Redakteure sind gerne mal von der abgebrühten Sorte. Da wird zynisch und gelangweilt das neueste Medienprodukt beurteilt und gekonnt der Reich-Ranicki-Ton angeworfen. »Been there, done that – blah, blah, blah.« Wenn aber ein heißersehnter Triple-A-Titel ansteht, der noch dazu eines der größten Comic-Franchises der Welt repräsentiert, dann kommt auch im hartgesottensten Kritiker schnell mal der Fanboy bzw. das Fangirl hoch und selbst die souveränsten Schreiber rutschen unruhig auf den Kinositzen hin und her. Beim letzten Preview-Event für »Batman: Arkham Origins« jedenfalls war diese pseudo-pubertäre Erregung deutlich zu spüren.

Der Fokus der 45-minütigen Präsentation lag dabei vor allem auf der Charakterentwicklung des Helden, dessen frühe Jahre im neuesten Teil der Reihe vom Spieler erkundet werden können. Spielmechanisch hat sich zu den Vorgänger-Titeln zwar wenig verändert ­­– bis auf einige neue Gadgets dürfte hier kaum Überraschendes zu erwarten sein – aber das ist ja auch nicht schlimm, bot »Batman: Arkham City« doch eine hervorragende Spielerfahrung.

Die Lehrjahre eines Superhelden

Die Innovation und der Reiz von »Arkham Origins« dürfte eher im Weg des Protagonisten liegen. Das Spiel begleitet Batman in seiner Wandlung vom Selbstjustiz übenden Verbrecherjäger zum Superhelden mit ehrbarer Mission. Im ersten Abschnitt der Preview stand entsprechend die Beziehung zu Butler Alfred im Zentrum, der als vorläufig einziger Verbündeter direkt Einfluss auf Master Bruce nimmt und ihn auf moralische Werte und soziale Verantwortung hinweist. So scheut der gute Geist auch nicht davor zurück den jungen Schnösel zu maßregeln, er solle die Polizei von Gotham lieber nicht zu brutal vermöbeln, diese seien schließlich prinzipiell auf Batmans Seite. Auf der Story-Ebene wird so die Entwicklung des Dark Knight durch Dialoge vorangetrieben.

Im zweiten Abschnitt dann zeigte sich, wie auch spielmechanisch eine Entwicklung der Figur gewährleistet werden soll. Die Kämpfe mit den acht Superschurken, die es auf das Leben der Fledermaus abgesehen haben und für die stellvertretend Death Stroke ins Preview geschickt wurde, sind nämlich direkt an die Lernkurve des Spielers angepasst und fordern immer genau die Spielmechanik als notwendig für den Sieg, die zuvor neu erlernt wurde. Entsprechend muss Batman Death Stroke durch gekonntes Blocken so lange hinhalten, bis sich eine Lücke in dessen Verteidigung ergibt. Aber dann gibt’s richtig Dresche.

Und so soll sich Batman über den Verlauf des Spiels, in dem es gleich doppelt so viel zu tun gibt, wie in »Arkham City«, vom egoistischen Rächer zum wahren Helden mausern. Wie gut dies wirklich gelingt, konnten wir vor Drucklegung der Ausgabe nicht mehr in Erfahrung bringen, aber zum Release des Spiels am 25. Oktober stellen wir euch einen ausführlichen Test auf unserer Website vor und liefern dort alle Details zu »Batman: Arkham Origins« nach.

Ursprünglich erschienen im PS3M 11/2013.