In dunklen Gassen lauert der Dieb…

In der Kritik werden Spiele aus der Ego-Perspektive schnell über einen Kamm geschoren: Killerspiele, Shooter! Doch mit »Dark Project: Der Meisterdieb« (im engl. Original: »Thief«) bewies Eidos schon 1999, dass es auch ganz anders geht und gebar das Genre des Sneakers. In der Rolle eines Langfingers zog der Spieler in Ego-Perspektive durch die Straßen einer Stadt und erleichterte seine Opfer um Gold, Geld und Edelsteine. Schleichen, Ausweichen und Verstecken waren die bevorzugten Waffen des Diebes, nicht das Schwert. Mit dem neuen »Thief« folgt dieser Tage der vierte Teil der Serie, ein Reboot mit neuer Story und zeitgemäßer Handhabung. Wichtig für die meisten Spieler, die das Original noch kennen, dürfte der Erhalt der bedrohlichen, dunklen Atmosphäre sein, die die »Thief«-Reihe auszeichnete und die auch das Spiel bestimmt. Die engen Gassen, verwinkelten Häuser und die unglaublich bedrückende Stimmung in der von einer tödlichen Seuche befallenen Stadt garantieren ein eindrucksvolles Spielerlebnis. In früheren Teilen konnte man dazu noch den verschwiegenen und mysteriösen Meisterdieb Garrett frei durch die Stadt schweifen lassen. Zwar bietet das neue »Thief« immer noch unterschiedliche Routen, die ans selbe Ziel führen, doch die Sandkasten-Freiheit von früher gibt es leider nicht mehr. Einzig die Wahl seiner Methoden bleibt Garrett erhalten und so können Spieler genretypisch schleichen, sich verstecken und die Schatten nutzen oder mit Gewalt Gegner ausschalten und Konfrontationen suchen ­– das aufgestockte Waffenarsenal und diverse Boni helfen dabei. Ein reiner Sneaker ist »Thief« zwar nicht mehr und einige der markantesten Features des Originals mussten der Neuerung weichen, doch insgesamt bietet das Spiel Genrefans jede Menge Atmosphäre und Herausforderungen.

Anbieter: Square Enix  /  Entwickler: Eidos Montreal  /  Plattformen: PS3/X360/PC/PS4/X1

Ursprünglich erschienen im Kreuzer 04/2014 – hier das PDF.