„Inside Voice“ ist ein Debütalbum und doch kommt es einem so vor, als kenne man die Songs, sei mit ihnen aufgewachsen oder hätte als Teenager verschüchtert einen Slow-Dance dazu getanzt. „Ich habe versucht eine Verbindung zu finden, zu der Musik, die ich in meiner Kindheit gehört habe. Großartige Musiker, die Soul und Pop für mich geprägt haben: Harry Nilsson, Carol King und natürlich Marvin Gaye,“ erzählt Joey Dosik und klingt dabei weitaus älter als er in Wirklichkeit ist. Entsprechend ist seine Musik im Geiste tatsächlich stark am späteren von Los Angeles geprägten Motown-Sound ausgerichtet. „Ich wollte das Album nicht als reinen Rückblick produzieren, aber ich wollte es im alten Stil machen. Ich habe alle Instrumente selbst eingespielt und aufgenommen, keine Synthesizer oder Samples. Aber gerade in Hinsicht auf die Lyrics ist da auch viel Modernes drin.“ Die Songs des Albums sind klassisch instrumentiert, Piano, Bläser, weiche Gitarren – immer wieder begleitet von anderen Stimmen, vor allem Chören: „Ja, die Musik hat auch etwas Spirituelles. Es ist eine Art ‚agnotischer Gospel’ da ich nicht mit der Religion aufgewachsen bin. Aber ich habe Gospel gehört und es auf dem Album emuliert. Ich wollte das spirituelle Gefühl, den ‚Uplift’ der Musik in meinen Stil übertragen.“ Und genau das ist Dosik wunderbar gelungen – „Inside Voice“ ist klassicher Soul, inspiriert von Gospel und Motown, mal einfühlsam und ruhig und dann wieder mitreißend und beherzt. Wunderschöne Musik, die irgendwie aus der Zeit gefallen ist.

Joey Dosik – „Inside Voice“

Ursprünglich erschienen im Piranha 09/2019