Das Brüllen der Lämmer

In heutigen Zeiten sind sie selten geworden, die politisch Inkorrekten. Selbst streitsüchtigste Menschen achten darauf nicht das Falsche zu sagen, es könnte ja einen Skandal auslösen, gerade wenn es um Religion geht. Und Religion war im Metal-Bereich schon immer ein beliebtes Thema. Auch für die amerikanischen Metaller von Lamb Of God ist Religion ein Pulverfass, doch für Sänger Randy ist es dabei egal, wohin er sein Streichholz zielt: „Christen, Islamisten, Juden, es ist doch egal, welche Religion. Jeder, der diese Dinge zu eng sieht ist doch bescheuert. Wenn du spirituell sein willst, dann ist das ok, aber diese Organisationen sind alle beknackt. Aber warum soll ich mich aufregen, lass sie sich doch gegenseitig in die Luft sprengen.“ Mit solchen Sätzen, die sich auch in den Texten auf „Sacrament“, dem vierten Studioalbum der Lämmer Gottes wiederfinden, schmeißt Randy gerne mal um sich. Gezielte Provokation steht auf dem Programm, verpackt in aggressiven und klar nach vorne treibenden Metall. Und ganz nebenbei fordert Randy dann, die Menschheit gleich zu dezimieren: „Mann, Menschen sind scheiße! Sie ruinieren die Welt, sind nutzlos und total selbstsüchtig. Die meisten sollte man loswerden.“ Aber warum dann überhaupt Musik machen und versuchen, es den Leuten zu erklären? Randy lacht, weil er sich des Widerspruches bewusst ist: „Weil ich auch selbstsüchtig bin, und ein paar gute Menschen gibt es ja. Außerdem liebe ich es halt, meine Wut in die Welt zu schreien.“ Und wenn man nebenbei noch ein paar Leuten auf die Füße treten kann, bringt das Ganze gleich doppelt so viel Spaß.

Der Artikel ist erschienen im Piranha Magazin Ausgabe 11/06.