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Lieblingsplatz: Zuhause

Exzessives Touren ist ein Teil des Jobs für die meisten Musiker. Mit „Cigarette Secrets“ beschäftigt sich die schwedische Songwriterin Ellen Sundberg mit den Auswirkungen ihrer Berufswahl, vor allem wenn man aus der Heimat wegziehen muss.

„Meine Themen sind irgendwie immer noch die selben, wie auf dem letzten Album“, gesteht Ellen Sundberg zu ihrem dritten Album: „Es geht um die persönlichen Veränderungen durch das Leben als Musiker, nur eben mit etwas mehr Erfahrung. Ich habe viel getourt und dabei bekomme ich immer jede Menge Inspiration. Ich habe viel über das Leben in Bewegung nachgedacht, über das niemals Stillstehen. Und all die Menschen, die man trifft und die deine Perspektive verändern.“ Für Sundberg, die mit ihrem zweiten Album „White Smoke and Pines“ in ihrer Heimat Schweden den Durchbruch schaffte und seitdem als Ausnahmetalent des Songwritings gilt, bedeutete der Erfolg auch, dass sie für die Karriere ihre Heimat Östersund im spärlich besiedelten Norden des Landes verlassen musste. Kein leichter Schritt, den die Sängerin aber thematisch in ihren leichten, etwas aus der Zeit gefallenen Folkpop-Songs verarbeitet. So ist die erste Single „Favorite Town“, eine poppige Hymne mit Country-Einschlag, ihrer Heimat gewidmet: „Ich liebe das Leben in Östersund, es hat genau die richtige Größe. Ich kenne jeden Winkel und es gerade nah genug an allem dran, was ich benötige. Ich brauche die Natur drumherum. Jeder neue Song, den ich schreibe, muss vom Gefühl her zu diesem Ort passen – die Berge und Wälder drumherum. Da gehört meine Musik hin und dort fühle ich mich sicher und zuhause. Wenn alles andere mal nicht mehr klappen sollte, dann ist die Natur immer noch für mich da.“

Musikalisch bietet „Cigarette Secrets“ zehn Songs, die sich ebenso im nördlichen Schweden zuhause fühlen, wie in den Weiten des amerikanischen Westens. Die Inspiration der Songs changiert zwischen Pop, Folk und Country, lässt sich jedoch nie in eine eindeutige Schublade packen, wie Sundberg selbst bestätigt: „Der amerikanische Sound daran gefällt mir, das ist meine Art von Musik. Aber ich kann meinen Stil nur wenig beeinflussen. Es passiert einfach, das die Einflüsse durcheinander gehen. Ich schreibe nicht mit einem Ziel vor Augen, sondern lasse die Leute um mich herum, meine Gedanken und Gefühle bestimmen, was auch immer dabei herauskommt. Ich schreibe für mich und die Musik.“ Gut aber, dass auch wir – die Zuhörer – am Ergebnis teilhaben dürfen, denn Sundbergs Songs stecken voll eindrucksvoller Tiefe und klingen erfrischend echt, ohne den amerikanischen Zuckerguss, der im Genre so üblich ist. Auch ohne den schwedischen Wald vermittelt einem „Cigarette Secrets“ ein bisschen Sehnsucht nach Heimat, ein wenig Melancholie nach Zuhause – ganz besonders, wenn man aus dem Fenster auf die Großstadt blickt.

Ellen Sundberg – „Cigarette Secrets“