Musik-Features

Ganz oder gar nicht

Schnelle Autos, dicke Harleys, brennende Benzinfässer – diese Band kennt alle Klischees und spielt nicht einfach nur mit Ihnen, sie lebt sie. Die schwedischen Hardrocker von Bullet reiten kräftig auf der 80s-Retrorock-Welle und wollen mit ihrem zweiten Album Highway Pirates auch abseits Skandinaviens die Fans von Accept, AC/DC und Running Wild überzeugen. „Heavy Metal muss man Leben, ganz oder gar nicht“, sagt Sänger Hell Hofer und meint es wohl auch so. Ganz wie ihre australischen Kollegen von Airbourne haben auch Bullet in ihrer Jugend all die großen der 80er gehört und sich geärgert, dass es heute solch echte und gute Musik heute nicht mehr gibt. Also wird schnell die Axt geholt, die Lederjacke angezogen und die Föhnfrisur getrimmt. Ob das ganze Konzept nun selbstironisch zu sehen ist, oder doch völlig ernst gemeinte Hommage an zu enge Jeans und böse Rockerposen darstellt, ist eigentlich egal, denn die Musik kann mit allen oben genannten Bands wunderbar mithalten. Hell Hofer und seine Straßenräuber verstehen ihr Handwerk und es rockt auf Highway Pirates so schön geradeaus, das man sich an Back in Black oder Metal Heart erinnert fühlt. Das neue Album wirkt dabei härter und noch direkter als der Vorgänger – in Momenten nähert man sich eher Running Wild als AC/DC an – doch verliert es nie die hymnische Qualität und natürlich nie, aber auch wirklich nie, die einstudierte Pose. Und das ist kein Klischee, das ist Metal.

Ursprünglich erschienen in Piranha 03/2011 und bei Piranha.tv.