Die 1960er Jahre waren eine Zeit der Experimente, politisch, sozial und eben auch kulturell – von psychedelischen Drogentrips inspiriert erlangten Rockbands wie die Doors oder Jefferson Airplane auch in Sachen Musik neue Ebenen der Wahrnehmung. „Die wilden Jahren der Counterculture haben eine unglaublichen Musikstil produziert, der den Menschen geholfen hat, sich selbst zu erfahren“, meint Thomas Corpse, der Gitarrist der finnischen Retrorocker Jess and the Ancient Ones. „Das könnte uns auch heute weiterhelfen: der Fokus und der Blick auf uns selbst. Das kann mit Hilfe von psychedelischen Substanzen funktionieren, oder eben mit psychedelischer Musik.“ So wie auf „The Horse and Other Stories“, meint Corpse, der mit seiner Band musikalisch Vergangenes neu entdeckt und für unsere Zeit umarbeitet: „Ich mag die alte Musik, aber ich will nicht einfach kopieren. Deswegen kombinieren wir Altes mit Neuem. Mir ist dabei Ehrlichkeit am wichtigsten, die fehlt heute gerne mal und findet sich im Alten noch. Wir wollen unsere Musik nicht überproduzieren, sondern uns auf unser Handwerk konzentrieren. Die menschliche Erfahrung soll man hören können.“ Musikalisch schlägt sich diese Grundidee auf dem Album nieder – analog produzierte Sounds von Gitarre bis Hammond-Orgel und ein erdiger Rockröhren-Gesang der namensgebenden Jess.

Fazit: Erdiger Rock mit psychedelischem Einschlag, der gut auch so in den 60er Jahren hätte entstehen können. Wer mit Sehnsucht zurück blickt, dem wird das Album auch heute gefallen.

Jess and the Ancient Ones

The Horse and Other Stories

Svart/Cargo