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Aufstehen für das Leben

Mit ihren neuen Album The Element Rebellion wagen One Fine Day einen Schritt zurück zu ihren musikalischen Wurzeln, und einen Schritt voraus in Sachen Engagement und politischer Haltung.

Der Ort könnte passender nicht sein, denn das Interview mit Marten Pulmer, dem Sänger der Nord-Rocker One Fine Day, findet auf dem Hamburger Kiez statt, kurz vor dem Auftritt seiner Band bei „Laut Gegen Nazis“. Heute bevölkern ausnahmsweise mal nicht die Amüsierwilligen die Reeperbahn sondern Demonstranten, Aktivisten und engagierte Bürger. Es geht darum ein Zeichen zu setzten und dem rechten Meinungsbild keine Chance zu geben. Pulmer und seine Band sind jedenfalls voll dabei: „Ich finde es wichtig, dass die Menschen sich nicht mit allem abfinden, sondern aufstehen, wenn es sich lohnt dafür zu kämpfen. Und bei der Frage nach dem Rechstextremismus, da lohnt es sich. Man sollte Ausländer in der Gesellschaft nicht als Problem wahrnehmen, sondern vielleicht eher als Herausforderung sich mit etwas Unbekanntem zu beschäftigen. Lieber mal mit Neugier und Interesse da ran gehen.“ Pulmer fühlt sich wohl auf dem Kiez und die zurzeit in den Medien geführte Diskussion um Thilo Sarrazin regt ihn auf: „Der will doch nur sein Buch verkaufen, aber viele Menschen glauben das, ohne zu hinterfragen. Dagegen sollte man was tun und den endlich rausschmeißen.“ Rebellion ist seiner Meinung nach wichtig für die Gesellschaft, aber auch für den Einzelnen, denn sich nicht einfach mit allem abzufinden ist nicht nur eine Frage der politischen Haltung, wie Pulmer erklärt: „Nein Rebellion ist überall notwendig, gegen den Stillstand, gegen Engstirnigkeit, aber auch gegen das Abfinden mit der Situation. Wenn du etwas machst, was dir nicht passt, was dich annervt, dann steh auf und tu was dagegen. Kämpf gegen diese Haltung an und rebellier. Und wenn es nur gegen den öden Job ist, der dich gefangen hält.“

Das klingt sehr nach politischer Punk-Attitüde á la Bad Religion, einer Band, die Pulmer zu seinen Einflüssen zählt: „Wir sind da sehr unterschiedlich, ein wenig California-Punk, ein wenig Grunge aber auch klassischer Rocksound im Sinne von AC/DC. Das ist im Studio nicht immer leicht, wenn vier Leute mit vier Musikgeschmäckern zusammen treffen.“ Bei den Arbeiten für dieses Album ging es der Band aber genau darum, aus den vier Einflüssen einen harmonischen OFD-Sound zu schmieden. Im Gegensatz zum selbstbetitelten letzten Album sollte diesmal nicht die Hochglanzproduktion im Vordergrund stehen. Die Rebellion sollte auch die Band erreichen: „Wir hatten ein wenig das Gefühl verloren und uns zu sehr auf die mathematische Punktlandung konzentriert. Diesmal wollten wir das Gefühl zurück bekommen, alles in Live-Takes aufnehmen und endlich wieder mit Eiern spielen.“ Die sprichwörtlichen Cojones hat The Element Rebellion im Studio jedenfalls bekommen, und auf dem „Laut Gegen Nazis“-Event konnten One Fine Day noch am Abend das Album vorstellen und ihre Botschaft unter die Leute bringen: Aufstehen lohnt sich!

One Fine Day – The Element Rebellion

Ursprünglich veröffentlicht in Piranha 10/2010