Eigentlich haben die vier Schweden von The Durango Riot bereits vor fünf Jahren ihr Debütalbum veröffentlicht, doch mit dem neu erschienen „Backwards Over Midnight“ fühlen sie sich wieder wie Newcomer. Alles ist so schön neu.

Musikzitate und der Schlüssel zum Sound

„Wir sind zwar immer noch die selben Menschen“, sagt Fred Andersson, der Sänger und Gitarrist von The Durango Riot, „ aber wir sind eine komplett andere Band.“ Damals vor fünf Jahren, da waren sie vor allem erstmal Musikfans und haben sich im Songwriting-Prozess ständig Platten vorgespielt. „Wir sind richtige Musiknerds und haben nach tollen Elementen in anderer Leute Musik gesucht und die dann in den Durango-Stil umgesetzt. Das kannst du dem Album noch genau anhören. Da sind lauter Zitate drin. Jetzt machen wir das nicht mehr. Wir suchen jetzt nach dem Schlüssel zu jedem Song, nach dem eigenen Zugang.“ Gänzlich falsch scheint der ursprüngliche Ansatz aber nicht gewesen zu sein, denn eines Tages kam eine Email, die die Band überwältigt hat. „Wir haben gedacht, da will uns jemand verarschen. Es hat eine Zeit gedauert, bis wir davon überzeugt waren, dass tatsächlich Joe Baresi unser Debüt gehört hatte und nun ein zweites Album mit uns produzieren wollte.“ Der Produzent aus Los Angeles, der schon mit Queens of the Stone Age und Tool gearbeitet hat, bot der Band eine Kooperation an und so dauerte es nicht lang bis die ersten Demos über den Atlantik geschickt wurden und kräftig am Material für das zweite Album gefeilt wurde.

Alles anders in L.A.

„Als wir dann nach Los Angeles geflogen sind, um die Aufnahmen zu machen, da war das wie ein Studienaustausch. Wir haben so viel gelernt und waren zum ersten Mal in einem richtigen Studio und da saß eine Musiklegende und hat uns produziert. Wir waren so beeindruckt und haben uns wie unreife Fans aufgeführt.“ Andersson ist immer noch total begeistert von der ganzen Atmosphäre und meint, die Arbeit an „Backwards“ sei mit dem Debüt „Telemission“ nicht zu vergleichen gewesen: „Damals waren wir in einem lokalen Studio hier in Schweden und haben die Aufnahmen selber produziert. Wir sind reingekommen, haben drauf los gedroschen und dann hat ein Techniker uns abgemischt. Das Album klingt nach Kindergarten, total rau, völlig chaotisch und ist halt ein typischen selbstproduziertes Debüt.“

Dagegen vereint das neue Album gekonnt Andersson’s gezogenen Gesang mit einem amerikanisch anmutenden Soundkostüm zwischen Sleazerock, Punk und klassischem Rolling Stones-Stil. Jeder Drumschlag sitzt perfekt, die Gitarrenwände füllen den Raum und die Songs haben einen druckvollen Klang. „Wir haben uns komplett neu musikalisch eingekleidet, wenn du so willst. Und haben dabei gefunden, was jede Band sucht: uns selbst, unseren Sound. Wir sind brandneu. Alles, was vorher war, ist so weit weg, dass ich dazu keine Verbindung mehr habe. Dieses Album fühlt sich einfach nach dem Debüt an, das wir hätten machen wollen, wenn wir uns damals unserer Musik schon bewusst gewesen wären. Es ist großartig, wir sind die Underdogs, die Newcomer und können mit dem Album der ganzen Welt zeigen, wie großartig unsere Musik ist.“

The Durango Riot – „Backwards over Midnight“

Ursprünglich erschienen im Piranha 10/2012.