Als Fan weiß man gar nicht, ob man Jeff Martins gescheiterte Solokarriere nun betrauern soll oder nicht. Unbestritten jedoch bleibt, dass Martins einprägsame Stimme am besten zur Geltung kommt, wenn sie im Rahmen seiner Band The Tea Party von psychedelisch-progressiven Gitarren getragen wird.

Seit der Trennung der Band 2005 – für alle außer Martin eher plötzlich und unerwartet – jedenfalls konnte man mitansehen, wie Martin darum kämpfte, seine Stimme vom Sound der Band zu lösen, nur um doch erkennen zu müssen, dass die gerade Zusammenarbeit mit Stuart Chadwood und Jeff Burrows den Erfolg ausmachte. So zog Martin 2006 mit Exile and the Kingdom keine wirkliche Aufmerksamkeit auf sich, war das Album für Tea Party-Fans doch zu stromlinienförmig und stilistisch einfach nicht eigenständig genug. Auch der Versuch, sich dem Tea Party-Konzept wieder anzunähern, mit der Band The Armada und deren gleichnamigen Album von 2008, war keineswegs von Erfolg gekrönt. Der Sound war zwar deutlicher im progressive Rocksound angesiedelt, doch irgendwie stimmte die Chemie wieder nicht.

Zum Glück jedoch hatte Martin ein Einsehen und konnte Chadwood und Burrows 2011 zu einer Reunion-Livetour überreden. Offensichtlich war die Chemie wieder da und so steht mit „The Ocean at the End“ nach 10 Jahren endlich wieder ein neues Tea Party-Album in den Läden. Fans dürften auf dem Album durchaus einiges vom alten Charme der Alben wie „Tryptich“ oder „Seven Circles“ wiedererkennen, doch leider macht sich auch Martins experimentierfreudiger eigener Stil mit Country-Elementen, Blues-Licks oder Samba-Rhythmen auf dem Album breit. Insgesamt wirkt das Album damit zu unstet und kann über weite Strecken die Hoffnungen auf ein Progressive Rock-Meisterwerk nicht halten.

„The Ocean at the End“ pendelt zwischen düsteren, melodischen Hymnen wie „The Black Sea“ (das auch auf „Tryptich“ so hätte zu finden sein können), psychedelischen Pink-Floyd-Einlagen wie dem Titelstück (und seinem ‚versteckten‘ und unbenannten nachfolgenden Track) und so belanglosen Rocknummern wie „The Maker“, Country-beeinflussten Steel-Guitars in „Black Rosés“ oder dem seltsam daher holpernden „Brazil“.

Insgesamt ist „The Ocean at the End“ zwar laut Schriftzug ein Tea Party-Album, doch scheint es zum Teil eine Mogelpackung. Es krankt an den selben Problemen, wie Martins Solomaterial und wirkt somit wie erzwungenes Remake, dass den Erfolg der alten Zeit emulieren soll, ohne dabei jedoch musikalisch zu sehr in den Progressive Rock abzugleiten. Schade eigentlich, ist Herrn Martins Stimme doch gerade dafür einfach ideal geeignet.

The Tea Party – „The Ocean at the End“ (ab 19.09.2014 im Handel)