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Musik fürs Folk

Birkenstock und Wollpulli waren gestern. Der Folkrock von heute ist schick, jung und britisch – so wie Mumford & Sons. 

Das Klischee könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein: Statt eines Öko mit Wandergitarre sieht Marcus Mumford in seinem wie angegossen sitzenden Anzug aus, als sei er ein Unternehmensberater und Schwiegermamas Liebling sowieso. Doch der nette Kerl aus London ist Folk-Musiker. Das Genre, dass in Deutschland entweder mit den 60er Jahren, Kommunen und politischer Revolution verbunden wird, oder aber der Kelly Family, hat dank seiner Band einen unerwarteten Aufschwung erfahren und gilt aktuell in den Studentenclubs der Republik als Tanzflächenfüller.

Denn mit „Sigh No More“ hatten die vier Briten vor drei Jahren einen wahren Folk-Hype losgetreten. Die Songs, die hauptsächlich aus Akustikgitarre, Banjo und Kontrabass bestehen, bestechen gerade durch ihre Einfachheit und Direktheit. Kein große Pose, keine Show – zurück zur einfachen Musik mit erdig-ehrlicher Message: Folk. Mumford steht dabei in bester Tradition so großer Folker wie Bob Dyland oder Crosby, Stills, Nash und Young. Die Botschaft bestach ein Millionenpublikum und brachte der Band Grammy-Nominierungen und einen Brit-Award ein.

Mit dem zweiten Album wollte die Band den Erfolg als Motor für ihre Kreativität nutzen: „Wir wollten diese Energie und den Zuspruch umsetzen und etwas Robustes und Direktes schaffen“, sagt Mumford. Mit „Babel“ ist das gelungen, denn das Album hat noch mehr Power, ist noch direkter und das alles, ohne das Gehabe des Pop anzunehmen. Mumford: „Wir offenbaren alles, sind nackt vor der Welt und halten nichts mehr zurück.“

Neues Album „Babel“ – Mumford & Sons

„Babel“ heißt das neue Album der vier Briten und es dürfte in Clubs und Kneipen wiederum für Aufregung sorgen. Die zwölf Songs sind voller erdiger Kraft und unbändiger Lebensfreude. Zwischen Folk und Indie treffen Mumford & Sons mal ruhige Töne, nur um im nächsten Moment das Tempo anzuziehen und mit Akustikgitarre und Banjo richtig loszurocken. Die direkte Energie der Songs geht in die Beine und man muss mitwippen. Und: es finden sich wieder jede Menge Hits auf „Babel“.

Erschienen im Prinz 10/2012.