Obwohl Adi und Luke Weyermann schon seit längerem in der Schweiz Musik machen, haben sie erst jetzt zusammen eine Platte aufgenommen – zu zweit statt mit einer großen Band. Und mit „Within“ beweisen sie eindrucksvoll, dass guter Rock auch nicht mehr braucht.  

„Wenn man nur zu zweit ist, dann sind viele Dinge einfacher zu organisieren. Wir sind viel flexibler in dieser Besetzung, deswegen haben wir alles, was Band war, über Bord geschmissen. Und es funktioniert super“, meint Drummer Luke Weyermann aus Erfahrung. Beide Brüder können nämlich auf eine lange Karriere als Musiker in unterschiedlichsten Bands zurückblicken: Crank, Mona Lisa Overdrive, Hillbilly Moon Explosion. Doch nur als Bruderpaar haben sie erst jetzt zusammengefunden: „Das ist Altersweisheit,“ witzelt Adi, der jüngere Bruder, „weil wir früher einfach mehr mit unsere Kumpels abgehangen haben. Da hatten wir unterschiedliche Musikgeschmäcker.“ Luke, der ältere Bruder, stimmt zu: „Man darf auch nicht vergessen, dass 3 Jahre Altersunterschied in der Pubertät viel ausmachen, jetzt aber ist das relativ egal. Und als Brüder kommen wir super miteinander aus.“

Das Ergebnis der musikalischen Verbrüderung jedenfalls kann sich sehen lassen. Schon mit dem ersten Song wird eine Sehnsucht deutlich, die einen in den Südwesten der USA drängt. Die folgenden Songs offenbaren dann die Bandbreite der zwei Schweizer. Mal rockend, mal mit leicht amerikanisch angehauchten Folkelementen oder einem Hang zum Singer/Songwriter-Konzept – immer aber ist die Musik kraftvoll und ausgewogen, trotzt des minimalen Ensembles. „Es stimmt aber schon“, sagt Adi, „dass die Musik einen weiten Horizont haben soll. Es ging uns darum, Songs zu schreiben, die große Bilder enstehen lassen. Wir mögen zwar nur zu zweit sein, aber haben live zum Beispiel eine so große Menge an Material dabei, dass man das nicht merkt.“ Ohne Synthies und Sampler kreieren sie dennoch einen dichten Sound, der sich als vielseitig und kraftvoll erweist.

Junior Adi hat dabei fest das Zepter in der Hand, wie Luke zugeben muss: „Er ist zwar der Jüngere, aber irgendwie ist er der Chef. Aber musikalisch ergänzen wir uns sehr gut dabei.“ Auch Adi kann seine Rolle nicht leugnen: „Na ja, ich bin halt für die Texte und die Melodien zuständig. Aber in Sachen Rhythmus und Druck ist Luke der Verantwortliche. Beim Schreiben teilen wir uns die Aufgaben. Mal ist da zuerst die Melodie, mal zuerst der Beat – der andere ergänzt dann seinen Teil.“

Dass die Teamarbeit super funktioniert hört man „Within“ an, und auch live haben die beiden sich inzwischen unter dem neuen Namen The Weyers einen Ruf erspielt, zumindest in der Schweiz. „Es ist ein wenig Aufbauarbeit, da wir ja wieder von vorne starten mit dem neuen Namen, aber wir haben letztes Jahr viel gespielt“, erzählen die beiden. Für 2014 jedenfalls haben sie sich vorgenommen auch in Deutschland endlich Fuß zu fassen und uns von ihrem Sound zu überzeugen.

The Weyers – „Within“

Ursprünglich erschienen im Piranha 03/2014