Kennen Sie sich aus bei Tribals, Dotwork, Scratchern oder Sleeves? Wissen Sie, was die Begriffe bedeuten und worum es beim Tätowieren geht? Wenn nicht, dann erklärt Ihnen PERFECT INK hier die wichtigsten Begriffe.

Definition

Eine Tätowierung, aus dem Englischen übernommen auch Tattoo genannt, ist ein in die Haut zumeist mit Hilfe von Nadeln und Farbmitteln eingebrachtes permanentes Motiv. Wichtig ist dabei die Stichtiefe, bei der die zweite Hautschicht gefärbt wird, so dass die Farbe ohne Komplikationen in der Haut bleibt. Eine Tätowierung in der obersten Hautschicht würde mit den Hautzellen abgestoßen und somit „ausbleichen“, während eine zu tiefe Tätowierung zu Blutungen führt und die Farben „auslaufen“ lässt.

Begriff

Auch wenn der Begriff „Tätowierung“ (wie auch „Tattoo“) sich aus dem polynesischen Begriff „tatau“ entwickelt hat, weiß man heute doch, dass die Hautkunst ein weltweites Phänomen bei Naturvölkern war, und sich beispielsweise schon der 5000 Jahre alte Ötzi mit Farbe Markierungen in die Haut geritzt hatte. Das Stechen oder Ritzen der Haut aus religiösen, ästhetischen oder sozial kennzeichnenden Gründen ist also weit verbreitet und so ließen sich historisch gesehen die Maori, die Ureinwohnern Japans, die antiken Ägyptern aber auch die Pikten (Schottland) oder die Skythen (Russland) zeremoniell tätowieren.

Technik

Die Techniken der Einbringung variieren dabei ebenso, wie die genutzten Materialien. Bei den Maori wurde das tatau beispielsweise mit aus Knochen hergestellten Kämmen an langen Stäben und mit Aschefarben unter die Haut gestochen. Die traditionelle japanische Methode nutzt dünne Nadeln an Bambusstäben, die manuell in die Haut gestochen werden und so eine sehr präzise Arbeit zulassen. Bei uns ist hingegen die Tätowiermaschine mit elektrischem Antrieb am häufigsten verbreitet. Hierbei werden zusammengelötete Nadeln (Anzahl und Stärke der Nadeln variieren nach Motiv und Art des Tattoos) mit einer Geschwindigkeit von irgendwo zwischen 800 und 4000 Stichen pro Minute automatisch in die Haut gestochen. Inzwischen gibt es spezielle Tätowiertinte, die europaweit einer Prüfung unterliegen und somit gesundheitlich unbedenklich sind.

Lexikon

Arschgeweih: Der verunglimpfende Name einer Tätowierung auf oder über dem Steiß. Ende der 1990er Jahren besonders häufig bei jungen Frauen zu finden gewesen, insbesondere als symmetrisches schwarzes Tribal-Muster (in Form eines „Geweihs“ über der Po-Ritze). Das Tattoo galt aufgrund der großen Beliebtheit schnell als Modetrend und wurde deswegen verspottet.

Asia: Asiatische Tattoo sind vornämlich farbig und ineinander vermischt, so dass keine klaren Abgrenzungen zu erkennen sind. Beliebte Motive sind Götter, Dämonen, Drachen und Tiere (u.a. der berühmte Koi-Karpfen).

Back- bzw. Chestpiece: Eine Tätowierung, die den gesamten Rücken oder die gesamte Brust in einem Stück abdeckt, also vollständig ausfüllt. Motive und Stile können hier variieren.

Blackwork: Generell jede Art von Tätowierung, die vollständig aus rein schwarzer Farbe erstellt wird und auch auf graue Schattierungen verzichtet. Viele Tribals werden traditionell in Schwarz gestochen, es gibt aber weit mehr Motive und Varianten des Blackwork.

Blowout: Tätowierungen werden in einer ganz bestimmten Hauttiefe aufgebracht, die ideal für den dauerhaften Verbleib ist. Sticht der Tätowierer zu flach, bleibt die Farbe nicht in der Haut und verblasst. Sticht er jedoch zu tief, kann es zu einem ungewollten Verlaufen der Farben kommen. Diesen Effekt nennt man Blowout.

Bodysuit: Als Bodysuit bezeichnet man eine Tätowierung, die den ganzen Körper wie ein Anzug bedeckt, ausgenommen sind hier also die Hände, Füße und der Kopf. Bodysuits stammen aus Japan. Aber Achtung, dort werden Tattoos traditionell von der Yakuza, der japanischen Mafia, als Statussymbole getragen: ein Bodysuit bedeutet eine wirklich erfolgreiche Karriere.

Celtic: Diese Motive sind eine Teilgruppe der Tribals und beziehen sich auf Ornamente der keltischen Stämme. Diese sind meist abgeschlossen und spielen oft mit verflochtenen Knoten und geometrische Formen in starker Symmetrie.

Con / Convention: Wie auch bei anderen Fan-Veranstaltungen sind Conventions oder Messen regelmäßig abgehaltene Treffen der Szene, bei denen man Tattoos zeigt, sich über neueste Trends informiert und spezielle Künstler treffen kann, die sonst nicht vor Ort leben.

Cover Up: Ob Jungendsünde oder Geschmacksverirrung – bevor es Laser-Entfernung gab, blieb nur eine Möglichkeit das hässliche Ding loszuwerden: das Übertätowieren mit einem anderen Motiv. Diese verdeckende Arbeit nennt man Cover Up, und nur wahre Tattoo-Künstler beherrschen sie so, dass man hinterher nichts mehr sieht.

Dotwork: Eine Tätowierung, die nicht vollständig ausgefüllt wird, sondern aus unendlich vielen kleinen Punkten zusammengesetzt ist und so ein Gesamtbild ergibt. Statt Flächen auszufüllen, werden hier Punkte zu Mustern gereiht.

Ink: Englischer Begriff für Tinte, steht sinnbildlich für jegliche Form der Tätowierung. Eingedeutscht wird der Begriff als „Inken“ für das Tätowieren benutzt, das alternativ gerne auch als „Stechen“ bezeichnet wird.

Kanji: Bezeichnung für chinesische Schriftzeichen, die zu den beliebtesten Tattoo-Motiven überhaupt zählen. Wichtig: auch die japanische Schrift verwendet chinesische Zeichen.

Knast: Als Knast-Tätowierungen bezeichnet man zumeist krude, nicht mit einer Maschine gestochene Tätowierungen, die den Träger als Häftling identifizieren und die häufig gegen seinen Willen angebracht waren. Andere Häftlinge stachen kleiner Punkte oder Symbole an prominenten Stellen wie Hände oder Gesicht, um jemanden zu brandmarken.

Lettering: Als Lettering bezeichnet man eine Tätowierung, die aus Schriftzeichen besteht. Gerne genommen sind hier Namen (z.B. der Kinder, der Heimatstadt) oder aber Zitate und Aphorismen. Bei diesen Motiven sollte man besonders sicher sein, ob man sie sich stechen lassen möchte.

Manga: Modernere Variation der Asia Tattoos, die im selben Stil aber mit anderen Motiven gestochen werden. Hier werden vor allem japanische Comic-Motive gewählt, insbesondere die Hauptcharaktere der Comics,  etwa Kriegerfiguren, Drachen, Helden.

Moko: Traditionelle Tätowierungen der Maori aus Polynesien. Aufbauend auf Spiralformen werden diese Tattoos für bestimmte Leistungen im Stamm angebracht. Berühmt sind sie im Westen vor allem, weil sie oft auch im Gesicht gestochen werden.

New School: Dies ist eine Variation der Old School, bei der moderne Motive, insbesondere aus der Popkultur im Stile der alten Traditionals gestochen werden. Motive könnten etwa aus dem TV oder Filmen entliehen sein.

Old School: Diese auch Traditionals genannten Motive waren bis 1970 insbesondere bei Seeleuten beliebt und umfassen vor allem nautische Motive aber auch Pin-Up Girls, Herzen, Banderolen, Kreuze und Tiere wie Schwalben oder Tiger. Stilistisch sind Old School Tattoos kräftig schwarz umrandet und sehr farbenfroh.

Scratcher: Ein Tätowierer, der keine „ordentliche“ Ausbildung hatte und nicht nach mittlerweile üblichen Standards arbeitet. Dadurch kann es schnell zu Fehlern in der Stichtiefe oder bei der Hygiene kommen. Früher in jeder Hafenspelunke zu finden, gelten Scratcher heute als schwarze Schafe der Branche. Unbedingt meiden!

Shader/Liner: Man unterscheidet beim Stechen mit der Tätowiermaschine zwei unterschiedliche Techniken. Lines (also Außenlinien) werden mit weniger Nadeln und einer höheren Geschwindigkeit gestochen, hier spricht man vom Liner. Als Shader bezeichnet man einen größeren Fächer, der für das „Ausfüllen“ flächiger Tattoos benutzt wird und der mit geringerer Geschwindigkeit betrieben wird.

Sleeve: Eine Tätowierung, die den gesamten Arm abdeckt. Sie umfasst üblicherweise alle Seiten des Arms (auch innen), aber nicht die Hände, und wird meist mit einem Ansatz an der Schulter gestochen. Motive und Stil können variieren.

Tat-Gun: Bei uns werden zum Tätowieren spezielle elektrische Maschinen benutzt, die man auf aufgrund ihrer Form auch gerne als Gun oder Pistole bezeichnet. Bei den meisten Guns kann man unterschiedliche Geschwindigkeiten (ca. 800 Stiche pro Minute für Shader und bis zu 7000 Stiche für Liner) und Stichtiefen einstellen. Alternative Tattoo-Techniken werden weltweit verwendet (s. Kasten rechts).

Tribal: Eines der beliebtesten Tattoo-Motive weltweit. Besteht heutzutage meist aus ornamentalen Mustern ohne tiefere Bedeutung. Traditionell wurden diese Motive bei Stammesvölkern wie den amerikanischen Ureinwohnern oder den Maori aber mit symbolischer Bedeutung aufgeladen und zeigten einen bestimmten Status, wie etwa die Volljährigkeit an.

Alternative Tattoo-Methoden

Ink Rubbing: Ist eine Form des „self-made tattoo“ und wird gerne in der der S/M-Szene von Fans des rituellen Vernarbens verwendet. Hierbei schneidet oder kratzt man sich Motive mit Nadeln oder Rasierklingen in die Haut und reibt dann Farbe (etwa Tattoo-Tinte oder auch Asche) in die Haut. Die entstehende Narbe wird dann farbig eingefärbt.

Nadel & Faden: Ebenfalls eine Form des „self-made“, bei der die Tätowierung mittels einer herkömmlichen Nadel und eines in Tinte getränkten Fadens unter die Haut gebracht wird. So wurden beispielsweise unter Punks Tattoos angebracht, weil diese kein Geld hatten, um sich professionell stechen zu lassen.

Tätowierkamm: Bei den Maori wird mit einem Tatau-Kamm die Farbe unter die Haut gebracht. Hierfür verwendete man traditionell Knochen, die spitz zugefeilt auf einer Holzplatte angebracht waren. Bei dieser Technik werden die „Nadeln“ aber nicht gestochen sondern eher geschlagen, um die aus Asche und Wasser gemischte Farbe einzubringen. Heutzutage sind durchaus auch Metallkämme üblich.

Bambuspinsel: In der japanischen Tätowier-Tradition werden die Nadeln am Ende eines langen Stabes, meist aus Bambusholz, in der Form eines Pinsels befestigt, und die Tätowierung wird dann per Hand in die Haut gestochen. Diese Technik ist äußerst schwierig zu beherrschen, gilt aber unter Puristen nach wie vor als die präziseste Tattoo-Art.

In editierter Form erschienen in Perfect Ink #1.2013