Immer was Neues

Bei Ray Wilsons musikalischem Output von einer Tour im regulären Sinne zu sprechen wäre wohl nicht ganz richtig, denn Ray ist erstens immer auf Tour, ohne Pause, und zweitens spielt er live in mindestens vier verschiedenen Besetzungen.

Es ist schwer bei Ray Wilsons Live-Aktivitäten den Überblick zu behalten. Auf seiner Website tummeln sich neben Terminen für das „Genesis vs. Stiltskin“-Projekt auch jede Menge Auftritte für „Genesis Classics“, mal mit dem Berlin Symphony Ensemble, mal als Genesis Classics Trio, mal als Genesis Classics Quartet und sogar als Ray Wilson, ganz ohne Zusätze, sind Termine verzeichnet. „Für mich sind das aber keine separaten Projekte“, sagt Wilson, der im letzten Jahr eine 4CD-Box mit unterschiedlichen Materialien sowohl seiner Band Stiltskin als auch des „Genesis Classics“-Projektes veröffentlicht hat: „Ich sehe die unterschiedlichen Besetzungen und Projekte als Variationen ein und der selben musikalischen Vision. Ich kann nur eben nicht in jeder Location mit einem ganzen Ensemble auftreten, das ist einfach zu groß.“

Doch die Songs sind nicht einfach nur an die jeweilige Ensemble-Größe angepasst, sondern variieren auch in ihren Interpretation, wie Wilson deutlich macht: „Im Quartet haben wir neben der Akustik-Show eben auch zwei Violinen zur Verfügung – es heißt da ja Ray Wilson und das Genesis Classic Quartett. Beides ist akustisch, aber durch die Violinen eröffnet sich eine völlig neue Ebene der Interpretation. Außerdem spiele ich nicht mit allen Ensembles die selbe Setlist. Manche Songs lassen wir weg, andere ergänzen wir, weil sie besser passen.“

Wie schon auf dem Boxset geht es Wilson auch live um die Erweiterung des musikalischen Horizonts. Er möchte den Menschen alle seine musikalischen Facetten näher bringen, sich dabei aber auf keinen Fall wiederholen: „Ich spiele immer wieder andere Songs, denn ich denke, dass die Menschen für ihr Geld auch immer wieder etwas neues geboten bekommen sollten. Deshalb experimentiere ich so gerne. So entsteht an jedem Abend, auf jeder Show eine eigene unterscheidbare musikalische Formel. Die Fans finden es toll und kommen immer wieder zu Konzerten, weil es immer wieder was neues zu entdecken gibt.“

Und Ray Wilson ist noch lange nicht fertig mit den Experimenten. Zur Zeit nimmt er mit Stiltskin ein neues Album auf, während er zeitgleich dabei ist, ein ganzes Orchester zusammen zu stellen, um den „Genesis Classics“ eine neue Ebene hinzuzufügen: „Ich will noch eine Bläsersektion aufbauen. Dadurch kann ich einem bereits 500 mal gespielten Song wieder etwas anderes hinzufügen. Die Orchestershows werden wir 2013 das erste Mal in Deutschland ausprobieren.“ Und wenn ihn das nicht genug beschäftigen sollte, dann hat er schon eine andere Idee in der Hinterhand: „Ich habe unlängst das Angebot bekommen, in einer Neuauflage von ‚Jesus Christ Superstar‘ mitzuwirken, konnte aber zeitlich nicht. Lust auf ein Musical hätte ich aber sehr und werde das bestimmt in Zukunft mal ausprobieren. Und ausgerechnet für diese Rolle wäre ich ideal – mit Bart und langen Haaren.“

Ray Wilson – Tour 2012/13

Ursprünglich erschienen im Piranha 09/2012.