„Franzosen und Russen gehört das Land / Das Meer gehört den Briten / Wir aber besitzen im Luftreich des Traums / Die Herrschaft unbestritten“ dichtete Heinrich Heine 1844 mit Ironie und Spott über sein Vaterland, das ihn ins Exil geschickt hatte. Heines Wintermärchen war zugleich bissige Abrechnung mit Deutschtümelei und sehnsuchtsvoller Aufruf für ein besseres „Junges Deutschland“. Dass er in den 1960er Jahren immer noch als aktuell und poltisch brisant galt und von jungen Revolutionären zitiert wurde, fällt da wohl leicht zu glauben. 1964 wurde seine bedeutungsvolle Lyrik vom berühmten Rezitator Gert Westphal zur Musik des damals legendären Attila-Zoller-Quartetts gesprochen und auf Platte gebannt. Die Scheibe erschien in der von Jazz-Papst Joachim E. Berendt herausgegebenen Serie „Lyrik und Jazz“ und ist auf Vinyl bis heute ein seltenes und teures Sammlerstück. Die ungestüme Energie Heines wird von der dunklen charismatischen Stimme Westphals genial eingefangen und durch die spontan improvisierten Melodien Zollers wild und ironisch konterkariert, was über 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch viel Freude bereitet.

Der Artikel ist erschienen in WOM Ausgabe 08/06.