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Vom Kind im Musiker

Am Anfang von „The Other“ stehen so zaghafte Klänge, dass man sie kaum wahrnimmt – zögerlich baut sich eine Melodie auf und wird dann lauter, dominanter. Für das musikalische Wunderkind Kyle Thomas, aka King Tuff, ist das die Ausgangslage des Albums: „Ich hatte die Unschuld verloren, ich war ausgebrannt und uninspiriert vom Touren. Ich musste wieder lernen zu forschen, auszuprobieren und neugierig zu sein. Der Opener ist Ausdruck des Gefühls verloren zu sein, etwas zu suchen, von dem man nicht mal weiß, wie es aussieht. Und am Ende des Albums steht dann ein Song, der das Gefundene repräsentiert. Ich lebe glücklich im Unbekannten – das Jenseits, wenn man so will.“ Zwischen Suche und Finden stehen zehn Songs, die King Tuff in einer ungewohnten musikalischen Umgebung zeigen. Die Gitarre steht fast ungenutzt in der Ecke und auch sonst erinnert wenig an den Garagerock anderer Alben. Vielmehr ist die Musik rhythmuslastig, mit viel Keyboard, verspielt, tanzbar und eben ein wenig kindlich neugierig. „Ich wollte mich umschauen, nach anderen Klängen und Texturen, die bisher noch nicht in meiner Musik aufgetaucht sind. Das war beabsichtigt. Kinder sind Experten für Kreativität – und das wollte ich nutzen. Das Resultat ist nicht zu beschreiben – es ist anders. Wäre es zu beschreiben, würde diese Andersartigkeit verloren gehen.“ Die einzige Beschreibung, die da bleibt, ist also Metapher: das Album als ein Trip in eine anderes Reich, eine Welt voller Tanz, freudiger Neugier und verträumter Melodien.

King Tuff – „The Other“

Ursprünglich erschienen im PIRANHA 04/18