2008 erschien das letzte Album der Backyard Babies, das ist ganze sieben Jahre her. Doch die Band hat in der Zwischenzeit einiges erlebt und vieles geschafft. Das hatte mit Rock’n’Roll meist allerdings nur im weitesten Sinne etwas zu tun.

„Zuerst mal, wir haben keine sieben Jahre Pause von der Band gemacht, sondern mehr so vier bis fünf. 2009 ist unser Jubiläumsalbum erschienen, dann haben wir exzessiv Touren gespielt, bestimmte ein bis zwei Jahre lang. Und 2014 haben wir im Sommer wieder angefangen zu schreiben. Die vier Jahre dazwischen haben wir Urlaub gemacht – nach 20 Jahren Arbeit und Touren doch wohl auch ok, oder?“ Dregen, Gitarrist der Band, lacht und beschreibt die Pause als eine Art Freizeit von den Backyard Babies. Die vier schwedischen Rocker brauchten Abstand von einander und Zeit für die eigene Entwicklung. Neben ein paar Soloprojekten waren es vor allem Familie, Vaterschaft, Heirat, das Heimischwerden die im Vordergrund standen. „Naja, normale Menschen tun so was ja auch, nur eben früher. Wir sind da Spätentwickler, machen das mit Anfang 40, aber es war wichtig für uns und die Band. Wir haben daraus Kraft getankt und sind mit ganz viel Hunger, endlich wieder gemeinsam Musik zu machen zurück gekehrt. Ich meine, das Coole am Älterwerden ist einfach, dass man die Dinge besser beurteilen kann, dass man mit ‚Erfahrung‘ und ‚Reife‘ auf alles blicken kann – oh Gott, wie ich diese Worte hasse.“ Dregen ist hin und her gerissen, aber es stimmt. Das Album zeigt die Band in ihrer neuen Reife. Die Songs sind erdig, rockig und zeugen von versiertem Songwriting. Vor allem aber sind sie keineswegs mehr so laut und brachial wie am Anfang ihrer Karriere.

Dregen hat auch dafür eine reife Erklärung, die er unter Lachen hervorbringt: „Naja, ‚Total 13‘ ist aus absoluter Frustration der Jugend entstanden, da war ich einfach sauer auf die Welt und habe den ganzen Scheiß ins Album gegossen. Und heute bin ich weder jung noch frustriert. Ich meine, beide Alben spiegeln die Schlaflosigkeit ihrer Produktionsphase wider. Aber die rührt heute nicht mehr vom Saufen und Feiern, sondern eher davon, dass mein Sohn noch nicht die Nacht durchschläft.“ Dregen meint, die Authentizität stehe im Vordergrund. Es ginge nicht darum, sich ewig jung zu geben sondern einfach man selbst zu sein. Und was ist mehr Rock’n’Roll als sich 4 Jahre Zeit zu nehmen für das eigene Leben und das Kind? Diese Freiheit, meint Dregen, das sei seine reife Version des Rock’n’Roll. Auf der Bühne, so sagt er, sei eh alles anders: Musikalisch machen wir immer noch dreckigen Rock. Und live geht es bei uns ab, du wirst nicht vier alte Säcke auf der Bühne sehen. Wir rocken heute mit mehr Energie als früher, weil wir einen Ort haben, wo wir auftanken können.“

Backyard Babies – „Four by Four“

Ursprünglich erschienen im Piranha 09/2015.