Eigentlich hatte Don Miggs seine Hitsingle „Ordinary“ als Auftragsarbeit abgeliefert. Die Poppunk-Hymne war für Fallout Boy gedacht, doch die hatten unerwartet abgelehnt. Warum den Song also nicht für die eigene Band nehmen? „Das ist so gar nicht mein Stil für Miggs. Normalerweise schreibe ich Songs für mich, Sachen die komplex und voller Ideen sind. ‚Ordinary‘ ist mir viel zu simpel, da spiele ich auf der Gitarre ja immer nur die drei selben Akkorde. Aber unser Drummer Walker war begeistert, da konnte er endlich mal richtig loslegen. Der Song ist rhythmisch und voller Energie. Also haben mich die anderen überzeugt.“ Damit ist „Ordinary“ die erste Single der Band, die die Top40 der Mainstream Charts erobern konnte – bei sechs Alben. „Ich weiß auch nicht. Ich habe mein halbes Leben gebraucht, um zu begreifen, was es bedeutet meine eigene Musik spielen zu können. Immer dem Trend hinterher rennen hat nichts gebracht, und mit Miggs wollte ich einfach nur das machen, was mir gefällt. Ich brauche kein Rockstar zu sein, ich will gute Musik machen.“ Dabei waren die Entscheidungen nicht immer mit den Branchenweisheiten konform – Miggs spielen einen Sound, der auf Streamlining und Pop-Hooks verzichtet. Solide, handgemacht, authentisch – Miggs Songs sind tolle Rocknummern, für die es sich lohnt auch zwei- oder dreimal hinzuhören. Aber genau diese Anstrengung will und kann die Popbranche mit ihren iTunes-Klicks und Radio-Appeal nicht vermarkten. „So gehe ich nicht ans Leben heran, warum sollte ich das dann bei Musik so machen? Ich habe mich damit abgefunden, dass die Leute sich die Zeit nicht nehmen. Und ausgerechnet ‚Ordinary‘ ist jetzt der Song, der uns die Aufmerksamkeit dann doch beschert. Dabei geht es darin um die Masken, die man auflegt, um durch den Tag zu kommen. Und die Idee, dass man Leute mag für das was sie sind und eben keinen Druck aufbaut. Ist schon ironisch.“ Hauptsache aber ist, dass man Miggs jetzt wahrnimmt. Vielleicht erkennen ein paar Leute die Qualität ja auch abseits der Single.

Miggs – „Miggs“

Ursprünglich erschienen im Piranha 01/2016