Nachdenken über Nachfahren

Wenn man als Band viel auf Tour ist, dann schreibt man halt das neue Album in Hotelzimmern und Backstage-Areas. So jedenfalls haben das die nordirischen Post-Rocker von And So I Watch You From Afar gemacht – und dabei mehr als 30 Songs generiert, die ihre ganz persönlichen Erfahrungen der letzten Jahre spiegeln. „Wir sind von der Tour zurück gekommen und haben uns im Proberaum eingesperrt. Dann haben wir die 30 rohen Songs genommen, daran rumexperimentiert und sie auf die 15 besten reduziert“, erklärt Gitarrist Rory Friers den Auswahlprozess. Aus diesen 15 wurden dann noch einmal die zehn besten herausdistilliert und auf „Heirs“ verewigt. Das Ergebnis ist ein furioses Post-Rock-Werk, auf dem sich die Gitarren durch ekstatische Crescendi jagen und chorale Vokaleinlagen eindringlich die Songs prägen. Aber nach etwa der Hälfte des Albums wechselt das Tempo – eine nachdenklichere Seite kommt zu Vorschein, die vor allem in der Biografie der Musiker begründet liegt. „In unserem Umfeld gab es einige Geburten zur Zeit des Schreibens, unsere Nachfahren, und das hat den Titel aber auch den Schreibprozess mitbestimmt. Wir hatten keine Zeit für andere Inspirationen und haben uns nur auf uns konzentriert. Es scheint fast, als hätten die Songs diese Stimmung, dieses intensive Gefühl der Zeitlichkeit, in sich aufgesaugt. Das Album ist dadurch sehr dicht geworden und zeigt uns geradezu hermetisch in dieser Phase unseres Lebens“, so Friers.

And So I Watch You From Afar – „Heirs“

Ursprünglich erschienen im Piranha 05/201501