiden?

Otto: Beim Film ist der große Unterschied, dass die Animation schon vorgegeben ist. Während du beim Computerspiel ganz wunderbar deinen eigenen Mist dazu beisteuern kannst, deine eigenen Ideen, und kreativ sein kannst. Weil du zwar eine Vorlage hast, für bestimmte Abläufe wie ‚linker Hebel drücken‘, ‚rechter Hebel drücken‘ oder ‚linker Knopf‘, ‚rechter Knopf‘ … aber beim Film, also beim amerikanischen Animationsfilm, bekommen die Schauspieler das Drehbuch vorgelegt, sprechen den Text und daraufhin wird animiert – lippensynchron. Du musst jetzt als Sprecher in diese bewegten Lippen deinen Sound reinlegen, ja? Das ist zwar sehr schwierig auf der anderen Seite kann man da aber auch leicht mal ein paar Otto-spezifische Sachen mit einfließen lassen, so wie ‚hühü‘ oder so… während hier beim Videospiel da hast du wesentlich mehr Freiheit. Die geben dir zwar die amerikanische Vorlage aber du kannst frei darauf sprechen. Das Tempo muss zwar ungefähr stimmen, es geht ja nicht um Lippensynchronität. Die wird erst dann später drauf gesetzt. Das ist natürlich toll.

Wortraub: Das heißt, dass Sid beim Spiel deutlich mehr Anteil von Otto hat?

Otto: Ja, Sid ist bei Videospielen noch freier als im Film. Sid ist im Film ja schon ziemlich relaxt, aber da sind alle Bewegungsabläufe vorgegeben, während sie hier erst noch gestaltet werden.

Wortraub: Und wie steht es um die Geschichte des Computerspiels? Gibt es da Handlungsbögen?

Otto: Das sind schon Geschichten und ganze Handlungsabläufe. Die darf ich aber noch nicht verraten. Das ist schon sehr gut gemacht und gefällt mir. Das ist eine ganze andere Arbeitsweise. Das ist ein Regisseur und du bekommst die amerikanische Vorlage und dann ist das entscheidende tatsächlich das Timing. Da kannst du dir deinen eigenen Text einfallen lassen oder du nimmst die Übersetzung. Hauptsache ist, es muss zeitgleich sein und das habe ich so einiger maßen hingekriegt. Als Vorlage gibt es da schon einen Text wie „Manny, Diego, where are you going?“ und das reicht mir dann. Daraus wird natürlich „Manny, Diego, wo seid ihr? Es geht los“ und das habe ich dann ein, zwei mal gemacht. Da bist du natürlich schnell durch.

Wortraub: Spielst du denn auch selbst?

Otto: Ja, ich spiele selbst auch. Natürlich. Aber ich entwickle ja auch selber, für meine eigenen Sachen, die ganzen Animationen, auch die 3D Animationen, die mache ich alle selbst. Und zwar direkt am Computer, ich habe ein Drawingboard und dann wird das alles digital nachbearbeitet. Ich bin da seit Jahren eingearbeitet und mache das schon immer alles selbst. Für meine Musik mache ich das schon seit 20 Jahren selbst, alle Plakate, egal was. Wenig Zeit zum selber spielen, weil ich so viele Projekte habe.

Wortraub: Und was spielst du am liebsten PC oder Konsole?

Otto: Na, die PlayStation ist natürlich gut für mich. Da kann ich auch gleich meine BluRays drauf abspielen.

Wortraub: Und wie sehen die Ansprüche aus, wenn man für Konsole oder zum Beispiel für ein iPad Designs entwickelt?

Otto: Das sind ganz unterschiedliche Arbeitsweisen sowieso. Auf der Konsole ist das ganze viel filigraner, mit den Texturierungen und so. Das geht auf dem iPad nicht. Auf der Konsole bist du kreativ und hast viel mehr Raum für Gestaltung. Ich lasse mich da immer von Filmen inspirieren. Oder ich spiele mit meinem Sohn, also zum Beispiel bei Halo, da sind wir schon immer ganz gut dabei. Da wird bei uns ein LAN aufgebaut und dann legen wir los. Aber er ist zu schnell – neulich bei World of Warcraft auch, da schnappt er sich sein Keyboard (Otto macht Geräusche von schnellem Tippen) und zack, schon hat er gewonnen. Er kann sein Keyboard bedienen ohne Hinzuschauen. Ist schon krass. Und dabei unterhält er sich noch ganz fröhlich im Chat mit jemandem.

Wortraub: Ist Ice Age denn bislang das einzige Spiel, das du bisher synchronisiert hast?

Otto: Ja – obwohl, nein. Ganz früher habe ich auch Mulan schon mal gemacht, also mit der Stimme von Mushu. Aber diesmal so richtig, als Hauptcharakter. Und ich muss sagen, das gefällt mir schon sehr gut. Ich bin sehr gespannt. Ich will unbedingt sehen, wie das aussieht. Ich habe es noch nicht fertig gesehen. Erst dann kann ich mir das Urteil erlauben.

Wortraub: Wie bewertest du Computerspiele als Medium?
Otto: Das wird immer besser, die Möglichkeiten. Ich finde das klasse, finde die alle klasse, auch die Shooter. Früher haben wir auf der Straße Cowboy und Indianer gespielt, *peng, peng* – und heute macht man das auf dem Computer. Da seh ich keinen so großen Unterschied. Also ich finde, da kann man seine Aggressionen sinnvoll raus lassen, danach ist man doch total entspannt. Ein Freund von mir bekommt die ganzen Spiele aus den USA aus beruflichen Gründen und der spielt die auch alle und der ist sehr entspannt.

Wortraub: Kanntst du dir den vorstellen, dass du öfters so was machst.

Otto: Ja, sehr gerne. Ich bin mit dabei.

Wortraub: Wie ist das denn mit deiner Beziehung zu den Charakteren, die du sprichst? Bist du mit denen über die Jahre gewachsen?

Otto: Ich würde schon sagen, man ist mit denen verwachsen mit denen. Man steht ja schon auf und sagt (im Sid-Schlurfen): ‚Liebling, wo sind die Brötchen?‘. Ist doch aber logisch, wenn du so ein Wesen sprichst und den ganzen Tag nichst anderes machst, dich damit identifizierst und nur dieses Wesen um dich herum hast. Ich mach ja auch Werbung damit, das geht ins Blut über. Das ist ganz schwer aus dem Kopf zu bekommen, es ist eine Symbiose. Wenn der Zuschauer das später sieht, dann denkt der ja nicht „Da spricht Otto“, sondern der sieht das als eins. Das wird alles eins.

Wortraub: Deine Liebe zu Tieren ist bekannt, aber wie steht es um die Vorliebe für Faultiere?

Otto: Naja, ursprünglich hatten die vor, mir das Mamut anzubieten, wegen der Elefanten, aber ich wollte Sid. Vom Charakter her passte natürlich das Faultier besser. Der hat diesen naiven Charme, diese Spontanität, diese unkonventionelle Spontanität, völlig wahnsinnig. Der kann aus jeder Situation immer das beste machen und das hat mir ganz gut gelegen.

Wortraub: Das heißt demnächst zeichnest du auch noch Comic-Faultiere?

Otto: Nein, als Comic habe ich bisher nur Elefanten gemacht –aber es gibt ja auch einen Manni-Fanten, mit Haaren und in Braun. Aber erstmal habe ich ja selber eine App geschrieben. Die heißt Otti’s Fump und ist so eine Art Variation von Doodle Jump. Ist sehr schön geworden.