In diesem Jahr feierte Entwickler Capcom 30-jähriges Bestehen. Zum Jubiläumsprogramm der japanischen Gameschmiede gehört auch die gezielte Neuauflage beliebter Titel der Ursprungszeit. Unter diesem Aspekt dürfte auch die für Anfang 2014 angekündigte Wiederbelebung eines der frühesten Erfolge des Unternehmens zu verstehen sein: ein Reboot der beliebten Figur »Strider«. Noch vor dem Riesenhit »Street Fighter II« versuchte sich Capcom mit »Strider« 1989 am Sidescroller-Genre und entwickelte eine Cyberpunk-inspirierte Story mit viel Laserschwert schwingender Action und einer ganzen Roboterarmee zum Zerlegen.

Ähnlich kurios geht es auch im Reboot daher, das als eigenständiges Spiel und nicht als einfach Neuauflage zu verstehen ist. Hiryu, ein Ninja-ähnlicher Auftragskiller des Elitesoldatenprogramms Strider zieht durch die russisch-futuristische Metropole Kazakh City und muss sich gegen die Armee von Grand Master Meio zur Wehr setzen, der die Erde versklavt hat. Dazu schnitzt er sich mit Hilfe seines Plasma-Cypher (eine Art Lichtschwert) durch Soldaten, Roboter, Panzer und alles andere, was sich ihm in den Weg stellt. Neben der Kampfaction muss Hiryu auch noch Geschick beweisen, um über die Plattformen der Militäranlagen zu sprinten, springen und hangeln.

Alles in allem ist »Strider« ein klassischer Sidescroller mit 2.5D-Optik, bei dem sowohl Plattform als auch Hack’N’Slay-Elemente gefragt sind. Capcom hat sich redlich Mühe gegeben, »Strider« mit allem nötigen Ernst als Hommage an die alte Zeit zu entwickeln und jegliche Ironie außen vor zu halten. Gut so, denn wie »Far Cry: Blood Dragon« beweist, kann eine ironische Haltung den Spieler schnell überwältigen und die Spielerfahrung ins Lächerliche kippen lassen. Dennoch ist auch »Strider« hart an der Grenze des 80er-Erträglichen: der Sound scheppert blechern, die Grafik wirkt leicht gerastert und die Handlung ist wie bereits festgestellt etwa auf dem Niveau eines 80er Jahre Jean-Claude Van Damme Films.

Genre-Fans und vor allem Kenner des Originals wird es aber freuen, denn mit »Strider« holt Capcom ein fast vergessenes Genre in das 21. Jahrhundert. Die Steuerung ist einfach gehalten, die Kämpfe sind blitzschnell und die Gegner unerbittlich. Die Action ist überwältigend und wird auch Profis vor einige Herausforderungen stellen – wie zu alten Arcade-Zeiten wird man als Spieler »Strider« nur bezwingen können, wenn man sich auf das System einlässt. Nur wer Gegnerwellen erkennt, die richtigen Moves zur richtigen Zeit einsetzt, unerbittlich die Knöpfe zum Glühen bringt und bereitwillig den Frust einer steilen Lernkurve akzeptiert, wird hier zum Grand Master vordringen können. Ganz wie damals, vor 30 Jahren in der Spielhalle, als man sein gesamtes Taschengeld in Münzform dem Bildschirmgott geopfert hat.

Ursprünglich erschienen in PS3M 12/2013