Game-Tipp: Ridiculous Fishing (iOS)

Angeln mal anders: Seit ein paar Tagen ist im Netz ein neuer Trend ausgerufen worden. Seither geht man Angeln. Aber nicht in der Variation mit Ruhe und Besinnlichkeit in der Natur: Der beschauliche Freizeitsport wird in der Kult-App „Ridiculous Fishing“ (2,69 Euro) für das iPhone und iPad zum süchtig machenden Extremsport für Handy-Akrobaten.

Spätestens alle paar Monate verschlingt der ewig hungrige Zeitgeist einen neuen Trend und verteilt ihn an seine Kinder. Und so durchkämmen Trendscouts wie auch allseits informierte Hipster immer wieder das Internet auf der Suche nach dem neuen Ding, nach dem nächsten Hit. Eine Rubrik, die dabei gerne für einige Stunden Ablenkung vom Alltag verspricht sind Spiele. Gerade die kleinen Entwickler haben dabei dank iPhone und Co. in den letzten Jahren häufiger mal für Furore sorgen können und so manchen Trend ins Rollen gebracht. Wer erinnert sich nicht mit Freude an so verrückte Kultspiele wie die „Angry Birds“ (Physikpuzzle, 0,89 Euro), „Fruit Ninja“ (Geschicklichkeit, 0,89 Euro), „Temple Run“ (Action, kostenlos) oder den riesigen Erfolg von Minecraft (Aufbau-Simulation, 5,99 Euro) – von denen es jeweils sogar kostenlose „Lite“-Versionen zum Austesten gibt.

Neuster Kulthit: Angeln für Aggros

Brandneu und schon jetzt auf bestem Wege ein ebensolcher Kulthit zu werden ist das gerade für iPhone und iPad erschienene Angelspiel „Ridiculous Fishing“. Wobei die Beschreibung „Angelspiel“ hier vielleicht irreführend sein mag. Vielmehr wartet das Spiel mit einer eher ungewöhnlichen Fischfang-Technik auf und bietet einen endlosen und süchtig machenden Spielspaß. Billy, der Protagonist des Games ist ein typischer Angler, dem das stoische Warten auf anbeißende Fische irgendwann auf den Nerv geht, so dass er zu kreativeren Mitteln greift. Um „lächerlich zu angeln“, wie es im Titel so schön heißt muss man laut Billy drei Dinge beherrschen. Auswerfen, Einholen und Abschießen – ja, Sie haben richtig gelesen: Abschießen. Aber schön der Reihe nach.

Die drei Stufen zum Erfolg

Bevor Sie zur Schusswaffe greifen nehmen Sie zuerst die Angel. Auswerfen ist ganz einfach: Durch das Kippen des Handys lassen Sie das Bleigewicht immer tiefer ins Wasser sinken. Doch Vorsicht, meiden Sie die Fische, denn hat mal einer angebissen, sinkt ihr Köder nicht weiter und Sie müssen die Schnur wieder einholen. Entsprechend lavieren Sie den Köder möglichst tief ins Nass, um dann in Schritt Zwei auf die selbe Art alles wieder einzuholen. Nur diesmal wollen Sie natürlich die Fische am Haken haben. Also, schick das Handy gekippt, mal links, mal rechts und möglichst viele Fische angehängt. Fertig ist die Angelei – nein, nicht in diesem Spiel. Der dritte und alles entscheidende Schritt ist, wenn Sie die Fische aus dem Wasser ziehen, dann fliegen diese im weiten Bogen in die Luft. Genügend Zeit also, um die Knarre auszupacken und alles Gefangene zu durchlöchern. Warum? Keine Ahnung, aber nur so gibt es Punkte dafür. Also, tippen Sie auf den Bildschirm und pusten Sie den Fisch aus der Luft.

Skurrile Technik und wilde Extras

Wie Sie sehen, die Story ist nicht zentral. Der Spaß entsteht durch die ständige Herausforderung tiefer zu angeln, neue Fischarten zu finden (es gibt 66 Arten), neue Gebiete (vom heimischen Teich bis zur exotischen Tiefsee ist alles drin) zu entdecken und immer neue skurrile Techniken auszuprobieren. Jeder gefangene und erschossene Fisch gibt nämlich Geld und das kann man im Shop gegen clevere neue Extras eintauschen. Da wären längere Angelschnüre und bessere Gewichte, um schneller in tiefere Regionen zu kommen, neue Waffen, um effektiver Fischmehl zu fabrizieren (Schrotflinte, Uzi, Minigun etc.) oder Extras wie Stromstöße, damit nicht gleich der erste Fisch das Einholen auslöst. Und entsprechend wird das Fischen mit neuen Werkzeugen leichter, man kommt in tiefere Gebiete, findet neue Fische und jagt weiter nach neuen Rekorden. Und genau da liegt der hohe Sucht- und eben Kultfaktor, denn ein kurzes Spiel wird so schnell zum stundenlangen Vergnügen. Das hat auch die Hipster-Gemeinde erkannt und geht nun also „lächerlich angeln“ – ein Trendsport ist geboren.

Ursprünglich in editierter Version im Tagesspiegel erschienen.