„Meet the Rock Guy!“

Die Liste der Bands, die Helmet Anfang der 1990er Jahre mit ihrem schweren Riff-lastigen und tief-gestimmten Metalsound beeinflusst haben ist lang und kann mit Korn, Limp Bizkit oder Linkin Park nicht wenige Topseller aufweisen. „Wir haben damals ein Vokabular geschaffen“, sagt Page Hamilton, der Kopf der Band, „das bis heute im Metal genutzt wird. Aber dadurch habe ich mich auch in eine Ecke maneuvriert gesehen. Ich hatte lange das Gefühl, eins zu sein mit der Band, und wenn die Leute die Band kritisiert haben, wenn ihnen die Musik nicht genug nach ‚Unsung’ klang, dann habe ich das persönlich genommen.“ Sein Weg daraus war seine Vielseitigkeit, seine Liebe zu Jazz und klassischer Orchestermusik, die er in den Helmet-Pausen nutzt, um Filmscores zu schreiben. Dazwischen geht er als „Rock Guy“ an die Schulen der Umgebung und begeistert Schüler für Musik. Die Kids müssen ihn dann erstmal googeln, um zu verstehen, wer er ist. „Das macht nichts. Ich will gar nicht berühmt sein. Ich bin auch kein Seifenkistenpolitiker mit großen Reden – wenn ich die Welt Mensch für Mensch verändern kann, durch meine Musik oder auf der persönlicher Ebene, dann reicht mir das.“

Zuletzt aber verspürte Hamilton den Wunsch sich mit Helmet zurück zu melden. „Es ist ein Werk, das aus Leidenschaft entsteht. Helmet ist meine Sprache und mein Rhythmus – etwas, was mir der Jazz oder die Orchestrierung nicht geben können.“ Hamilton ist also bei weitem nicht „tot für die Welt“, wie das neue Album vermuten ließe, sondern liefert den Beweis, dass der Erfinder des Vokabulars sich dessen noch immer eloquent bedienen kann. Der typische Sound schwerer Riffs und die Lyrics voll kontrollierter Wut sind noch da und eindrucksvoller denn ja. Die Welt, so Hamilton, sei polarisierter denn je und das verarbeite er in den Songs: „Ich bin nicht pessimistisch, ich beobachte nur. Und daraus entstehen meine Songs, die hoffentlich den Leuten helfen.“

 

Helmet – „Dead to the World“