Druckvoll und erdig

Musikalisch sind die Texaner von The Sword nicht gerade leicht in Schubladen zu sortieren, hat sich ihr Stil über die letzten Jahre und stetige Veröffentlichungen von nunmehr sechs Alben doch maßgeblich gewandelt. Irgendwo tief drin könnte man sicher mit dem klassischen Ur-Metal-Sound der 1970er Jahre argumentieren und auf stimmliche wie auch musikalische Anleihen bei Ikonen wie Black Sabbath oder Led Zeppelin verweisen. Doch damit würde man dem Sound und dem Wandlungsreichtum der Band nur zum Teil gerecht werden, weist das neue Album USED FUTURE doch gerade beide im Titel genannten Elemente auf. Der Sound hat etwas „Gebrauchtes“, in dem Sinne, als dass ein junger Jimmy Page sich bei The Sword wiederfinden würde. Und doch ist das Album nicht ein simples Retro-Werk, sondern verkörpert auch die Zukunft des Rock, der um sich selbst immer wieder neu zu erfinden, einen Weg gefunden hat, Altes zu Neuem zu machen. Produktion und Tonalität sind heftiger und druckvoller als damals möglich. Und dazu kommt die Option, freier und experimenteller mit Erwartungen zu spielen, Stile zu vermischen und all die Schubladen links liegen zu lassen, die Journalisten so lieben. USED FUTURE ist guter Rock, eingängig, druckvoll und sehr erdig. Das war 1978 sehr lohnend und ist es heute auch noch. Punkt.

Ursprünglich erschienen in CLASSIC ROCK 04/18