Geisterjagd und Sunblock

Die Londoner Die So Fluid veröffentlichen ihr drittes Album und sitzen damit mal wieder zwischen allen musikalischen Stühlen. Ob Goth, Grunge, Metal oder ein wenig Grrl-Punk – die Band liebt den Stilmix. 

 Für die Band stellt „The World is too Big for One Lifetime“ einen großen Schritt dar, denn endlich war für die Aufnahmen alles so wie es sein sollte, mit richtigem Budget, fest gebuchtem Studio und einer großen Tour im Anschluss zur Promotion. Doch dann kam die Liebe dazwischen und so entschied sich Sängerin Grog nach den Aufnahmen für das Album der Heimat den Rücken zu kehren und nach Los Angeles zu ziehen. Den Beruf macht das nicht gerade leichter, wohnen ihre Bandkollegen doch immer noch in London. „Das macht aber eigentlich nichts, denn dank des Internet geht vieles auch auf Distanz. Nur für die Proben und Aufnahmen müssen die beiden dann eben hierher kommen.“ Denn Grog, die für das meiste Songwriting und die Texte der Band verantwortlich zeichnet, liebt ihre neue Stadt. Sie lebt in Hollywood, berichtet sie ganz aufgeregt: „Hier gibt es so viele Inspirationsquellen für meine Musik. Ich wohne so gelegen, dass ich nach hinten auf die Hügel schaue, dort wo die ganzen Villen der Stars liegen – die, die damals in den 20er und 30er Jahren gebaut wurden. Dort gibt es so viele Haunted Houses, und die Geister der berühmten Schauspieler. Ich sitze hier am Fenster und halte immer Ausschau. Ich würde so gerne mal in die Häuser, Geister jagen, aber die Villen sind alle in Privatbesitz.“

Grog lacht und scheint sich in der Goth-Girl-Pose sehr wohl zu fühlen. Sie liebt Horrorfilme, liest Edgar Allan Poe und kleidet sich vornehmlich in Lack und Leder. Das Image stimmt und doch ist mehr an der Musik der Band, die sich jenseits der Goth-Schublade ebenfalls pudelwohl fühlt. „Ich habe nichts gegen die Kategorisierung, das ist journalistisches Handwerkszeug, aber erwartet bitte nicht von uns, dass wir es euch leicht machen. Wir mögen halt auch den Rock und Metal. Und wir spielen, was uns gefällt.“ Grog und ihre Bandkollegen kommen aus den unterschiedlichsten Musikrichtungen, und nehmen alles als Inspiration auf, was sich bietet. Grog berichtet von der Vielfalt LAs: „Ich habe hier letzt ein ägyptisches Konzert gehört, total spannend. Musikalisch hat die Stadt viel zu bieten, aber am fasziniertesten bin ich von den Leuten. Die sind so bunt, und alle scheinen auf der Durchreise zu sein. Dieses Gefühl überall hin zu wollen, nicht anzukommen, das hier in LA so vorherrschend ist, dass man sagt, niemand wohne hier wirklich. Das kenne ich, das findet sich auf der Platte auch. Und ganz davon ab, liebe ich es einfach Leute zu beobachten, und dafür ist Hollywood ideal.“ Grog scheint ihren neues Lebensmittelpunkt ins Herz geschlossen zu haben, und es wird sich zeigen viel Einfluss Hollywood auf sie üben wird. Eines ist jedenfalls sicher, in LA dürfte es schwer sein, ihren blassen Gothic-Teint zu pflegen. Grog lacht und stimmt zu: „Ich versuche es, aber es fällt sehr schwer. Das einzige, was da hilft ist Sunblock!“

 Die So Fluid – „The World is too Big for One Lifetime“

Ursprünglich erschienen in Piranha 12/2010 und hier zu lesen auf Piranha.tv.