Game-Tipp: The Evil Within

Survival-Hommage

Shinji Mikami ist eine Ikone des Survival-Horror. Sein »Resident Evil« von 1996 gilt bis heute als Meilenstein eines Genres, in dem nicht wilde Action das Spielgeschehen bestimmt sondern subtile Spannung und der ewig währende Mangel – Mangel an Sicht, Mangel an Wissen, Mangel an Ausrüstung und Munition. Der Horror dieser Spiele war das nervenkitzelnde Gefühl, jeder Zeit angegriffen werden zu können, die Angst eine Tür zu öffnen, weil dahinter etwas Furchtbares lauern könnte, und vor allem der immer wieder eintretende Kontrollverlust – Drogenrausch, Albträume, Psychosen, verzerrte Realitäten –, den der Spieler ertragen musste. Mit

»The Evil Within« bringt Mikami diese subtilen Spielaspekte zurück, obwohl sie in den letzten Jahren der Action weichen mussten. Er revitalisiert das Genre mit einem Spiel in dem Schleichen, Bangen und die Jagd nach Munition zur Spielerfahrung gehören.

Dafür generiert er einen surrealen Albtraum, den der Spieler entziffern muss. Als Polizist Sebastian Castellanos gerät der Spieler in eine traumatische Horrorwelt, die so bedrohlich wie bizarr ist und ihn immer wieder zwischen verschiedenen Realitätsebenen wechseln lässt. Was es mit den zerschundenen, blutrünstigen Zombiewesen auf sich hat, die diese Welt bevölkern, warum Kettensägen schwingende Hünen ihn jagen und ihn zu Filet verarbeiten wollen und wer der mysteriöse Mann mit der Kapuze ist – all das wird erst nach und nach im Spiel deutlich. Das heißt, natürlich nur, wenn man lange genug überlebt. Dafür setzt das Spiel am Anfang auf den klassischen Survival-Horror-Mangel, wechselt aber mit steigendem Level immer häufiger zur modernen Action, so dass beide Spieltypen in Einklang stehen. Eines ist »The Evil Within« aber auf jeden Fall: schrecklich schön.

Ursprünglich erschienen im Kreuzer 12/2014 – hier das PDF.