Ambitionierte Arbeit im Hobbyraum

Der Weg von der Schülerband zum Rockstar ist lang und erschwerlich. Vor allem aber schaffen nur wenige diese Strecke überhaupt. Dass es auch anders geht, beweisen die Hamburger Captain Planet, die gar nicht vorhaben, Rockstars zu werden.

Am Anfang war man jung

Die Enstehungsgeschichte der Band ist so einfach wie sie typisch ist für Rockbands. In der Schulzeit hatten sich vier Freunde zusammen gerauft und eine Schülerband gegründet, die in den folgenden Jahren eine Vielzahl von Veränderungen durchmachte, um 2003 in Captain Planet zu münden. „Zuerst haben wir auf Englisch gesungen, doch irgendwann stieß ich da an meine Grenzen, schon rein sprachlich“, erklärt Sänger Arne von Twistern: „Da bleibt dir dann nichst anderes übrig als mit Floskeln um dich zu schmeißen oder aber coole Textzeilen bei anderen Bands zu klauen. Auf Deutsch zu singen war da einfach die bessere Alternative.“ Und so fanden sich die vier Hamburger Jungs zusammen, um ihren vom Punk-Gefühl angetriebenen Sound mit deutschen Texten voranzubringen und so 2007 ihre erste CD zu veröffentlichen.

Erfolgreiches Hobby: Drittes Album

Dass aber mittlerweile mit „Treibeis“ sogar schon das dritte Album ist keine Selbstverständlichkeit, denn alle vier Mitglieder gehen ’normalen‘ Berufen nach, haben Familie und müssen so die Band mit ihrem Leben immer wieder in Einklang bringen: „Es ist und bleibt wohl auch ein Hobby, in dieser Band zu spielen. Wobei das an sich schon ein ganz schön ambitioniertes Hobby ist“, sagt von Twistern und Marco Heckler, Bassist der Band, ergänzt: „Schon alleine deswegen, weil unser Zeitmanagement so verdammt problematisch ist und vier Musiker mit Familien und Jobs nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind.“ Und dennoch haben sie es geschafft, aus eigener Kraft, 20-30 mal im Jahr auf der Bühne zu stehen und so ihrer Leidenschaft zu folgen. Die Einnahmen, so von Twistern, wanderten direkt in eine Bandkasse, aus der dann die Studiozeit für die Albumaufnahmen finanziert würde. „Die ist jetzt allerdings radikal leer geräumt, damit wir die neue Platte produzieren konnten.“

Deutschsprachiger Emo/Punk

Viel harte Arbeit steckt in der Platte, die die Band in Eigenregie aufgenommen hat und die elf rau daherschrammelnde Songs enthält, die irgendwo zwischen At The Drive-In und Taking Back Sunday, zwischen Punk, Hardcore und Emo pendelt und dabei dank der deutschen Texte unglaublich eigenständig und ungewöhnlich klingt.

Dabei vertextet von Twistern hauptsächlich subjektiv gefärbte Eindrücke des Großstadtlebens und wie er sich darin zurecht findet. „Ich komme vom Land und war von der Stadt fasziniert, es war alles spannend und neu, als ich hier her gekommen bin. Auf unseren älteren Songs ist das so eine Art ‚Coming of Age‘ in den Texten. Auf ‚Treibeis‘ versuche ich alles unter der Klammer ‚Identität‘ zu sehen und Wege zu finden mein Leben in Einklang zu bringen, alles unter einen Hut zu bekommen. Insofern wohl immer noch ‚Coming of Age‘, auch wenn das mit Anfang Dreißig etwas seltsam klingt.“ Von Twistern kann sich die Haltung des Großstadtpoeten erlauben und bringt sie überzeugt rüber. Denn zugleich steckt auch der sorgende Familienvater in ihm. Die Musik ist nur ein Teil, neben Familie und Beruf. Das ist nicht schizophren, das ist „Größenwahn als Hobby“, wie er sagt.

Captain Planet – „Treibeis“

Ursprünglich erschienen im Piranha 10/2012.