In voller Länge

Manchmal ist das Ganze eben doch mehr als seine Teile. Sam Healy, Frontmann der Ediburgher Avantgarde-Electro-Rocker North Atlantic Osciallation findet den aktuellen Trend zu immer kleineren Einheiten problematisch: „Auch wenn ich die neuen Technologien durchaus zu schätzen weiß, so besorgt mich dieser Trend. Twitter hat nur 140 Zeichen, Vine hat nur 6 Sekunden – alles wird kürzer und kleiner. Aber manche Botschaften sind so wichtig, dass man sie eben nicht verkürzen und herunterbrechen kann, ohne dass dabei ein Teil der Botschaft verloren geht.“ Aus diesem Grunde ist „The Third Day“ kontinuierlich abgemischt und bietet mit seinen 10 Songs einen sanften Flow, der zwischen prog-rockigen Passagen und ambienter Elektronik pendelt. „Wir haben uns absichtlich dafür entschieden die Songs in einander zu verschränken, damit wir so die Leute dazu bewegen, sich dieser Entscheidung bewusst zu werden. Es gibt diesen Trance-artigen Moment, wenn man sich voll und ganz in einem Album verliert. Der entsteht aber nur, wenn es keine spürbaren Brüche zwischen den einzelnen Komponenten gibt. Mit ‚Third Day‘ wollen wir genau das erreichen.“ Und in der Tat bildet das Album, das nicht wie sein Vorgänger als Konzeptalbum geschrieben wurde und somit disparate Songs mit unterschiedliche Stimmungen in Einklang bringen muss, dank der instrumentalen Brücken eine musikalisch-künstlerische Einheit, die es lohnt, in voller Länge zu genießen.

North Atlantic Oscillation – „The Third Day“

Ursprünglich erschienen im Piranha 11/2014