Ego-Ahne

Angetrieben von immer besserer Rechenleistung entwickelten sich Videospiele Anfang der 90er Jahre rasant weiter: Gerade Ego-Shooter mit hohem Grad an virtueller Gewalt wie id Softwares »Wolfenstein 3D« und »Doom« galten Spieleenthusiasten als wegweisend. Verwinkelte 3D-Labyrinthe, actionreiche Handlung, viel Waffengewalt und jede Menge Adrenalin – die Zutaten der Shooter stimmen bis heute. Zugleich aber war die Beliebtheit der Spiele ein Weckruf für die Politik, die in »Wolf3D« und Co. eine Verrohung der Jugend und eine Gefährdung für das Gemeinwohl des Volkes sah. Neben der Gewalt war es vor allem die Verwendungen verfassungsrechtlicher Symbole, die für die Sittenwächter anstößig war. So erklärt sich dann auch, dass das Spiel noch immer als berühmtestes Beispiel der Indizierungspolitik gelten muss, die bis heute ihre Nachwirkungen zeigt. Das ebenfalls indizierte »Doom« erhielt 2011 in einer Neubewertung ein USK »ab 16«, da sich die gesellschaftlichen Werte gewandelt haben und die Gewalt anders bewertet wurde. Im Gegensatz dazu aber gilt der deutschen Politik die Verwendung von Nazi-Symbolik in Computerspielen weiterhin als schwer jugendgefährdend, da Spiele in Deutschland nach wie vor nicht als Kunst zu bewerten sind. Und so zensieren sich Entwickler bis heute selbst, wenn sie in ihren Games Nazis auftreten lassen, wie zuletzt im »Wolfenstein«-Nachfolger »New Order«. Obwohl »Wolf3D« also als Urahn aller Ego-Shooter zu gelten hat, so ist das Spiel auch immer noch der Stein des Anstoßes einer Wertedebatte, die kein Publisher in Deutschland vor Gericht zu bestreiten wagt.

 

Plattform: PC

Entwickler: id Software

Anbieter: Apogee Software

USK: indiziert

Preis: — Euro

Ursprünglich erschienen im Kreuzer 09/2015.