Die Stagnation ist spürbar in diesem Land – nichts bewegt sich. Zeit, gerade auch für eine politische Linke, endlich mal wieder die Faust in den Himmel zu recken und „Auf geht’s!“ zu schreien – die Punkrocker von Betontod machen es uns vor.

Freundschaft und Zusammenhalt

Seit 28 Jahren sind die Jungs von Betontod befreundet – seit damals in der Schule, und noch immer schweißt sie die Begeisterung für den Punk zusammen. Gemeinsam waren sie immer politisch aktiv, haben sich gewehrt gegen rechte und bürgerlich-konservative Haltungen. „Wir verkörpern in der Band Freundschaft und Zusammenhalt und das sind auch Themen dieses Albums. Das sind Werte, die sich auch rechte Gruppierungen auf die Fahne schreiben, aber von denen lassen wir uns das Gute nicht wegnehmen. Man muss diese Werte positiv besetzen, um zu zeigen, dass sie wichtige Grundpfeiler unserer Gesellschaft sind.“ Für Gitarrist Frank Vohwinkel ist ein politischer Widerstand zentral, gerade in Zeit in denen nichts passiert. Mit „Vamos!“ schafft die Band ein Zeugnis, dass Punk-Ideale noch immer zeitgemäß und wichtig sind. Gerade, wenn sich der politische Wind dreht, so wie aktuell: „Wir sind als Band darauf bedacht, dass wir uns klar positionieren. Wir haben jetzt eine Kooperation mit der Aktion ‚Kein Bock auf Nazis‘. Das ist für uns immer noch ein wichtiges Anliegen. Wir hatten gehofft, dass es selbstverständlich ist, dass man gegen Nazis ist. Aber gerade die aktuelle Situation in Europa, wo sich immer mehr Populisten auf den Weg machen, ist es umso wichtiger, dass man klar Flagge zeigt.“

Bekomm den Arsch hoch!

Entsprechend ist eine zentrale Botschaft des neuen Albums, das wir nicht ruhig auf dem Sofa sitzen dürfen, sondern dringlich den Arsch hochbekommen müssen. „Vamos!“ – aufstehen und mit hochgestreckter Faust gegen die Probleme der Gesellschaft ankämpfen. Dabei ist es Frank wichtig, dass es nicht um Gewalt oder Zerstörung geht, sondern um politischen Widerstand. Zu den G20-Protesten meint er: „Wir haben Verständnis, das Tausende auf die Straße gehen und dort protestieren. Nur sehen wir es nicht als Ziel, Eigentum zu zerstören. Das bringt keinem etwas, das trifft die Falschen. Das erzeugt nur Unverständnis und führt dazu, dass sich Leute abwenden. Ja, wir schreiben im Lied ‚Vamos!‘, dass wir Chaos wollen. Wir meinen damit aber nicht umgestoßene Autos, sondern Chaos in der Gesellschaft. Chaos, das es schafft neue Dinge zu erschaffen. Das Chaos, das sich innerhalb der Kunst abspielt. Und am Ende kommt dann etwas Großes dabei heraus.“

Die schweigende Mitte

Politisch richtet sich das Album nicht nur an Punks und Linke, sondern gerade auch an die schweigende Mitte: „In erster Linie geht es darum, dass die Mitte der Gesellschaft aufsteht, sich bemerkbar macht. Wir müssen verkünden, dass die Lauten auf der Rechten eben nicht das Volk und die Mehrheit sind in diesem Land. Das wird aber nur klar, wenn sich die eigentliche Mehrzahl zeigt und klar positioniert. Es reicht nicht nur anderer Meinung zu sein, man muss sie auch klar nach außen stellen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass dieser Tumor von rechts immer weiterwächst.“ Musikalisch rufen Betontod damit zum Protest auf – ein Aufruf mitzumachen und endlich gemeinsam etwas zu bewegen in diesem Land: „Mach eine Faust aus deiner Hand, und wandle Wut in Widerstand, wir holen uns die Straße zurück, Stück für Stück.“

 


 „Vamos“! von BETONTOD im Faktencheck:

  • Technische Daten:
  • Intro + 10 Songs
  • 35.37 Spieldauer
  • Produziert von: Vincent Sorg
  • Aufgenommen in: Principal Studios, Senden

Tracklisting:

  1. Para toda la vida
  2. Zusammen
  3. Vamos!
  4. Boxer
  5. La Familia
  6. Es ist vorbei
  7. Niemals untergehen
  8. Nie mehr Alkohol
  9. Bengalo
  10. Stück für Stück
  11. Diese Zeit

Kurzzusammenfassung in den Worten von Frank Vohwinkel

Unser Ziel war / unser Hauptaugenmerk lag auf…

… der Erreichung unserer Ziele.

Die Texte drehen sich schwerpunktmäßig um…

… Veränderung, die Liebe und die Erwartung an das Leben.

Am lebhaftesten ist mir von den Aufnahmen in Erinnerung…

…, dass wir wieder Ivonne an Bord hatten, die uns bei „Im Wagen vor mir“ unterstützt hat.

Ich hoffe, die Leute sagen mal über dieses Album…

…, dass es das beste oder das schlechteste Album ist, das sie je gehört haben.

Was denkt ihr über …?

… Rockstars?

Wir bezeichnen uns als Antirockstars. Von daher kann man sich das, denke ich, ausmalen 🙂

… Popsongs?

Wir spielen keine Popsongs. Aber grundsätzlich gibt es nur gute oder schlechte Musik. Da würden wir keine Grenzen im Genre ziehen.

… Tourblues?

Ja, das ist immer etwas ganz Besonderes für uns. Da geht es immer heiß her, wenn wir auf Tour sind.

… Kinderlieder?

Bleiben im Kopf. Alleine das sagt schon sehr viel über die Berechtigung dieser Songs aus. Manche bleiben ja ein ganzes Leben dort…

28 Jahre in einer Band, Freunde seit der Schule – könnt ihr euch da noch leiden?

Wir sind seit 28 Jahren unterwegs und verbringen viel Zeit miteinander. Da ist nicht immer eitel Sonnenschein, sondern es kracht natürlich häufiger mal. Ist aber ok, wir kennen uns ja schon länger. Für uns bedeutet Punk in dieser Band zu sein immer noch das Gleiche wie vor 28 Jahren. Für das woran man glaubt einzustehen. Sich nicht in Schubladen stecken zu lassen und seinen Weg immer weiter zu gehen. Auch Fehler machen zu dürfen, aber am Ende immer in den Spiegel gucken zu können. Und Freundschaft und Zusammenhalt sind dabei etwas, das wir für ganz besonders wichtig halten. Niemals aufgeben – nicht deine Freunde, nicht dich selbst. Denn auch der Weg, den wir als Menschen gehen ist halt gezeichnet durch ein stetiges Auf und Ab. Da ist es eines unserer wichtigsten Ziele, den Fans zu sagen: „Egal wie dunkel es ist, irgendwann scheint wieder die Sonne. Lass dich nicht unterkriegen und steh halt wieder auf, immer einmal mehr als du hinfällst.“

 

Ursprünglich erschienen im PIRANHA 08/18 als CD DES MONATS