Substanz statt Optik

Was sind die grundlegenden Bedingungen für gute Musik? Was zählt wirklich? Beantwortet man diese Frage im Hinblick auf die aktuelle Popmusik, dann scheinen Äußerlichkeiten und Showeinlagen einen großen Anteil zu spielen. Nicht so bei Conditions.

Sie haben sich selbst sogar danach benannt – Conditions, englisch für Bedingungen. Für Brandon Roundtree sind die heute gültigen Bedingungen für Erfolg das Problem der Popmusik: „Nimm doch mal jemanden wie Ke$ha, da ist von Talent wohl eher weniger die Rede. Die hat eine Show und verkauft sich gut, aber die Musik, die entsteht im Studio dank genialer Technik.“ Dass die Musik nicht mehr zentral ist und nur noch das Image eines Künstlers zählt, dagegen wehren sich die Conditions. Sie wollen mit Musik und Aussage überzeugen. Dabei ist Roundtree alles andere als schüchtern und unansehnlich. Mit seinen breiten Schultern und dem All-American Sonnyboy-Image flirtet und witzelt sich der Sänger der Band durch seine Interviews. Er sei ein grundweg positiver Mensch, sagt er, solange genug Alkohol da sei, sei die Welt doch wunderbar. Das Zwinkern in seinen Augen verrät, dass nichts wirklich ernst gemeint ist, was er hier sagt. „Wir sind Musiker, wir lieben es, wenn die Menschen in der ersten Reihe unsere Songs mitsingen können. Wenn die Körper schwitzen und die Menschen im Takt zu unserer Musik tanzen.“ Solche Aussagen könnte man wohl auch von Ke$ha hören, doch immer wenn das Thema der musikalischen Botschaft aufkommt, wird Roundtree ruhiger, ernster. „Ich würde mir wünschen, die Menschen würden damit aufhören, Musik mit den Augen zu hören. Ich meine mal ehrlich, warum ist das so wichtig, wie ein Musiker aussieht. Viel wichtiger ist doch, was er zu sagen hat und was er in seinen Songs vermittelt. Das steht für uns an erster Stelle. Und ja, wir sind albern und haben viel Spaß – hier hinter der Bühne und als Privatmenschen. Aber wenn wir auf der Bühne stehen, dann sind wir fokussiert und wollen wirklich etwas vermitteln.“

So wie mit ihrem neuen Album „Full of War“, in dem die Band all die Konflikte untersucht, die ein Leben tagtäglich zu bestehen hat. Es geht um den Krieg in uns allen, in jeder Entscheidung, in jedem Widerspruch, mit dem wir leben müssen. Textlich lässt das Album viel Raum zur Interpretation, bietet jedem einen Ansatz, sich und seine eigenen Konflikte wiederzufinden. Doch auch die großen Kriege werden behandelt, wie Roundtree ergänzt: „Es gibt zwei Kriege, die es mir besonders angetan haben: den mit Waffen ausgefochtenen, und den der Symbole, wie in der Religion. Ich selber habe gesehen, wie ein Mensch durch das Kreuz als Symbol sich völlig von allem um ihn herum gelöst hat. Wie er ein anderer Mensch geworden ist und in den Krieg gegen seine Familie und Freunde gezogen ist. Symbole können genauso als Waffen eingesetzt werden.“ Doch auch wenn der Krieg überall ist, wenn Konflikte ein Teil unserer Existenz sind, so die Conditions, ist doch überall auch Hoffnung auf eine Lösung. Mit ihren Songs jedenfalls wollen die vier Musiker dazu beitragen, die Probleme zu erkennen und Wege aufzeigen, wie man ein besseres Leben führen kann.

Conditions – „Full of War“

Ursprünglich erschienen im Piranha 06/2013