Bessere Zeiten

Seine formativen Jahre verbrachte Mariusz Duda, Kopf der polnischen Prog-Rocker Riverside, in den 1980er Jahren. Geprägt war das vor allem von der Entdeckung der Welt jenseits polnischer Limitierung: „In den 80er Jahren war es in Polen recht trist, weil es so wenig gab, aber das hatte auch den Vorteil, dass man alles ganz neu und erstmalig für sich entdecken konnte. Musikalisch etwa – wir saßen vor dem Radio und hörten The Cure, Peter Gabriel oder Depeche Mode. Das war unglaubliche Musik, so tiefsinnig obwohl es ja eigentlich nur Pop war.“ Er erinnert sich gern an die Zeit, sie hat ihn zu tiefst geprägt: „Damals war ich glücklich, keine Ahnung was zwischendrin passiert ist. Aber manchmal gibt es Momente im Leben, da muss du dich entscheiden wo es lang gehen soll. Ich habe mich entschieden, dass damals eine gute Zeit war, dass ich dieses Gefühl in mir wieder hervorrufen möchte. Auf dem neuen Album spürt man das, denke ich, recht deutlich.“ Und in der Tat ist „Love, Fear…“ anders als die letzten Alben. Die Songs sind kürzer, poppiger, kommen direkter und melodiöser daher. „Wir haben leichtere Musik geschrieben, waren optimistisch bei der Produktion und dieses Gefühl transportiert sich. Das ist wieder so unbeschwert wie beim Debütalbum. Ich habe mich geweigert, wieder in die dunkle Seite der Musik zu verfallen.“ Also ist „Love, Fear…“ zugleich Weiterentwicklung und Rückbesinnung auf die Jugend, sagt Duda: „Es ist unsere Verbindung zu dieser Zeit“.

Riverside – „Love, Fear and the Time Machine“

Ursprünglich erschienen im Piranha 09/2015.