„Mehr tot als wach…“

Nein, mit dem amerikanischen Kinofilm des selben Namens hat das neue Megaherz-Album „Zombieland“ nicht viel zu tun. Den Neue Deutsche Härte-Vorreitern hat die untote Optik einfach gefallen, um so ihre Botschaft eindrücklich zu vermitteln.

Er stehe zwar auf Horrorfilme, so Alexander ‚Lex‘ Wohnhaas, aber nicht speziell auf Zombies und überhaupt gehe es beim Titel weniger um die unersättlichen Wiedergänger als mehr um uns als Gesellschaft. „Hast du dir mal die Leute in der Straßenbahn angeschaut und wie die miteinander umgehen? Oder Liebespaare heutzutage? Die schauen sich nicht mehr in die Augen, sondern starren stumpf und tot auf ihre Mobiltelefone. Wir sind ständig online und haben dabei komplett unsere Menschlichkeit verloren. Wie Zombies laufen wir durch die Welt.“ Für Lex ist das ein guter Grund die Leute wachzurütteln. „Die Menschen werden darauf getrimmt sich bloß nicht mehr umzuschauen. Entweder man ist total durchorganisiert und passt sich an, oder man wird schnell als ‚asozial‘ abgestempelt, weil keine Perspektive da ist.“ „Mehr tot als wach“, heißt es im Song. Und was passt da besser als die beliebte Popkultur-Figur zum Motto des Albums zu erklären? „Naja, es ja jetzt nicht so, dass wir ein Konzeptalbum geschrieben hätten. Im Gegenteil, ich kann Konzeptalben nicht leiden. Die würden mich inhaltlich viel zu sehr einschränken. Ich schreibe lieber gute Songs und möchte davon so viele wie möglich auf dem Album haben – ohne das Korsett eines thematischen Überbaus. Aber tatsächlich war die Optik und die Symbolik des Zombie so spannend, dass wir gerade ein Video zu ‚Für Immer‘ gedreht haben, das diese Optik wieder aufgreift. Quasi ein Zombie-Lovesong-Video.“

Insgesamt, so Lex, sei das Album aber eben keineswegs nur negativ und düster – dafür sei er zu optimistisch und wolle der Band auch neue Wege eröffnen: „Für mich ist ein wichtiger Teil der Botschaft eben auch, dass man an sich glauben soll. Das haben wir uns auch musikalisch zu Herzen genommen.“ Die neue Single sei ein solcher Song, der neue Wege geht. „Das Album ist wie ein Befreiungsschlag aus der Stagnation des Genres. Wir wollten uns ausprobieren und entwickeln. ‚Für Immer‘ ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Song des Albums, da ich dort sogar das eherne Gesetz des tiefen Gesangs breche. Ich habe eine Reichweite von drei Oktaven. Nun kann ich das endlich mal ausnutzen.“ Angst vor der Entfremdung seiner Fans hat er nicht, sieht sich statt dessen als Vorreiter: „Im Bereich Neue Deutsche Härte gibt es wenig Bewegung. Zwar entstehen ständig neue Bands, nur kommt keine von denen auf die Idee die Großen der Szene mal vom Podest zu stürzen. Also müssen wir das eben selber machen. Neue Wege gehen und Dinge riskieren.“ Ausgerechnet den Zombie mit seiner Wiederkehr aus dem Reich der Toten als Symbol dafür zu wählen, werten wir dann einfach mal als Selbstironie – und das verbindet „Zombieland“ dann doch mit dem gleichnamigen Film.

Megaherz – „Zombieland“

Ursprünglich erschienen im Piranha 11/2014