Erst Frankreich, dann die Welt

Nicht einmal zwei Jahre nach ihrem Debütalbum sind die Prog-Metaller Novelists mit ihrem zweiten Album „Noir“ zurück – düster, melodisch, kraftvoll. Hört man sich durch die zwölf Powermetal-Hymnen von „Noir“, so wird es selbst dem geschulten Ohr schwer fallen, die französische Herkunft der Band am Sound auszumachen. Deutlich erinnern die kraftvollen Riffs und treibenden Beats an skandinavische oder anglo-amerikanische Produktionen des Genres, zeigen die dunklen aber eingängigen Melodien ein Gespür für internationalen Appeal. „Die Entscheidung auf Englisch zu singen hat bei uns keine Diskussion ausgelöst“, erklärt Bassist Nicolas Delestrade, „weil wir einfach mit amerikanischen und englischen Bands aufgewachsen sind, mit der ganzen Metal-Kultur dahinter. Hinzu kommt, dass wir die französische Sprache einfach nicht mit Metal verbinden – das klingt falsch, passt nicht zusammen.“ Sie überlegen zwar als Experiment einen Song auf Französisch zu produzieren, doch im Moment stünde die Musik im Vordergrund, nicht die nationale Identität. „Ja, wir sind Franzosen und das gehört zu uns, aber wir denken immer erst daran, wenn die Musik da ist. Unsere Albumtitel sind ein Weg, das zu transportieren – „Souvenir“ und jetzt „Noir“. Die funktionieren international super und sind doch zugleich ein Hinweis auf unsere Herkunft. Und „Noir“ vermittelt auch gleich noch das Thema des Albums, wie ein Konzept.“

Musikalisch passt „Noir“ gut zum Sound, die Songs haben eine düstere Eingängigkeit, dunkel aber mit einem gewissen „Je ne sais quoi“, das auf das große Massenpublikum zielt. „Wir haben die Musik in den Vordergrund gestellt, es sollte nicht nur einem französischen Publikum gefallen, sondern international mithalten können. Wir haben uns viel Zeit gelassen, das Album auszuarbeiten. Haben an den Songs gefeilt und alles unter ein Oberthema gestellt.“ „Noir“ soll, so Delestrade, in vier Kapiteln den Weg im Umgang mit der Dunkelheit aufzeigen, wie die emotionale Bewältigung von Trauer in Schritte unterteilt ist. Entsprechend berührend und kraftvoll sind die Songs, die Sänger Matt Gelsomino geschrieben hat. „Eigentlich wollten wir Dunkelheit und Licht in den Songs aufgreifen, aber irgendwie ist Matt eher ein düsterer Mensch. Die helle Seite kann er nicht so gut beschreiben. Also mussten wir das musikalisch aufgreifen und durch die Melodien die positive Seite auf dem Album zeigen.“ Aber auch das – die eher melancholische Neigung der Lyrics – ist ja eigentlich nur ein beeindruckendes Zeichen dafür, dass der Sound der Band den skandinavischen Vertretern des Genres in keinem Deut nachstehen muss.

 

Novelists – „Noir“